ArchivMedizin studieren2/2006Global Health: Vorbereitung für den Hilfseinsatz

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Global Health: Vorbereitung für den Hilfseinsatz

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, WS 2006/07: 20

Menzel, Johannes; Schubert, Kirsten

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Foto: dpa
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Ich betrat Hütten aus Wellblech und Plastikfolien, in denen ganze Familien in einem Raum lebten. Es gab kein Abwasser- oder Müllabfuhrsystem, und eine einzelne Pumpe sorgte für Wasser. Skabies-Salben erschienen bedeutungslos in einer Gegend, wo drei oder vier Kinder sich ein Bett teilten. Ratschläge zu Hygiene und Händewaschen waren wertlos, wo Kinder auf der Suche nach einer Mahlzeit in Müllhaufen stocherten. Hier zwischen den Ärmsten der Armen der Stadt war Geld, nicht Medizin, die entscheidende Bestimmungsgröße für Gesundheit“ (Andrew Moscrop, Gaststudent in Bangladesh. Aus: The Elective Pack – The medical student’s guide to essential international health and development, International Health and Medical Education Centre, University College London).

Solche Erfahrungen machen viele Medizinstudierende, die eine Famulatur oder ein Tertial des Praktischen Jahres (PJ) in Ländern der sogenannten Dritten Welt machen. Wer selbst nicht im Ausland war, kennt doch meist einen oder zwei Kommilitonen, die von ihren Erlebnissen in Afrika, Asien oder Lateinamerika erzählen. Sehr viele Projekte bieten Famulaturen und PJ-Plätze, in denen man oft mit Krankheiten, Gesundheitssystemen und Kulturen konfrontiert wird, die man nicht kennt.

Eine gute Vorbereitung ist deshalb das A und O, um einen solchen Aufenthalt sinnvoll zu gestalten – für sich selbst und für die Menschen, denen man dort begegnet. In Deutschland bisher etabliert sind die Trikont-Seminare der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (BVMD), die die Studierenden auf ihren Auslandsaufenthalt vorbereiten. Diese werden von Studierenden selber organisiert und finden pro Semester einmal statt. Noch nicht ganz so bekannt ist das Angebot des Missionsärztlichen Instituts in Würzburg: die Sommerakademie „Medizin in den Tropen“, die jedes Jahr Ende Juli/Anfang August stattfindet. Aus eigener Erfahrung können wir diese nur empfehlen, da sie eine ideale Vorbereitung auf einen Aufenthalt in den Tropen bietet.

Wer die Erlebnisse im (Entwicklungs-)Ausland gut verarbeiten und in einen globalen Kontext einfügen möchte und gleichzeitig kompetente medizinische Hilfe leisten will, muss sich in mehreren Bereichen vorbereiten: Wichtig ist der soziokulturelle Hintergrund, das (tropen-)medizinische Wissen und nicht zuletzt der globale Kontext. Letzterer wird im Allgemeinen als „Global Health“ bezeichnet.

Die neu gegründete Studentische Initiative GandHI (Globalisation and Health Initiative) der BVMD möchte sich diesen Themen widmen und entsprechende Weiterbildungsangebote für Medizinstudenten entwickeln.

In Zusammenarbeit mit dem Missionsärztlichen Institut in Würzburg und dem BVMD-Austausch (dem ehemaligen Deutschen Famulantenaustausch DFA) plant die Arbeitsgruppe die Entwicklung eines Curriculums für die Vorbereitungskurse. Ziel ist es, möglichst vielen Studierenden vor ihrem Aufenthalt im Ausland eine umfassende Vorbereitung zu bieten.

Hast Du ähnliche Erlebnisse in Deinem Auslandspraktikum gehabt, wie oben geschildert? Warst Du überfordert? Fühltest Du Dich schlecht vorbereitet? Schreibe uns Deine Erfahrungen und Fragen an globalhealth@bvmd.de. Wir freuen uns über Anregungen. Johannes Menzel und Kirsten Schubert
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