ArchivMedizin studieren1/2006Kampf für bessere Arbeitsbedingungen: Im Interview Thorsten Hornung, bvmd-Präsident

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Kampf für bessere Arbeitsbedingungen: Im Interview Thorsten Hornung, bvmd-Präsident

Hillienhof, Arne

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Thorsten Hornung, Präsident der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, 10. Semester, Uni Bonn. Foto: privat
Thorsten Hornung, Präsident der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, 10. Semester, Uni Bonn. Foto: privat
DÄS: Nach der großen Resonanz auf die Umfrage (siehe Seite 7) unter den Studierenden zu den Arbeitsbedingungen soll es weitergehen: Was ist als Nächstes geplant?

Hornung: Im Augenblick arbeiten wir an der Auswertung und Darstellung einer Unterschriftenaktion, mit der die Medizinstudierenden unter anderem feste Arbeitszeiten und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie fordern. Die Resonanz an den Fakultäten war sehr groß. Wir haben beim Bundesgesundheitsministerium und bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft angefragt, ob wir die Liste dort präsentieren und Gespräche darüber führen können, was uns als den künftigen Ärztinnen und Ärzten wichtig ist. Wir hoffen, mit unserer Aktion einen konstruktiven Beitrag für eine positive Veränderung des deutschen Gesundheitssystems zu leisten.

DÄS: Wie war die Resonanz aus dem Ministerium und der Krankenhausgesellschaft?

Hornung: Das Ministerium hat bereits Interesse signalisiert. Wir haben zwar noch keine Terminzusage, gehen aber davon aus, dass wir die Gespräche führen werden. Außerdem wollen wir in Zukunft stärker mit Studierenden anderer Fachrichtungen des Gesundheitsbereichs zusammenarbeiten, zum Beispiel mit den Zahnmedizin- Studierenden und den Pharmazeuten. Auch zu den Studierenden im Pflegebereich wollen wir einen intensiveren Kontakt aufbauen. Auf internationaler Ebene ist dies schon etabliert: Zum Beispiel haben sich Mediziner und Pharmazeuten im November 2005 bei dem so genannten WorldMAPS in Malta* getroffen. 2007 soll es in Albufeira, Portugal, eine Folgekonferenz mit Studierenden aus dem ganzen Gesundheitsbereich geben. Wir wollen sehen, ob wir etwas Ähnliches auch in Deutschland etablieren können.
Aber obwohl die Proteste für die Arbeitsbedingungen und die Zusammenarbeit zwischen den Fächern wichtig sind: Unsere Hauptarbeit dreht sich natürlich um das Medizinstudium an sich.

DÄS: Was sind da die Hauptthemen für die bvmd?

Hornung: Vor allem unsere acht Arbeitsgruppen sind wichtig: Famulanten- und Forschungsaustausch, medizinische Ausbildung, Menschenrechte und so weiter. Dort laufen viele Projekte. Im Augenblick planen wir zum Beispiel wie schon in den vergangenen Jahren „TriKont-Seminare“ – das sind Vorbereitungskurse für Studierende, die in Asien, Afrika oder Südamerika famulieren wollen. Beim vergangenen Seminar waren unter anderen Mitarbeiter von amnesty international dort, außerdem ein Mikrobiologe, der gezeigt hat, wie der dicke Tropfen zur Malariadiagnose ganz praktisch funktioniert. Erfahrungsberichte von Kommilitonen, die bereits in den Regionen gearbeitet haben, gab es auch. Aber dieses Seminar ist nur ein kleiner Teil der Arbeit. Da sind die Schulprojekte von „Mit Sicherheit verliebt“, die Teddy-Krankenhäuser, die AG Medizinische Ausbildung, Palliativmedizin und noch viele andere.

DÄS:Wenn Studierende mitarbeiten wollen...

Hornung: ...dann ist das immer sehr willkommen. Wir planen, dieses Jahr ein internes Trainingsprogramm aufzubauen, um Leute für die ehrenamtliche Arbeit fit zu machen. Die Themen dort sind zum Beispiel Projektmanagement, Finanzmanagement, die Präsentation von Vorträgen und so weiter – also die berühmten „soft skills“, die an der Uni meist nicht unterrichtet werden. Aber die einzelnen Arbeitsgruppen bieten auch Einführungsseminare für ihre konkrete Arbeit an. Ende April findet zum Beispiel in Bochum ein Einführungswochenende für neue „local exchange officers“, kurz LEOs, statt. Sie koordinieren den Famulantenaustausch an den Fakultäten. Natürlich bilden auch andere Arbeitsgruppen ihre Mitarbeiter aus – zum Beispiel für die Arbeit bei „Mit Sicherheit verliebt“. Hier gehen Studierendenteams in die Schulen und halten Unterrichtsstunden zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Es ist uns wichtig, dass niemand einfach ins kalte Wasser geworfen wird, sondern für die ehrenamtliche Arbeit so qualifiziert ist, dass es ihm Freude macht. Wer Interesse hat, wendet sich am besten an seine lokale bvmd-Vertretung an der Uni. Dr. med. Arne Hillienhof

Weitere Informationen aus der bvmd unter: www.aerzteblattstudieren.de/forum

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