ArchivMedizin studieren1/2006Semesterscheine: Benotung unter Kritik

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Semesterscheine: Benotung unter Kritik

Hillienhof, Arne

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Foto: Photothek
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Seit Dozenten die Leistungen in ihren Fächern benoten müssen, hat sich die Situation von Medizinstudierenden und -lehrenden an den deutschen Universitäten deutlich verschlechtert. Diese Auffassung vertritt die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd). „Die Noten in einem Fach sind zwischen verschiedenen Jahrgängen innerhalb einer Fakultät nicht vergleichbar, geschweige denn zwischen verschiedenen Fakultäten“, erklärte der Leiter der Arbeitsgruppe (AG) Medizinische Ausbildung der bvmd, Jonas Johannink, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt Studieren.de.

Ein Problem sind nach einer Umfrage unter Medizinstudierenden außerdem unterschiedliche Regelungen bei den Nachprüfungen. Beides führe zu deutlichen Wettbewerbsnachteilen für Studierende bestimmter Jahrgänge oder bestimmter Universitäten. Johannink wies darauf hin, dass diese Noten zukünftig auf dem Staatsexamenszeugnis stehen und deshalb wichtig sind. Die Qualität der Prüfungen sei der Bedeutung der Noten aber vielerorts nicht angemessen. „Die Noten spiegeln die wirklichen Leistungen nicht wider. Sie sind nicht vergleichbar“, fasst Johannink die Kritik der bvmd zusammen. Das derzeitige System verkenne außerdem, dass die Ausbildung zum Arzt mehr als das vergleichsweise einfach zu überprüfende Faktenwissen erfordere. Die oft beschworenen praktischen Fertigkeiten am Krankenbett gerieten weiter ins Hintertreffen.

Die Notenvergabe beeinflusst nach Angaben der bvmd außerdem das Sozialverhalten an den Universitäten: „Bereits zwei Jahre nach der Einführung der neuen Approbationsordnung im klinischen Studienabschnitt ist ein Wandel im Sozialverhalten der Studierenden spürbar. Kollegialität und Teamwork weichen vielerorts dem Konkurrenzkampf und Egoismus; Eigenschaften, die dem Ziel einer universitären Medizinerausbildung zuwiderlaufen“, hieß es aus dem Verband. Deshalb die Forderung: „Die Benotung der Semesterscheine ersatzlos streichen!“ Dr. med. Arne Hillienhof
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