ArchivMedizin studieren1/2006Public Health: Ein Sonographiegerät für Bahías de Huatulco

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Public Health: Ein Sonographiegerät für Bahías de Huatulco

Kuntz, Marco

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Fotos: privat
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Ein Public-Health-Projekt kann auf vielerlei Weise entstehen. Ich hatte nach dem dritten Semester in der Vorklinik die Nase voll von der trockenen Theorie und wollte die Praxis meines gewählten Berufs sehen. „Genial wäre, dabei auch noch andere Kulturen und Sprachen kennen zu lernen“, dachte ich damals. Mir fiel ein Artikel über eine Zahnärztin in Mexiko in die Hand, die Mitarbeiter aus aller Welt suchte, um gemeinsam am Wochenende Kinder in Bergdörfern abseits der Zivilisation zu behandeln. Ich fragte sie, ob sie auch mit Medizinstudenten etwas anfangen könne und ob es auch unter der Woche Arbeit gäbe. Ihre Antwort: „Komm doch einfach vorbei, du kannst beim Roten Kreuz arbeiten, das regelt sich alles.“ In den nächsten Semesterferien war ich dort. Auf der Rot-Kreuz-Station in Bahías de Huatulco, einem kleinen Ort an der Pazifikküste Mexikos, lernte ich, mit einfachsten Mitteln Erkrankungen und Verletzungen zu behandeln und erwarb Kenntnisse in der Tropenmedizin. Die Ausflüge an den Wochenenden bescherten mir unvergessliche Eindrücke vom Leben der Menschen dort. Außerdem änderte sich meine Meinung darüber nachhaltig, was medizinisch notwendig ist und was nicht. Ein Beispiel: Beim Roten Kreuz arbeitete ich in einem Zentrum für behinderte Kinder. Dort realisierte ich, welche Gefahren von Infektionen während der Schwangerschaft ausgehen und wie wichtig eine vernünftige Schwangerschaftsvorsorge ist. Während ich half, Rollstühle an Bedürftige entlang der Pazifikküste zu verteilen, wohnte ich bei Einheimischen und konnte mir ein Bild von der Infrastruktur und der sozialen und wirtschaftlichen Situation des Landes machen. Außerdem lernte ich die bis heute existierende indianische Kultur kennen. Die Reise war eine ausgezeichnete Möglichkeit, meine Sprachkenntnisse zu verbessern, die Medizin in minder entwickelten Ländern und die lateinamerikanische Kultur und Lebensweise kennen zu lernen. Außerdem hat mich der Umgang mit den Patienten für das Studium sehr motiviert.

Mit Freunden zu Hause war es danach sehr leicht, ein Public-Health- Projekt zu starten. Die Mexikaner erklärten sich bereit, monatlich einen Medizinstudenten aufzunehmen. Erst als ich meine ersten klinischen Kurse und eine Famulatur absolvierte, realisierte ich, wie sehr einfache diagnostische Geräte, wie EKG oder Ultraschall, die Versorgung der Patienten verbessern. Die Erinnerung daran, dass in der Rot-Kreuz-Station in Mexiko fast jede Nacht Kinder auf die Welt kommen, ohne dass jemals ein Arzt einen Ultraschall gemacht hat, ließ mich nicht mehr los. Also nahm ich mir vor, einige Geräte zu organisieren und nach Bahías de Huatulco zu schicken. Über den Deutschen Famulantenaustausch und die Fachschaften, die sich jetzt zur Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) zusammengeschlossen haben, machte ich Werbung für das Vorhaben: Alle sollten sich umhören, ob in einer Praxis ältere Geräte übrig sind. Schneller als gedacht spendete ein Allgemeinarzt sein altes Ultraschallgerät inklusive Drucker und Sonden – vor einigen Wochen sind sie in Mexiko angekommen.

Ich hoffe, dass das Projekt in Zukunft durch viele engagierte Teilnehmer eine Eigendynamik entwikkelt und dass beide Seiten davon profitieren.

Marco Kuntz,
4. klinisches Semester, Mainz

Mehr Informationen unter:
marco_kuntz@web.de
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