ArchivMedizin studieren2/2006Open Access: Wissen für alle
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LNSLNS Freier Zugang, schnelle Veröffentlichung und kostengünstige Abwicklung: Das sind die Schlagworte der Open- Access-Bewegung, die sich die barrierefreie Kommunikation von Forschungsergebnissen im Internet auf die Fahne geschrieben hat. Dies ist vor allem eine Reaktion auf die Kostenexplosion bei den wissenschaflichen Zeitschriften, die die Hochschulbibliotheken als Informationsvermittler zunehmend in Bedrängnis bringt.

Entscheidend ist aber, dass die mangelnde Literaturversorgung die Verbreitung wissenschaftlicher Informationen einschränkt und damit gleichzeitig die Forschungsarbeit durch den fehlenden Zugang zu aktuellen relevanten Forschungsergebnissen behindert.

Aber wie sieht Open Access (OA) in der Praxis aus? Auf der einen Seite müssen die Qualitätsmaßstäbe der traditionellen Zeitschriften, wie das Peer-Review-Verfahren (unabhängiges Begutachtungsverfahren), gewahrt bleiben, auf der anderen Seite muss ein Finanzierungsmodell gefunden werden. Denn ganz ohne Kosten geht es nicht, auch wenn die Leiterin der Abteilung „Elektronisches Publizieren“ an der Humboldt-Universität zu Berlin die Kosten für ein OADokument auf 300 Euro und die einer herkömmlichen Veröffentlichung auf 3 000 Euro schätzt.

Zu guter Letzt müssen die Autoren (noch?) überzeugt werden, in OA-Journalen zu publizieren. Vorbehalte bestehen häufig wegen der befürchteten mangelnden Zitierhäufigkeit, der Qualitätssicherung und der langfristigen Verfügbarkeit. Um diesen Vorbehalten entgegenzutreten, gründete Harold E. Varmus 2003 die Initiative Public Library of Science (PLOS, www.plos.org). Ziel war es, qualitativ hochwertige OA-Zeitschriften herauszubringen. Inzwischen sind sieben Zeitschriften im Angebot der PLOS, das Peer-Review-Verfahren ist selbstverständlich.

Die PLOS zeigt auch ein Finanzierungsmodell auf, das die bisherigen Verhältnisse umkehrt: Nicht der Leser oder die Bibliothek zahlen für ein Zeitschriftenabonnement, sondern der Autor entrichtet eine Publikationsgebühr von 1 500 USDollar, die sich um 20 Prozent reduziert, wenn die Institution des Autors Mitglied der PLOS ist. Ziel ist es, dass dieses Geld künftig Teil der Projektmittel ist, die Förderinstitutionen einer Forschergruppe zur Verfügung stellen. Inzwischen ist diese Sorge der Autoren um die Zitierhäufigkeit der OA-Zeitschriften auch statistisch widerlegt.

Gunter Eysenbach von der Universität von Toronto untersuchte in einer Studie die Zitierhäufigkeit von rund 1 500 Originalarbeiten in der Fachzeitschrift PNAS (www.pnas.org). Ergebnis: OA-Artikel wurden statistisch signifikant häufiger zitiert als „herkömmliche“ Beiträge. Die Gefahr, überhaupt nicht zitiert zu werden, lag bei den OA-Veröffentlichungen sogar nur halb so hoch (5,2 Prozent versus 13,6 Prozent).

Open Access hat die wissenschaftliche Verlagswelt zwar nicht revolutioniert, aber zumindest aufgeschreckt. Denn auch traditionelle Verlagshäuser bieten Autoren nun eine offene Variante an, wie Springer mit „SpringerOpenChoice“ oder Oxford University Press mit „Oxford open“. Auch wenn das Deutsche Ärzteblatt kein OA-Journal im eigentlichen Sinne ist – sämtliche Beiträge sind unter www.aerzteblatt.de frei verfügbar. Mehr Informationen: http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Access
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