ArchivMedizin studieren1/2007Kinder- und Jugendpsychiatrie: Hervorragende Karrierechancen

Karriere

Kinder- und Jugendpsychiatrie: Hervorragende Karrierechancen

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, SS 2007: 4

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS In der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (KJPP) fehlt es an Ärzten. Mittlerweile beauftragen die Kliniken schon Headhunter, weil sie ihre Stellen nicht besetzen können.

Hyperaktivität, Anpassungs- und Essstörungen sowie psychosomatische Beschwerden sind häufige Erkrankungen in der KJPP. Foto: Ipon
Hyperaktivität, Anpassungs- und Essstörungen sowie psychosomatische Beschwerden sind häufige Erkrankungen in der KJPP. Foto: Ipon
Als an diesem Vormittag im Arztzimmer von Sabine Langenfeld* das Telefon klingelt und die Frau von der Zentrale einen Pharmareferenten ankündigt, ist das eigentlich nichts Ungewöhnliches. Umso mehr staunt die 38-jährige Assistenzärztin, als die männliche Stimme am anderen Ende der Leitung ohne Umschweife zugibt, bei den Angaben zu ihrer Person etwas geschummelt zu haben. Er sei kein Arzneimittelvertreter, sondern wolle Langenfeld im Auftrag einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie eine Oberarztstelle anbieten. Um ihr Nachfragen in ihrer jetzigen Abteilung zu ersparen, habe er sich als Pharmareferent ausgegeben. „Das fand ich schon etwas geheimnisvoll“, meint die Assistenzärztin, die kurz vor der Facharztprüfung steht. Mittlerweile habe sie aber von mehreren Kollegen gehört, die ähnliche Erfahrungen mit sogenannten Headhuntern gemacht hätten.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (KJPP) hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt. Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die wegen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Störungen des Sozialverhaltens behandelt werden, hat deutlich zugenommen. Gleiches gilt für Depressionen, Ängste, Anpassungs- sowie Essstörungen oder psychosomatische Beschwerden. Während die Zahl der behandlungsbedürftigen Patienten in der KJPP wächst, fehlt es unterdessen an Ärztinnen und Ärzten. Besonders gefragt sind frisch gebackene Fachärzte. Viele Einrichtungen suchen aber ebenfalls händeringend nach Assistenten. Besonders Einrichtungen in kleineren Städten haben Probleme, ihre Stellen zu besetzen.

Dr. med. Christa Schaff, Vorsitzende des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e.V., glaubt, vielen Medizinstudierenden sei nicht bekannt, was genau sich hinter der Fachrichtung KJPP verberge. „Bisher wird das Fach leider nicht an jeder Uni als eigenständiges Lehrfach unterrichtet. Oft wird es nur als Teil der Psychiatrie vermittelt, obwohl es den Facharzt schon seit 1968 gibt“, kritisiert sie. Für Schaff ist die KJPP ein attraktives Fach mit einem ganzheitlichen Ansatz, der somatische, psychotherapeutische, psychiatrische und sozialpsychiatrische Aspekte verbindet. Zudem seien die Chancen für Uni-Absolventen, in der KJPP einen Job zu bekommen, sehr gut, ebenso die Möglichkeit, als Oberarzt zu arbeiten oder sich später niederzulassen. Arbeiten in der eigenen Praxis: Das ist auch das Fernziel von Sabine Langenfeld. Doch zunächst will sie erst einmal in Ruhe ihre Facharztprüfung absolvieren. Das Angebot des Headhunters hat sie ausgeschlagen. Die Chancen stehen allerdings gut, dass bei Langenfeld noch häufiger das Telefon klingelt. 2006 ist die Zahl der Stellenanzeigen im Deutschen Ärzteblatt für Fachärzte in der KJPP im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent gestiegen. Den 117 Fach-/ Oberarztausschreibungen standen gerade einmal 94 Facharztanerkennungen gegenüber. Dr. med. Birgit Hibbeler

*Name von der Redaktion geändert
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