MEDIZIN: Kasuistik

Kasuistik

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, WS 2007/08: 36

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LNSLNS In die Notaufnahme kommt am Freitagabend ein Patient, 51 Jahre alt, und klagt über diffuse abdominale Beschwerden, Leistungsminderung und subfebrile Temperaturen. Vorerkrankungen und Operationen verneint er.

Der zeitlich und räumlich orientierte Patient zeigte in der Untersuchung ein vorgewölbtes Abdomen mit perkutorischer Fluktuationswelle. Die Ärztin nimmt Blut ab und geht dann in den Nachbarraum, um ein Sonografiegerät zu holen, das ihre Verdachtsdiagnose bestätigen soll. In dieser Zeit verlässt der Patient die Klinik.

Laborchemisch fand man an wesentlichen Befunden: Bilirubin 1,5 mg/dl, Albumin 3,0 g/dl, Quick 54 % (INR 1,5), Thrombozyten 82/nl, Leukozyten 14,4/nl, Natrium 127 mmol/l, C-reaktives Protein 34 mg/l. Die übrigen Serumwerte waren ohne Befund. Eine Woche später wird der Patient notfallmäßig eingeliefert, stirbt aber im Rettungswagen. Die pathologische Untersuchung ergab folgenden Befund:

Foto: picture-alliance/Okapia
Foto: picture-alliance/Okapia
Auflösung
Es handelt sich um eine Leberzirrhose mit ausgeprägtem Aszites aufgrund portaler Hypertension. Dieser Aszites war in der körperlichen Untersuchung für den typischen Tastbefund (Fluktuationswelle) verantwortlich. Eine Adipositas zeigt diese Welle nicht.

Alle chronischen Lebererkrankungen können im Endstadium zu einer Leberzirrhose führen. Im europäischen Raum zählen der Alkoholmissbrauch und die chronische Virushepatitis zu den häufigsten Ursachen der Leberzirrhose.

Eingeteilt wird sie nach dem sogenannten Child-Pugh- System. Dieses bezieht drei Laborwerte (Bilirubin, Albumin und Quick beziehungsweise INR) und zwei klinische Symptome ein (Enzephalopathie und Aszites) und teilt den einzelnen Werten Punkte zu. Die Summe der Punkte gilt als das Maß für den Schweregrad der Zirrhose.

Normalwerte Labor: Bilirubin: Normalwert unter 1,2 mg/dl, ab rund 2,4 Milligramm Ikterus; Albumin: Normalwert um 7g/dl; INR: Normalwert: 1,0, hier also die Gerinnungszeit vergrößert; Leukozyten 4 bis 10 pro Nanoliter, hier also erhöht, spricht für eine Entzündung; Thrombozyten 150 bis 400 pro Nanoliter, hier also vermindert; Natrium: Normalwert 136–148 mmol/l, CRP normalerweise weniger als 10 mg/l

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