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Medizin und Menschenrechte: Die Kaletra-Kampagne

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, SS 2007: 18

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Das HIV-Präparat Kaletra gibt es jetzt als hitzebeständige Tablette – eine ideale Voraussetzung für den Einsatz in Entwicklungsländern. Der Pharmahersteller Abbott hat jedoch bisher die Zulassung für das Medikament nur für Südafrika beantragt.

Es war ein kleiner Schritt für das Pharmaunternehmen Abbott, sich die Patente für Kaletra® zu sichern. Kaletra zu entwickeln, war dagegen ein großer Schritt für die Forschung. Doch gigantisch wäre es, allen Patienten den Zugang zu Kaletra zu gewähren. Das ist das Anliegen der Kaletra-Kampagne.

Kaletra ist ein HIV-Medikament, bestehend aus Lopinavir und Ritonavir, das die Virusvermehrung im Körper eines HIV-Infizierten hemmt. Neu ist die Darreichungsform: Kaletra gibt es jetzt in Tablettenform. Sie ist im Gegensatz zur Kapselform hitzebeständig. Man braucht die Tablette zudem nur einmal am Tag einzunehmen, mit oder ohne Nahrung. Für HIV-infizierte Patienten, die keinen Kühlschrank haben und bis zum nächsten Supermarkt ungefähr 300 km zurücklegen müssen, ist die Kaletra-Tablette oftmals die einzige Chance, eine HIV-Therapie zu erhalten.

Die Firma Abbott hat jedoch nur in Südafrika die Zulassung beantragt, obwohl viele Patientinnen und Patienten in anderen Ländern dieses Medikament auch dringend benötigen. Doch ihre Behandlung ist nur mit einem sehr hohen bürokratischen Aufwand möglich. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen” muss in einem komplizierten Verfahren Sondereinfuhrgenehmigungen beantragen – für jeden der rund 30 000 Patienten einzeln.

Die Arbeitsgemeinschaft Medizin und Menschenrechte in der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (BVMD) will sich deshalb für die Zulassung von Kaletra auch in anderen Entwicklungsländern engagieren. Wir veranstalten mithilfe der Studierendengruppe der Organisation „Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung“ (IPPNW) deutschlandweit Vortrag- und Filmabende, um Studierende für das Thema „Zugang zu essenziellen Medikamenten“ zu sensibilisieren. Außerdem sammeln wir Unterschriften, damit unsere Stimme an Gewicht gewinnt. Wir freuen uns über jeden Teilnehmer.

Monika Rau, Shadi Razmdjou, Freiburg, AG Medizin und Menschenrechte in der BVMD

4 000 Unterschriften gegen die Firmenpolitik von Abbott wollten Mediziner, Mitglieder von „Ärzte ohne Grenzen“ und der BVMD Ende Februar dem Pharmaunternehmen in Wiesbaden überreichen. Nach Angaben der Beteiligten war bei Abbott niemand bereit, die Mediziner zu empfangen. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Susanne Kastner, betonte, Abbott habe eine große Verantwortung gegenüber den HIV-Patienten. Sie habe immer noch keine Liste der Länder erhalten, in denen Abbot die Zulassung beantragt habe.
4 000 Unterschriften gegen die Firmenpolitik von Abbott wollten Mediziner, Mitglieder von „Ärzte ohne Grenzen“ und der BVMD Ende Februar dem Pharmaunternehmen in Wiesbaden überreichen. Nach Angaben der Beteiligten war bei Abbott niemand bereit, die Mediziner zu empfangen. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Susanne Kastner, betonte, Abbott habe eine große Verantwortung gegenüber den HIV-Patienten. Sie habe immer noch keine Liste der Länder erhalten, in denen Abbot die Zulassung beantragt habe.
Mehr Infos unter: www.bvmd.de, www.aerzte-ohnegrenzen.de/Medikamentenkampagne.php, www.bukopharma.de
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