ArchivMedizin studieren1/2007Medizinische Ausbildung: Zielvorgabe Arzt: Das Kerncurriculum

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Medizinische Ausbildung: Zielvorgabe Arzt: Das Kerncurriculum

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, SS 2007: 20

Störmann, Sylvère

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Trotz der neuen Approbationsordnung sei die medizinische Ausbildung immer noch zu theoretisch, kritisieren die Medizinstudierenden. Ein europäisches Kerncurriculum, das klare Ziele für die Ausbildung absteckt, soll helfen.

Die Arbeitsgruppe „Medizinische Ausbildung“ der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (BVMD) hat ein Kerncurriculum erarbeitet. Es beinhaltet das Wissen und die Fähigkeiten, die Ärztinnen und Ärzte nach mehr als sechs Jahren Studium tatsächlich beherrschen sollten. Das Curriculum gliedert sich in neun Themenbereiche mit 80 Ausbildungszielen. Die BVMD hat es zusammen mit Studierenden aus 15 europäischen Ländern erarbeitet und für Deutschland spezifisch erweitert und angepasst. Für ganz Europa liegt damit ein einheitliches Kerncurriculum vor.

Fotos: ddp
Fotos: ddp
Die Ziele der medizinischen Ausbildung sind trotz der neuen Approbationsordnung noch immer sehr allgemein, viele Aspekte der ärztlichen Tätigkeit kommen nicht vor. Der fehlende praktische Bezug zur späteren Tätigkeit führt unter Medizinstudierenden oft zu Unmut und Demotivation. „Zu theoretisch“, „zu überladen“ – so lautet die Kritik. Doch oft wissen weder Dozenten noch Studenten, welches Wissen, welche Fähigkeiten und welche Kompetenzen die Studierenden erlernen sollten, um später kompetent als Ärztin oder Arzt zu arbeiten. Genau hier setzt die Idee des Kerncurriculums an. Wäre es nicht besser, wenn die Ziele der Ausbildung klar festgelegt würden?

Die Definition der Ausbildungsziele ist nicht nur für die Studierenden wichtig, um ihnen die Ziele ihrer Ausbildung zu verdeutlichen. Sie ist auch eine Grundlage für die Qualitätssicherung der Lehre, die bei zunehmender Profilbildung und Privatisierungstendenzen der Universitätskliniken immer wichtiger werden wird. Ein gemeinsames europäisches Kerncurriculum fördert zudem die Mobilität der Studierenden und stellt die Basis für den „europäischen Arzt“ dar. Die Definition der Kompetenzen und Fähigkeiten eines Absolventen sind aber nicht nur unter Ausbildungsaspekten wichtig. Sie sollten auch ein Bestandteil gesellschaftlicher Diskussionen darüber sein, was Ärztinnen und Ärzte leisten sollen.

Derzeit ist die Arbeitsgruppe damit beschäftigt, diesen Vorschlag der Öffentlichkeit, den verschiedenen Interessenvertretern, den Fakultäten, Ministerien und Behörden bekannt zu machen und dafür zu plädieren, den wirklich wichtigen Zielen des Studiums mehr Gewicht zu geben. Das Kerncurriculum ist ein Vorschlag zum Dialog.

Sylvère Störmann, München, Mitglied des BVMD-Vorstandes

• Die Grundlage des deutschen Kerncurriculums wurde auf der 5. Internationalen Bologna-Prozess-Folgekonferenz von engagierten Studierenden der European Medical Students’ Association (EMSA), der International Federation of Medical Students’ Association (IFMSA) und der BVMD ausgearbeitet. www.ifmsa.org/ifmsa/activities/standingcommittees/scome.html

Das Kerncurriculum im Vollext: http://bvmd.de/arbeit/scome/kerncurriculum

Themenbereiche des Kerncurriculums
• Fähigkeiten und Fertigkeiten
• Kommunikationsfähigkeit
• Kritisches Denken
• Lebenslanges Lernen
• Lehre und Aufklärung
• Öffentliche Gesundheit
• Professionalität – Verhaltensweisen, Verantwortlichkeiten und Selbstentwicklung
• Teamfähigkeit
• Theoretische Kenntnisse
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