szmtag Bologna-Prozess: Allein die Umsetzung entscheidet
ArchivMedizin studieren1/2008Bologna-Prozess: Allein die Umsetzung entscheidet
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Ein europäisches Kerncurriculum soll die Qualität der medizinischen Ausbildung auch bei möglichen Master-/Bachelorabschlüssen sichern.

Die mögliche Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen auch im Medizinstudium in Deutschland darf nicht zu Qualitätsverlusten in der ärztlichen Ausbildung führen. Das fordert die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) in einem Positionspapier zum Bologna-Prozess. Hintergrund: Im Juni 1999 unterzeichneten 29 europäische Länder die Bologna- Deklaration: Ziel war und ist es, die Studiengänge europaweit vergleichbar zu machen und auf diese Weise die Mobilität der Studierenden zu verbessern und die Stellung europäischer Hochschulen zu stärken. Der unter den Studierenden bekannteste Eckpunkt der Deklaration ist die Einführung der zweistufigen Abschlüsse Bachelor und Master. Die Diplomstudiengänge und das Lehramtsstudium wurden bereits an die neuen Abschlüsse angepasst oder befinden sich gerade in der Umstellung. In Staatsexamens-Studiengängen, wie Jura und Medizin, herrscht hingegen noch Ungewissheit.

Foto: Fotolia
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In ihrem Positionspapier halten die Studierendenvertreter fest, dass das Ziel des Medizinstudiums weiterhin der approbierte und kurativ tätige Arzt sein müsse. Zwar biete die Harmonisierung der medizinischen Ausbildung in ganz Europa den Studierenden die große Chance einer nahezu grenzenlosen Mobilität ohne Rücksicht auf Ländergrenzen. Um dennoch eine gleichbleibende Qualität der medizinischen Ausbildung sicherzustellen, fordert die bvmd ein europäisches Kerncurriculum, das gemeinsame Ausbildungsinhalte definiert und so eine Kontinuität in der Ausbildung garantiert. In diesem Zusammenhang sprechen sich die Vertreter der Medizinstudierenden weder für noch gegen die Bachelor-/Masterstruktur aus. In ihren Augen ist die Art der Umsetzung von entscheidender Bedeutung.

Trotz aller Unsicherheit sind manche Aspekte einer Bachelor-/ Masterstruktur im Medizinstudium durchaus vorstellbar: zum Beispiel das Medizinstudium mit dem akademischen Titel eines Master of Medicine abzuschließen. Wie und wo man allerdings einen Absolventen des Studiengangs Bachelor of Medicine, der lediglich drei Jahre studiert hat, beschäftigen soll, wird allseits sehr eindringlich und kontrovers diskutiert. Einig scheinen sich jedoch alle Beteiligten darin zu sein, dass Studenten mit dem Bachelorabschluss nicht als Ärzte in der Patientenversorgung arbeiten sollten. Für den Bachelor werden stattdessen „arztfremde” Tätigkeiten in der Industrie, Pharmazie und Forschung für geeignet gehalten.

Auch in Deutschland planen verschiedene medizinische Fakultäten seit einiger Zeit die Umstellung auf Bachelor/ Master oder diskutieren zumindest deren Möglichkeit. Einige – wie Berlin oder Mannheim – vertreten die Einführung solcher Strukturen auch öffentlich. Die bvmd sieht ihre Aufgabe darin, die Reform mitzugestalten, wie es in der Bologna-Deklaration gewünscht wird. Sie fordert dafür politische Entscheidungsträger zum Dialog auf.

Katharina Kulike, Alexander Schwab, Robert Lauch aus der AG Medizinische Ausbildung der bvmd Das Positionspapier der bvmd findet man im Internet unter http://bvmd.de/arbeit/scome/bologna/.

Außerdem stehen die Vertreter der AG Medizinische Ausbildung der bvmd gerne unter ausbildung@bvmd.de für Fragen und Anregungen zur Verfügung.
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