MEDIZIN: Kasuistik

Kasuistik

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, SS 2008: 32

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
In die Klinik kommt ein 23-jähriger Patient, der über thorakale Schmerzen klagt. Laut Anamnese ist der Patient „sonst immer gesund gewesen“, keine Allergien, kein Asthma, kein Diabetes. Vor drei Wochen hat er einen grippalen Infekt mit Temperaturen bis 39 Grad Celsius durchgemacht.

Die klinische Untersuchung zeigt einen Patienten mit normalem Body-Mass-Index, der Untersuchungsbefund ist unauffällig, aber im dritten Interkostalraum parasternal links ist bei der Auskultation ein Reiben zu hören, das in der Systole und der Diastole gleichermaßen auftritt.

Die Temperatur ist mit 37,7 Grad Celsius erhöht. Das Labor zeigt ein normales HB und normale Leukozyten, aber ein leicht erhöhtes CRP (C-reaktives Protein). Das EKG ist wie nebenstehend:

Welche Verdachtsdiagnosen liegen nahe?

Auswertung
Das EKG zeigt einen Sinusrhythmus bei einem Indifferenz- Steiltyp. Auffällig ist die ST-Anhebung in I, aVR, II, aVF und besonders in den Brustwandableitungen V2 bis V6, gefolgt von einer hohen und breiten T-Welle. Der Verdacht auf eine Perikarditis liegt nahe. Differenzialdiagnostisch ist auch an einen Infarkt zu denken! Eine transmurale Ischämie (Infarkt) ist aufgrund der EKG-Veränderungen eher unwahrscheinlich, weil sich die ST-Hebungen und das große T in vielen Ableitungen zeigen und damit nicht den Versorgungsgebieten der Koronararterien entsprechen. Auch der klinische Befund (Alter, keine Vorerkrankungen) spricht gegen einen Infarkt und für eine Perikarditis viraler Genese.

Zur PerikarditisDie akute trockene Perikarditis (P. sicca) geht oft mit retrosternalen Schmerzen einher. Sie können sich bei Husten oder tiefer Atmung verstärken. Bei der Auskultation fällt ein schabendes Reibegeräusch über dem Herzen auf. Bildet die Entzündung ein Exsudat (P. exsudativa), können sich die Beschwerden und Geräuschbefunde deutlich bessern oder ganz verschwinden. Der Erguss kann die normale Herzfunktion bis zur Herzinsuffizienz und sogar bis zum Schock einschränken.

Das EKG ist bei der akuten Perikarditis in 60 bis 80 Prozent verändert: Es kommt häufig zu Hebungen der ST-Strecke. Im Unterschied zum Myokardinfarkt, bei dem die ST-Hebung direkt vom absteigenden R-Schenkel ausgeht, ist bei der Perikarditis oft noch eine S-Zacke zu erkennen. Nach einigen Tagen findet man häufig eine Außenschichtschädigung mit T-Negativierung. Diese ist aber gegenüber dem Infarkt nicht einem bestimmten koronaren Versorgungsgebiet zuzuordnen.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema