ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1997Ökonomisches Einsparpotential bei Ulkuserkrankungen: Realität oder Wunschdenken?

MEDIZIN: Diskussion

Ökonomisches Einsparpotential bei Ulkuserkrankungen: Realität oder Wunschdenken?

Schumacher, M.

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. rer. pol. Peter Oberender Prof. Dr. med. Wolfgang Rösch in Heft 13/1997
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LNSLNS Exakte Inzidenzermittlungen sind bei Magenerkrankungen schwierig, da keine Meldepflichten bestehen. Unabhängig von der Therapie waren vor 100 Jahren die Ulcus-duodeni-(UD-)Erkrankungen wesentlich komplikationsträchtiger.
Das Magenkarzinom "steigt" wiederum seit 20 Jahren aus dem Antrum in den Kardiabereich, ebenfalls keine Therapiewirkung, aber eine interessante Inzidenzbewegung.
Wird die Inzidenz des UD nach Eradikation abfallen? Vom Versuch, dies in einem Versorgungsbereich zu überprüfen, wird berichtet. Ein Gastroenterologischer Arbeitskreis von 26 Fachärzten mit durchschnittlich 22 Berufsjahren hat in einem ländlichen Bereich in Sachsen-Anhalt ein großes Datenvolumen zusammengetragen. 30 000 Einwohner werden versorgt. Die gastroenterologische Ambulanz sichert die 24-Stunden-Gastroskopie. 1 500 Gastroskopien pro Jahr werden durchgeführt.
Es gilt: Erst Diagnostik und dann Therapie. Ausgenommen sind Ablehnungen seitens der Patienten. Ulcera duodeni werden seit 1992 nachbeobachtet und konsequent mit Protonenpumpenhemmer (PPI) in Standarddosierung behandelt. Das beste antipeptische Prinzip, der PPI, wurde mit der Eradikation verglichen. Neben dem therapeutischen und diagnostischen Konsens unter den Ärzten wurden eine Inzidenzerfassung der Oberbaucherkrankungen im Versorgungsbereich, eine duale Eradikationsstudie mit einem Follow-up von vier Jahren und eine Rezidivstudie des Ulcus duodeni unter reiner PPI-Therapie in die Betrachtungen einbezogen.
Die Inzidenz des Ulcus duodeni beträgt 28/10 000 Einwohner/Jahr. Unter reiner PPI-Therapie rezidiviert das UD zu 53,9 Prozent/Jahr. Im Vergleich von Inzidenz zu Rezidiven im Beobachtungszeitraum fiel auf, daß man offensichtlich von zwei UD-Verläufen ausgehen muß: Einmal das chronisch kontinuierlich rezidivierende UD und zum anderen das akut rezidivierende.
Das akut rezidivierende verläuft teilweise über zehn Jahre ohne Rezidiv. Jedes dritte UD war nur vom chronisch kontinuierlichen Typ. Dies ist bei konsekutiv eradizierten UD-Patienten von Bedeutung. Eine definitive Aussage über ein Eradikationsprinzip ist daher vor einem sechs bis acht Jahren andauernden Follow-up nicht zu treffen. Von Mai 1993 bis April 1997 wurde eine duale Eradikation mit PPI in Standarddosierung kombiniert mit 2 x 1 000 mg Amoxicillin nachbeobachtet. Therapiedauer: 14 Tage. Die UD-Rezidivrate betrug im April 1997 32 Prozent. Nach PPI-Therapie sind 50 Prozent der Patienten nach zwei Tagen beschwerdefrei. Zur Eradikation sind weitere zwölf konsequente Therapietage erforderlich. Dies ist in der Niederlassung Wunschdenken.
Seit Mai 1995 besteht der Therapiekonsens in der Tripeleradikation. PPI in Standarddosierung, Clarithromyzin 2 x 250 mg und Metronidazol 400 2 x 1 Tablette sind die Kombinationsantibiotika. Wiederum sind 77 Patienten im Follow-up. Bisher traten nur drei UD-Rezidive bei erfolgloser Eradikation auf. Der Autor hat 1996 initiiert, daß 36 Prozent aller UD eradiziert wurden, und wird es auch weiter tun. Damit liegt die Rate im Versorgungsbereich fünffach höher als im Durchschnitt in Deutschland. Er kann nur nicht nachvollziehen, wo die Inzidenzen im Oberender-/Rösch-Artikel herstammen, ebenso nicht die Basis der Milliardeneinsparungen sowie die Rezidivrate beim UD. 95 Prozent aller UD werden in der Niederlassung diagnostiziert, therapiert und zugegebenermaßen viel zu wenig eradiziert. Hier müssen Therapieprinzipien vorliegen, die noch kürzer und noch selektiver sind. Diese wiederum müssen auf den Follow-up-Prüfstand, und dann kann gerechnet werden. Die Inzidenz des UD wird jedenfalls im Bereich jährlich ausgewiesen.


MR. Dr. M. Schumacher
Friedensstraße 14
39326 Wolmirstedt


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