ArchivMedizin studieren2/2008Organspende – für mich ein Thema?

FORUM

Organspende – für mich ein Thema?

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, WS 2008/09: 20

Razmdjou, Shadi

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Der Aufschrei der Empörung, der durch die Lande zog, nachdem ein öffentlicher niederländischer Sender sein neues TV-Format bekannt gab, war laut: In „De Grote Donorshow“ sollten die Kandidaten um die Nieren einer Frau spielen. „Makaber“ mag da einer denken oder „geschmacklos“. Für etwas, das sich im Nachhinein doch nur als heiße Luft entpuppte, erntete der Sender viel Aufmerksamkeit, und für kurze Zeit war ein höchst problematisches, ethisch umstrittenes und für alle Betroffenen ernstes Thema in aller Munde. Ein Thema, das nicht nur in den Medien, sondern auch im privaten Bereich eine besondere Rolle spielt und uns Medizinstudierenden im späteren Beruf noch oft begegnen wird: Organspende. Wir von der AG Medizin und Menschenrechte in der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland bvmd haben uns daher vorgenommen, unsere Kommilitonen über das Thema zu informieren.

In Deutschland besitzen lediglich zwölf Prozent der Bevölkerung einen Organspendeausweis. Foto: vario images/ddp [m]
In Deutschland besitzen lediglich zwölf Prozent der Bevölkerung einen Organspendeausweis. Foto: vario images/ddp [m]
Ein paar wichtige Punkte zum Thema:Weltweit herrscht ein großer Mangel an Spendeorganen. Die Wartelisten in Deutschland werden länger. Potenzielle Empfänger von Organen wie Herz, Leber oder Lunge sterben, weil nicht rechtzeitig ein passendes Spendeorgan zur Verfügung steht.

Gesetzlich gilt in Deutschland momentan eine erweiterte Zustimmungslösung. Das bedeutet, dass einem Toten nur dann Organe entnommen werden dürfen, wenn er entweder noch zu Lebzeiten sich selbst für eine Organspende ausgesprochen hat oder die nächsten Angehörigen, die an den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gebunden sind, einer Entnahme zustimmen.

Das derzeitige Transplantationsgesetz wird aufgrund des Organmangels häufig kritisiert, und einige Stimmen fordern eine Widerspruchsregelung, wie sie in einigen anderen europäischen Ländern praktiziert wird. Nach dieser dürfen immer Organe entnommen werden, es sei denn, der Verstorbene hat sich zu Lebzeiten ausdrücklich gegen eine Organspende ausgesprochen.

Ein großes Problem ist die mangelnde Aufklärung der Bevölkerung über das Thema. Manche Menschen fürchten Organhandel oder zweifeln an der Zuverlässigkeit der Hirntoddiagnose. Andere möchten ihren Leichnam aus religiösen Gründen unversehrt sehen. Die wenigsten wissen über die aktuelle Gesetzeslage Bescheid oder besitzen selbst einen Spendeausweis. Nach dem Tod eines Patienten sehen sich die Ärzte aus Pietätsgründen häufig nicht in der Lage, die unter Schock stehenden Angehörigen um eine Erlaubnis zur Organentnahme zu bitten. Kommt es zu einem Gespräch über eine mögliche Spende, kann das Drängen auf eine Entscheidung auch als Nötigung empfunden werden und die Angehörigen in dieser Situation überfordern.

Der Mangel an Organen ist daher extrem hoch. Wir möchten euch deswegen bitten, euch (falls ihr das nicht sowieso schon getan habt) selbst ein Bild darüber zu machen, wie ihr persönlich zum Thema Organspende steht!

Falls ihr noch keinen Spendeausweis besitzt und der Organspende zustimmt: Ausweise schickt die BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) kostenfrei nach Hause! Eure AG Medizin und Menschenrechte! Shadi Razmdjou, Freiburg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema