ArchivMedizin studieren2/2008Speicherung medizinischer Daten: Google Health & Co

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Speicherung medizinischer Daten: Google Health & Co

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, WS 2008/09: 37

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Während in Deutschland die Diskussion um die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und eine zentrale Speicherung medizinischer Daten voll entbrannt ist, werden in den USA Fakten geschaffen: Technologiekonzerne wie Microsoft, Google oder AOL haben begonnen, in den lukrativen Markt der Verarbeitung von Gesundheitsdaten einzusteigen.

So hat beispielsweise Microsoft im Oktober 2007 das „HealthVault“-Programm gestartet (www.healthvault.com). Dieses sieht vor, dass Nutzer ihre Gesundheitsdaten verschlüsselt in einer persönlichen Gesundheitsakte ablegen und verwalten können, die zentral bei Microsoft gespeichert wird. Nutzer der webbasierten Akte können medizinische Daten und Befunde von behandelnden Einrichtungen direkt dort einspeisen lassen, sodass sie jederzeit online abrufbar sind. Der Konzern arbeitet mit Partnern wie der American Heart Association, Johnson & Johnson Life Scan (ein Hersteller von Blutzuckermessgeräten), der Mayo-Klinik und MedStar Health, einem Netzwerk von sieben Krankenhäusern in der Region Baltimore-Washington, zusammen, weitere Kooperationen sollen folgen. Die Daten sollen außerdem gegen eine Gebühr in anonymisierter Form Pharmaunternehmen und Versicherungen für Marktforschungszwecke zur Verfügung gestellt werden.

Ganz ähnlich agiert der Konkurrent Google, mit seinem Projekt „Google Health“ – ebenfalls bestehend aus einer Spezialsuchmaschine für Gesundheitsthemen und einer persönlichen Gesundheitsakte (www.google.com/health). Ähnlich wie beim Webdienst „Google Mail“ ist der Zugang zu den Gesundheitsdaten nur nach Eingabe von Benutzername und Passwort möglich. Die Gesundheitsakte soll zunächst in den USA und dann schrittweise auch in anderen Ländern eingeführt werden.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) betrachtet diese Entwicklung mit Sorge. Zwar sollen die Patientendaten bei der Onlineakte von Google nicht ohne explizite Zustimmung der Patienten weitergegeben oder verkauft werden. Allein die Möglichkeit einer kommerziellen Weiterverwendung aber sei alarmierend. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Patientendaten zur Handelsware werden. Diese hochsensiblen Gesundheitsdaten gehören nicht in die Hände von unbefugten Dritten, die in Betracht ziehen, daraus ein Geschäft zu machen“, warnte Dr. med. Franz- Joseph Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telematik der BÄK. Auch in Deutschland schreitet die Entwicklung von elektronischen Gesundheitsakten unaufhaltsam voran. Bemerkenswert daran ist, dass dies unabhängig von der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und einer bundesweit verfügbaren Tele­ma­tik­infra­struk­tur geschieht. Krankenkassen wie die Barmer oder die DAK haben bereits Projekte zu patientengeführten Gesundheitsakten aufgelegt. Heike E. Krüger-Brand
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