ArchivMedizin studieren2/2009Wie haben Sie Ihren Präparierkurs erlebt?

Studium: Die Frage

Wie haben Sie Ihren Präparierkurs erlebt?

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, WS 2009/10: 4

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Foto: ddp
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Monika Hauser, Geschäftsführerin von Medica mondiale
„Die Geruchsbelästigung in unserem Kurs war sehr hoch, da die Leichen schlecht vorbereitet waren. Das war die einzige Zeit in meinem Leben, in der ich geraucht habe – und zwar Mentholzigaretten in den Pausen, um den Geruch wenigstens kurz aus der Nase zu bekommen.“

Foto: ddp
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Jens Petersen, Arzt und Schriftsteller
„Im Präparierkurs war ich ziemlich verliebt in ein Mädchen, das sich die rechte Gesichtshälfte vorgenommen hatte. Letztlich kam ich dann mit einer vom linken Bein zusammen. Die Beziehung hielt gerade mal sechs Wochen. Aber ich weiß, dass in meinem Präparierkurs auch ein paar Ehen angebahnt worden sind. Ich glaube, das sollte man bei der Wahl seiner Präp-Gruppe bedenken.“

Foto: BFB
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Dr. med. Ulrich Oesingmann, Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe
„Obwohl ich aus einer Arztfamilie stamme und vor Beginn meines Studiums bereits einiges Medizinisches gesehen hatte, hat mich der Präparierkurs tief beeindruckt. Im Präpariersaal lagen unendlich viele Leichen! So kam es mir zumindest damals vor. Ich habe 1960 an der Universität Münster angefangen zu studieren, an der damals einzigen Uni ohne Numerus clausus für die Medizin. Wir waren 800 Studierende im Semester und versuchten, gleichzeitig an den Leichen zu lernen. Das war eine immense Angelegenheit, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist!“

Foto: Lajos Jardai
Foto: Lajos Jardai
Dr. med. Otmar Kloiber, Generalsekretär des Weltärztebundes
„Den makroskopisch-anatomischen Kurs habe ich in Köln absolviert. Er erforderte ein hohes Maß an Konzentration und Mühe, weil ich mich gleichzeitig einer völlig ungewohnten Anforderung ausgesetzt sah und zudem einen massiven Lernstoff zu bewältigen hatte. Die Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen menschlichen Daseins (hier mit dem Tod) und ein scheinbar schier unendliches Arbeitspensum sind typisch für den Arztberuf. Der Präparierkurs war eine Massenveranstaltung, die kaum eine Lehrer-Schüler-Beziehung aufwies. Deshalb war die wichtigste Erfahrung die Zusammenarbeit mit den Kommilitonen. Auch wenn jeder sein eigenes Pensum und seine eigenen Testate und Klausuren zu bewältigen hatte, so war doch die gemeinsame Anstrengung für mich sehr wichtig. Ich war und bin froh, dass ich exzellente Kommilitonen hatte, mit denen ich gelernt und von denen ich gelernt habe. Ein gutes Team zu bilden, ist eine gesunde Voraussetzung für Erfolg und gibt Sicherheit, das Richtige zu tun. Patienten schätzen übrigens beides.“

Foto: Europäisches Parlament
Foto: Europäisches Parlament
Dr. med. Peter Liese, Sprecher der christdemokratischen Fraktion im Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments„Der Präparierkurs an der Universität Marburg war für mich ein einschneidendes Erlebnis. Es war natürlich viel Arbeit (alle zwei Wochen hatten wir ein Testat), und es war ein sehr merkwürdiges Gefühl, an einer Leiche herumzuschnippeln. Ich hatte mir vorgenommen, die Anatomie zunächst aus Büchern zu lernen, da das Lernen am verstorbenen Menschen nicht oberflächlich geschehen sollte. Ich hatte einen großen Respekt vor den Menschen, die ihren Körper nach dem Tod der Ausbildung von Medizinstudenten zur Verfügung gestellt hatten. Sehr unangenehm war mir, als ich einmal nach mehreren Stunden Präparierarbeit im kalten Präpariersaal merkte, wie meine eigene Hand immer mehr die Temperatur der zu präparierenden Leichenhand annahm.“

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