ArchivMedizin studieren2/2009Internet Umfrage Ärzteblatt: Mit mehr Zuversicht

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Internet Umfrage Ärzteblatt: Mit mehr Zuversicht

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Zukunft Arzt? Der aktuellen Umfrage des Deutschen Ärzteblattes Studieren.de zufolge wollen die meisten Studierenden kurativ tätig werden – jedoch ohne sich frühzeitig auf das Fach oder den Arbeitgeber festzulegen.

Foto: iStockphoto
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Früher wollte Sarah K. Kinderärztin werden. Das stand einfach fest. Doch im Laufe des Medizinstudiums hat sich ihre Einstellung geändert: Jetzt will sie offen sein für verschiedene Fachrichtungen und für individuell gute Angebote. Wie Sarah K. geht es vielen Medizinstudentinnen und -studenten. Die meisten, und zwar 71 Prozent, ändern ihre Einstellungen zum Arztberuf sowie die persönlichen Lebensplanungen im Verlauf des Studiums. Dies ergab die jüngste Internetbefragung „Zukunft Arzt“ des Deutschen Ärzteblattes Studieren.de, unterstützt von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd), an der mehr als 700 Studierende aller medizinischen Fakultäten in Deutschland zwischen März und Juni 2009 teilgenommen hatten.

Die Umfrage verdeutlicht einen Trend: Die Medizinstudentinnen und -studenten betrachten ihre Zukunft als Arzt oder Ärztin in Deutschland sehr differenziert. Insgesamt sehen sie aufgrund des vorherrschenden Ärztemangels ihre Berufschancen zwar positiv, halten mit Kritik an den Bedingungen, unter denen sie später den Arztberuf ausüben werden, jedoch auch nicht zurück. Bei der Internetbefragung des Deutschen Ärzteblattes Studieren.de vor zwei Jahren gaben zwei Drittel der Befragten an, mit dem Gedanken zu spielen, Deutschland den Rücken zu kehren.

Jetzt erwägen zwar nur noch 44 Prozent, als Arzt oder Ärztin auswandern und nicht in Deutschland ärztlich tätig zu werden, doch auch diese Zahl sollte nachdenklich stimmen. Zudem lassen sich durch das Studium auch einige Studierende den Arztberuf vollständig „vergraulen“: Fünf Prozent der Befragten möchten nach den ersten Einblicken in einen deutschen Medizineralltag nicht mehr ärztlich tätig werden. Und zwölf Prozent der Befragten würden das Studienfach „Humanmedizin“ nach dem Abitur erst gar nicht mehr wählen. Noch viel häufiger jedoch geben die Umfrageteilnehmer an, dass sich ihre Einstellung zum Arztberuf im Verlauf des Studiums geändert habe: So wollen sich zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten nicht auf ihre eigentliche Wunschfachrichtung versteifen, sondern je nach Arbeitsmarktsituation flexibel für verschiedene Gebiete bleiben. 41 Prozent der Befragten haben auch zunächst ihren Wunsch, in naher Zukunft eine Familie zu gründen, zur Seite geschoben.

Die Ergebnisse zeigen aber auch: Trotz der Änderung von Vorstellungen und Lebenszielen im Verlauf des Studiums verliert der klassische Arztberuf nicht an Attraktivität: 91 Prozent der Nachwuchsmediziner in Deutschland wollen kurativ tätig werden. Als bevorzugte Fachrichtungen für die stationäre Versorgung und den ambulanten Bereich nennen die Nachwuchsmediziner hauptsächlich die „klassischen“ kurativen Fächer: Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesiologie, Pädiatrie, Gynäkologie sowie Allgemeinmedizin. Der Wunsch, in einem alternativen Berufsfeld zu arbeiten oder ausschließlich zu forschen, ist bei den befragten Studierenden, von denen sich 76 Prozent bereits im klinischen Abschnitt ihres Studiums befinden, eher gering ausgeprägt (neun Prozent).

Die Studierenden haben auch viele Vorschläge, wie der klassische Arztberuf attraktiver gestaltet werden kann. An der Spitze steht der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten (91 Prozent). Es folgen Wünsche nach Kinderbetreuung am Arbeitsplatz (84 Prozent), verbesserten Umgangsformen im Krankenhaus (83 Prozent) sowie einer höheren Vergütung (81 Prozent). Ferner fordern die Studierenden eine verbesserte Struktur der Weiterbildung (79 Prozent), mehr Fördermaßnahmen (75 Prozent), weniger restriktive politische Rahmenbedingungen für Ärzte (73 Prozent), mehr Unterstützung durch Kammern und Verbände (55 Prozent) sowie eine ausgelagerte Verwaltung (51 Prozent).

Wenngleich bei der diesjährigen Befragung ein etwas geringerer Prozentsatz der Studierenden angibt, aus Deutschland auswandern zu wollen – weltoffen und interessiert an fachlichem Austausch über Landesgrenzen hinweg sind die Medizinstudierenden jetzt ebenso wie vor zwei Jahren. 84 Prozent möchten die sich ihnen bietenden Möglichkeiten nutzen und gern auch im Ausland tätig werden. Vielen (71 Prozent) schwebt vor, einen Teil der Facharztweiterbildung im Ausland zu absolvieren, 30 Prozent stellen sich zudem einen Forschungsaufenthalt im Ausland vor. Leben und arbeiten möchten sie vorzugsweise in der Schweiz, in Schweden, in den USA, in Großbritannien sowie Australien/ Neuseeland. Ihren Wunsch nach einer Tätigkeit im Ausland begründen die Studierenden mit einem besseren Arbeitsklima (89 Prozent), geregelten Arbeitszeiten (86 Prozent), dem Interesse an der Sprache und Kultur des anderen Landes (87 Prozent), einer besser strukturierten Aus- und Weiterbildung (80 Prozent), einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf (59 Prozent) sowie guten Karrierechancen nach der Rückkehr (71 Prozent).
Der Vergleich der Umfrageergebnisse mit denen von 2007 zeigt trotz aller Kritik, dass die jetzigen Nachwuchsmediziner wieder etwas positiver in die Zukunft schauen. Ein Grund dafür mag die große Nachfrage der Krankenhäuser nach Fachärztinnen und -ärzten sein, die sich in den letzten zwei Jahren verstärkt hat. Ihre beruflichen Chancen an einem deutschen Krankenhaus bewerten jetzt 65 Prozent der Befragten als sehr gut und gut. Unabhängig von der für den Nachwuchs guten Arbeitsmarktsituation erntet der Arbeitsplatz Krankenhaus nach wie vor jedoch noch reichlich Kritik. Obwohl viele Kliniken sich nach eigenen Angaben bemühen, die Arbeitsbedingungen für Ärzte und Ärztinnen zu verbessern, assoziieren die meisten an der Umfrage teilnehmenden Studierenden hauptsächlich negative Attribute mit dem Arbeitsplatz Krankenhaus. Für knapp 90 Prozent stehen Bürokratie, Stress sowie hierarchische Strukturen im Vordergrund. Lediglich zehn Prozent meinen, dass die ärztliche Tätigkeit im Krankenhaus angemessen bezahlt werde. Noch schlechter schneidet die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ab – ein Kriterium, das zunehmend eine wichtige Rolle bei der Wahl des Arbeitsplatzes spielt. Nur fünf Prozent der Umfrageteilnehmer sehen am Krankenhaus gute Möglichkeiten, ärztliche Tätigkeit und Elternschaft miteinander zu verbinden.
Ein anderes Bild bietet sich im ambulanten Bereich. Hier meint immerhin fast die Hälfte der Studierenden (46 Prozent), Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren zu können und flexiblere Arbeitszeiten vorzufinden (57 Prozent). Insgesamt schneidet der ambulante Bereich jedoch schlechter ab. Ihr berufliches Glück in einer eigenen Arztpraxis zu finden, glauben lediglich 38 Prozent der Studierenden. Und nur 27 Prozent der Nachwuchsmediziner können sich gute berufliche Chancen durch die Nutzung der neuen Möglichkeiten, als angestellte/r Ärztin/ Arzt in einer Praxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum zu arbeiten, vorstellen. Die meisten assoziieren mit einer ambulanten Tätigkeit eine hohe Verantwortung (95 Prozent), wirtschaftliches Risiko (87 Prozent), Bürokratie (88 Prozent) sowie Stress (55 Prozent), aber auch die Möglichkeit einer selbstbestimmten Tätigkeit (72 Prozent). Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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