ArchivMedizin studieren2/2009Erfolgreich promovieren – aber wie?: „Erst informieren, dann entscheiden“

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Erfolgreich promovieren – aber wie?: „Erst informieren, dann entscheiden“

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, WS 2009/10: 8

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Fast alle Medizinstudierenden möchten gern zum Abschluss ihres Studiums ihr „cand. med.“ in ein „Dr. med.“ verwandeln. Doch der Doktortitel ist gar nicht so einfach zu bekommen.

Foto: Jocker
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Etwa 98 Prozent der Medizinstudierenden der Ludwig- Maximilians-Universität (LMU) München beginnen mit ihrer Promotion bereits während des Studiums. „Doch trotz großer Motivation scheitern viele“, berichtet Saskia Hendrich, Studentin im zehnten Semester an der LMU. Sie selbst hat ihre Doktorarbeit am Institut für Humangenetik der LMU Ende 2007 begonnen und jetzt den experimentellen Teil fertiggestellt. Probleme hatte sie persönlich während ihrer Arbeit nicht, aber sie kennt die Sorgen und Nöte ihrer Kommilitonen, die dazu führen, dass schließlich nur etwa zwei Drittel aller Mediziner in Deutschland einen Doktortitel tragen.

„Selbst wer fleißig sucht, findet noch lange keine Erfolg versprechende Doktorandenstelle“, erzählt Hendrich. Viele Studierende wüssten zunächst gar nicht, an wen man sich wenden könne, geschweige denn, welcher Doktorvater seine Doktoranden gewissenhaft betreue. Philip von der Borch, Assistenzarzt der Medizinischen Klinik Innenstadt der LMU, hat diesen Eindruck im vergangenen Jahr auch statistisch belegt. Er befragte mehr als 800 Studierende zum Thema Promotion und stieß dabei auf ein großes Wissensdefizit bezüglich der Auswahl eines individuell passenden Instituts, eines Betreuers und einer guten Planung. „Oft sind Studierende auf sich gestellt, und böse Überraschungen stehen auf der Tagesordnung“, erklärt er. Von der Borch promoviert in der Klinischen Pharmakologie und sagt von sich selbst, dass er mehr durch Glück als durch eine vernünftige Auswahl zu seiner Doktorarbeit gekommen ist.

Doch dies soll sich ändern. Gemeinsam mit etwa 30 weiteren angehenden Medizinerinnen und Medizinern entwickelten von der Borch und Hendrich ein Projekt, das jüngeren Kommilitonen den Weg durch den „verwirrenden Dissertationsdschungel“ erleichtern und Orientierungshilfen geben soll: die Doktorarbeitstage Medizin 2009 (DoktaMed 2009). Durch die Unterstützung des Dekanats der Fakultät konnten diese bereits am 24. und 25. Juni an der LMU stattfinden. „An diesen Tagen standen nicht nur die Vertreter von Instituten mit Promotionsstellen Rede und Antwort, sondern auch fortgeschrittene Doktoranden gaben ehrlich und schonungslos Auskunft darüber, wie es ihnen bisher ergangen war“, berichtet Hendrich. Eröffnet wurde die DoktaMed 2009 vom Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. med. Maximilian Reiser, von Prof. Dr. med. Martin Reincke, Studiendekan für den klinischen Studienabschnitt sowie vom Forschungsdekan, Prof. Dr. med. Stefan Endres. Ihr Motto: „Erst informieren, dann entscheiden.“ Endres stellte zudem „sechs goldene Regeln“ für die Auswahl einer Arbeitsgruppe für die Doktorarbeit vor. Zu ihnen hier noch einige Erläuterungen und Tipps:

Foto: Keystone
Foto: Keystone
1. Deckt sich der Forschungsbereich mit meinen Interessen?
Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Promotion ist die Wahl eines geeigneten Themas. Am günstigsten ist es, ein Fach zu wählen, das für die spätere Berufsplanung von Bedeutung ist. Auch die Art der Promotion sollte auf die persönlichen Interessen und das Berufsziel abgestimmt sein. Möglich ist es, eine experimentelle, klinische oder statistische Arbeit zu schreiben. Wer bereits im Studium eine künftige Unikarriere anstrebt und in der Forschung arbeiten möchte, sollte sich eine experimentelle Arbeit suchen. Wer dagegen eine kurative Tätigkeit am Krankenbett plant, hat möglicherweise an einer klinischen Promotion am meisten Freude. Sie erfordert zwar Zeit, da sie von Patienten abhängig ist, hat jedoch einen starken Bezug zur Klinik. Statistische oder theoretische Arbeiten sind dagegen thematisch „trockener“ und erfordern gute Mathematikkenntnisse. Dafür sind sie gut planbar und weder vom Gelingen von Laborexperimenten noch von der Kooperation der Patienten abhängig.

2. Wie erreichbar ist der Chef?
Wie erreichbar ist der unmittelbare Betreuer? Ein guter Doktorvater hat Zeit für seine Doktoranden. Wenn ihm das Thema selbst wichtig ist, kann man ziemlich sicher sein, die Arbeit auch zügig abzuschließen. Muss man gleich zu Beginn nicht lange auf Termine warten, ist das eine gute Voraussetzung dafür, über die Jahre hinweg gut betreut zu werden. Auch die Gefahr, dass eine fertig geschriebene Doktorarbeit ewig ungelesen herumliegt, ist bei einem engagierten Doktorvater gering. Beachten muss man, dass oftmals der Professor nicht selbst die direkte Betreuung übernimmt. Dies ist nicht unbedingt von Nachteil. Zu beachten ist dann jedoch Regel 3:

3.Wie viele Doktorarbeiten hat der Betreuer in den letzten fünf Jahren abgeschlossen? Sind Doktoranden Koautoren? Wichtig ist es abzuchecken, wie sehr der Betreuer beruflich belastet ist. Ein Betreuer, der in Vollzeit in der Krankenversorgung tätig ist und nur in der Freizeit forscht, hat in der Regel nur wenig Zeit für seine Doktoranden. Fragen kann man den potienziellen Betreuer daher nach der Liste seiner Publikationen, anhand derer sich erkennen lässt, wie viel Zeit ihm für die wissenschaftliche Tätigkeit bleibt. Setzt ein Betreuer seine Doktoranden als Koautoren ein, ist das ein Zeichen für eine kollegiale Arbeitsweise.

4.Wie geht es Doktoranden, die derzeit dabei sind?
Sehr effektiv ist es, persönlich mit Doktoranden zu sprechen, die bereits mit dem Betreuer zusammenarbeiten. So erfährt man aus erster Hand, wie sich die gemeinsame Arbeit gestaltet, wo es Probleme gibt und worauf man selbst achten sollte. Es ist übrigens durchaus legitim, den Betreuer direkt nach den Namen seiner anderen Doktoranden zu fragen.

5. Eine experimentelle Arbeit mit sinnvoller Fragestellung erfordert in der Regel ein Freisemester.
Wer später einmal in die Forschung gehen möchte und sich deshalb auch eine experimentelle Doktorarbeit aussucht, sollte nicht unter Zeitdruck stehen. Experimentelle Arbeiten sind anspruchsvoll, erfordern das Erlernen von Methoden sowie Durchhaltevermögen und eine hohe Frustrationstoleranz des Doktoranden. Günstig ist bei einer solchen Promotion, wenn man sich den Experimenten während eines Freisemesters voll und ganz widmen kann. Klinische und statistische Arbeiten lassen sich dagegen gut während des Studiums durchziehen. Voraussetzung ist allerdings eine sorgfältige Planung, bei der beispielsweise Leerlaufzeiten für das Aneignen von Wissen in medizinischer Statistik und Biometrie sowie für die Literaturrecherche konsequent genutzt werden.

6. Vor einer Entscheidung sollte man mindestens mit fünf Labors/Instituten sprechen.
Das Angebot an Promotionsthemen ist groß. Es ist effektiver, vor Beginn einer Doktorarbeit Zeit in die Auswahl eines Themas/Betreuers zu investieren, als nach ein oder zwei Jahren festzustellen, dass man diese Arbeit nicht zu Ende führen möchte oder kann. Vor Beginn der Suche sollte man zunächst die eigenen Neigungen und Fähigkeiten genau analysieren.

Hilfe bot den Münchener Studierenden in diesem Jahr die DoktaMed 2009 – ein Angebot, das etwa 1 000 Studierende nutzten. 41 Institute und Kliniken stellten auf der Messe ihre wissenschaftlichen Arbeiten vor, ferner standen wissenschaftliche Vorträge von renommierten Forschern und erfahrenen Doktoranden auf dem Programm. In zahlreichen Postersessions hatten Studierende zudem die Möglichkeit, die eigene Promotionserfahrung zu präsentieren; in Workshops konnten sie sich mit promotionsrelevanten Themen wie „Grundlagen einer erfolgreichen Promotion“, der statistischen Datenanalyse „SPSS“ und „Academical Writing“ vertraut machen. „Die Evaluation ergab, dass etwas mehr als die Hälfte der Besucher noch keine Doktorarbeit begonnen hatten, die andere Hälfte steckte noch mittendrin oder berichtete gar über eine bereits abgebrochene Arbeit“, erläutert Hendrich. Die Studierenden hätten die Messestände als elementarsten Bestandteil der DoktaMed empfunden, gefolgt von den Posterpräsentationen und den Workshops.

Die Befragung zeigte auch: die Botschaft „Erst informieren, dann entscheiden“ hat Gehör gefunden. Knapp 90 Prozent der Teilnehmer entschieden sich nicht sofort auf den DoktaMed für eine Arbeit, sondern werden sich zunächst noch mehrere Institute genau anschauen. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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