ArchivMedizin studieren2/2009Prävention: Gesund in der Schule

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Prävention: Gesund in der Schule

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, WS 2009/10: 22

Schunk, René; Brunner, Albrecht

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An den meisten deutschen Schulen ist das Thema gesunde Ernährung unterrepräsentiert. Auch das Sportangebot verliert wegen der sinkenden Zahl an Wochenstunden an Bedeutung. Gleichzeitig gibt es immer mehr Kinder mit Übergewicht. Medizinstudierende wollen hier ansetzen und einen Beitrag zur Gesundheitsprävention im Kindes- und Jugendalter an Schulen leisten.

An der Universität Witten/Herdecke haben Studierende als Teil des Students Health Dialogue, eines Vereins zur Gesundheitsprävention, die Initiative „Add Action“ gegründet. Seit Februar 2009 arbeiten sie an einem Wittener Gymnasium. Als Gesundheits-AG richtet sich „Add Action“ an die Schüler der fünften Jahrgangsstufe. Ziel ist es, ein Bewusstsein für Körper und Ernährung zu schaffen und die Kinder zur aktiven Freizeitgestaltung anzuregen. Hierzu bieten die Medizinstudierenden schulunabhängige Sportspiele, Bastelstunden und unterschiedliche Exkursionen an. Dabei gilt die Maxime der „peer-to-peer education“, das bedeutet, Kursleiter und -teilnehmer begegnen einander auf gleicher Augenhöhe. Keine Teilnahmepflicht, kein Leistungsdruck und jede Menge Möglichkeiten, die eigene Kreativität umzusetzen – ein Konzept, das anzukommen scheint: Das Interesse der Kinder ist groß. Seit dem 27. August läuft das Projekt auch an einer Hauptschule in Bochum-Langendreer.

„AddAction“ – eine Initiative zieht Kreise: Ähnliche Projekte können auch in anderen Städten gestartet werden. Foto: privat
„AddAction“ – eine Initiative zieht Kreise: Ähnliche Projekte können auch in anderen Städten gestartet werden. Foto: privat
Hauptschulen sind die wichtigste Zielgruppe, denn der Anteil fettleibiger Kinder ist vergleichsweise höher als an anderen Schulformen. Die Ausmaße des Problems zeigen sich in einer vom Robert-Koch-Institut 2003 bis 2006 in Deutschland durchgeführten Studie (KIGGS): 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen von drei bis 17 Jahren sind danach übergewichtig, das heißt, ihr Body-Mass-Index (BMI) liegt oberhalb der 90. Perzentile. Mehr als ein Drittel dieser Kinder, das heißt rund sechs Prozent aller Kinder, sind sogar adipös (BMI > 97. Perzentile). In absoluten Zahlen ausgedrückt heißt das, rund 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche sind übergewichtig, 800 000 von ihnen adipös. Verglichen mit den Jahren 1985 bis 1999 gibt es heute 50 Prozent mehr Kinder und Jugendliche mit Übergewicht und doppelt so viele mit Adipositas.

Da mit der Ausweitung des Kurses auch Kosten verbunden sind, wollen die Medizinstudierenden langfristig Sponsoren und andere externe Kooperationspartner gewinnen. Bislang besteht bereits eine Zusammenarbeit mit der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln. Hier absolvieren die Betreuer ein Adipositas- Trainer- Seminar als Grundlage für ihre Arbeit. Im Rahmen der Arbeit der Arbeitsgemeinschaft für Public Health und Entwicklungszusammenarbeit der bvmd entwickelten sich ebenfalls in einigen anderen Städten Ansätze der Gesundheitsprävention in Schulen. So wird in Würzburg in Kürze an einer Hauptschule ein Projekttag zu Ernährung, Bewegung und einem gesunden Selbstbild stattfinden.

Falls ihr in eurer Stadt ein ähnliches Projekt starten möchtet, findet ihr mehr Informationen und eine Kontaktadresse auf der Website www.Addaction.de. Fragen zu Public-Health-Themen könnt ihr gerne an npo@bvmd.de mailen. Albrecht Brunner (1. Semester, Uni Witten/Herdecke), „Add Action“, Witten/Herdecke, René Schunk (9. Semester, Uni Würzburg), Koordinator der AG für Public Health und Entwicklungszusammenarbeit der bvmd
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