ArchivMedizin studieren1/2009Skills-Lab: Training für den Notfall

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Skills-Lab: Training für den Notfall

Hillienhof, Arne

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Simulatoren halten Einzug in die medizinische Ausbildung: Medizinstudierende können daran Standardsituationen und das Verhalten in Notfällen üben.

Herz-Kreislauf-Stillstand, ein akuter Notfall: Die Patientin liegt auf dem Boden, das Rettungsteam stürzt in den Raum. Der Puls ist nicht zu tasten, Pupillenreaktion? Nicht vorhanden! Das Team beginnt mit der Wiederbelebung: Herzdruckmassage und Beatmung, zuerst über die Nase, dann über einen Beatmungsbeutel. Immer noch keine Herztöne! Jetzt bleibt nur noch die Defibrillation. Nach dem ersten Stromstoß beginnt sich das Herz wieder zu regen – geschafft!

Was im wirklichen Leben ein Notfall ist und gestandenen Ärzten den Puls in die Höhe treibt, ist im Skills-Lab der Uniklinik Köln eine realistische Übung. So realistisch, dass die studentischen Rettungshelfer dabei ins Schwitzen geraten. „Wir bemühen uns darum, unsere Modelle und Simulationen möglichst komplex und wirklichkeitsnah zu gestalten“, erläutert der Leiter des Skills-Lab, Christoph Stosch, den Anspruch der Einrichtung. An „Resusci-Anne“, der realistischen Puppe, können Studierende und junge Ärzte die Wiederbelebung üben. Die Modelle stehen auch Ärztinnen und Ärzten in der Weiterbildung zur Verfügung. Zum Beispiel trainieren junge Anästhesisten am sogenannten Meti-Man, einem Simulator für Narkosen und Narkosezwischenfälle. In einem Pilotprojekt wird derzeit Krankenpflegepersonal an entsprechenden Modellen für die venöse Blutabnahme trainiert, weil sie dies in naher Zukunft den Ärzten abnehmen sollen.

Sind Puls und Atemgeräusche da? In Köln können Studierende die Reanimation von Patienten angstfrei trainieren. Fotos: Christoph Wanko
Sind Puls und Atemgeräusche da? In Köln können Studierende die Reanimation von Patienten angstfrei trainieren. Fotos: Christoph Wanko
Das Skills-Lab hat die Uniklinik vor rund vier Jahren eingerichtet, zeitgleich mit dem Start des Modellstudiengangs für die Humanmedizin. Ziel ist es, den Studierenden und jungen Assistenten eine Möglichkeit zu geben, ärztliche Tätigkeiten zu erlernen und am Modell praktisch zu üben. „Unsere Arbeit hier basiert auf drei Säulen“, sagt Stosch: dem Erlernen und Üben technischer Fähigkeiten, dem Gesprächstraining und der Notfallkompetenz. Die Studierenden trainieren während des gesamten Studiums Fertigkeiten aus allen drei Bereichen.

Zu den technischen Fähigkeiten gehören zum Beispiel die venöse Blutabnahme, das Anlegen einer Hautnaht oder das Ertasten von Veränderungen an der Prostata. Die Notfallkompetenz umfasst die Herz-Kreislauf- Wiederbelebung, aber auch das Einführen eines Tubus für die Beatmung und andere Fähigkeiten.

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Im Gesprächstraining der „Klinik für Psychosomatik“ erlernen die Studierenden Techniken des ärztlichen Gesprächs. Dazu kommen Schauspieler in das Skills-Lab, die mit den Studierenden echte Situationen durchspielen und diesen dann Rückmeldungen über ihr Gesprächsverhalten geben. Dozenten anderer Kliniken und Institute leiten die Seminare zu den technischen Fertigkeiten. Die erlernten Fähigkeiten können die Studierenden selbst weiter üben und vertiefen. Dafür stehen das Personal des Skills- Lab und die verschiedensten Modelle zur Verfügung: für die Beatmung, die Herzdruckmassage, das Untersuchen des Ohres oder des Augenhintergrunds und vieles andere. Auch das Abhören von Herz und Lunge können die Studierenden am Modell üben.

Besonders wichtig sind für viele Studierende die Zertifikate, die das Skills-Lab nach dem fünften Semester vergibt und damit die „Famulatur-Reife“ bescheinigt. Für Kliniken insbesondere im Ausland ist dies ein wertvoller Hinweis, um die Studierenden für ein ärztliches Praktikum zuzulassen. Die Prüfung dient aber in erster Linie dazu, sich besser einzuschätzen, denn im neunten Semester wird es ernst: Die Prüfung, mit der die Studierenden beweisen, dass sie die notwendigen Fähigkeiten für das praktische Jahr erworben haben, gehört zum Pflichtprogramm. Wer hier durchfällt, muss sich erst verbessern, bevor er weiterstudieren kann. „Durch die Arbeit im Skills-Lab haben sich die praktischen Fähigkeiten der Studenten sehr verbessert. Außerdem ist die Hürde vom Studium zum klinischen Alltag nicht mehr so hoch“, so Stosch. Dr. med. Arne Hillienhof

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