ArchivMedizin studieren2/2009„Die Landärztin“: Triumph der Liebe

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„Die Landärztin“: Triumph der Liebe

Klinkhammer, Gisela

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Nach einer Umfrage der Berliner Charité unter Studierenden im praktischen Jahr wollen nur noch sieben Prozent von ihnen Hausärztinnen oder Hausärzte werden. Hauptgründe dafür: zu viel Arbeit, zu wenig Geld, zu viel Bürokratie. Dabei kann die Tätigkeit eines Landarztes durchaus erfüllend sein. Landärztin Dr. med. Christina Schwarz jedenfalls kann sich nicht beklagen. Sie wohnt in den österreichischen Alpen in einem schönen Haus, wird rund um die Uhr von ihrer Haushälterin, „einer begnadeten Köchin“, betreut und in der Praxis ist ihr „Sprechstundenhilfe“ Maria Huber eine unentbehrliche Unterstützung.

So hat Schwarz auch immer genügend Zeit, sich mit den großen und kleinen Problemen ihrer Patienten zu befassen, zum Beispiel mit denen der „blonden Madonna von der Alm“, der die Menschen im Dorf das Leben zur Hölle machen. Ihr wird zum Beispiel vorgeworfen, Kinder, die bei ihr eingekehrt waren, durch verunreinigtes Essen mit Salmonellen infiziert zu haben. Glücklicherweise lässt sich dieser Vorwurf mit tatkräftiger Unterstützung der Ärztin entkräften. Schließlich findet die „blonde Madonna“ dann auch noch ihr Glück. Roman Strößenreuther, der Besitzer „eines kleinen, aber feinen Restaurants in Kitzbühel“ verliebt sich in sie. Sie stößt ihn zwar zunächst zurück, weil sie mit den Männern schlechte Erfahrungen gemacht hat. Mithilfe von Christina Schwarz, die zunächst Romans verstauchten Knöchel behandelt und dann bei ihm auch noch eine Weizenunverträglichkeit diagnostiziert, finden die beiden Liebenden schließlich doch zusammen. Und so sieht die Ärztin, wie Roman und Marion das Restaurant verlassen „und sich im Schein einer Straßenlaterne leidenschaftlich küssen“.

Doch leider gibt es Dr. Christina Schwarz nur in der Fantasie ihrer Autorin. Sie ist nämlich die Titelheldin der Romanreihe „Die Landärztin. Dr. Christina Schwarz – ihre Patienten, ihr Leben“. Die Geschichten um die beliebte Medizinerin werden von Marion Schmid unter anderem unter dem Pseudonym Jenny Kayser regelmäßig als Heftroman im Bastei- Verlag veröffentlicht. Schmid schreibt seit zwölf Jahren Arzt-, aber auch Liebes-, Fürsten- und Heimatromane und gelegentlich sogar mal einen „Jerry Cotton“.

Vom Verlag erhält die Autorin gewisse Vorgaben, die sich auf die Handlung und den Umfang beziehen. So hat – drucktechnisch bedingt – jedes Heft 64 Seiten und einen Schutzumschlag. Inzwischen gibt es allerdings auch neuere Veröffentlichungen und Auflagen mit einem kleineren Format und einer entsprechend größeren Seitenzahl (128 Innenseiten). Sie sind wie Taschenbücher am Buchrücken verleimt. Inhaltlich ist entscheidend, „dass die Romane gut ausgehen und immer dasselbe Stammpersonal auftritt. Es schreiben verschiedene Autoren an den Romanen, und wenn sich einer aus dem Stammpersonal verlobt, müssen die anderen das wissen, um in Zukunft darauf Rücksicht nehmen zu können“, erläuterte Schmid gegenüber Studieren.de. Die eigentlichen Hauptpersonen neben dem Stammpersonal seien jedoch meist Patientinnen und Patienten der Landärztin.

Fotos: Eberhard Hahne
Fotos: Eberhard Hahne
Aus akademischer Sicht erfreuen sich die Trivialromane, zu denen die Arztromane im Heftformat gehören, keines guten Rufs. Sie gelten als Literatur, die keine Aufnahme in einen Kanon findet und über die keine Rezensionen geschrieben werden. „Trivialliteratur verläuft immer nach einem Schema. In der Regel beginnt sie nicht mit einer Milieuschilderung, sondern mit einem Dialog, die Handlung soll gleich von Beginn an fesseln. Gut und Böse sind von Anfang an zu erkennen, und die Verlaufserwartung des Publikums wird erfüllt, es wird nie – wie in einem sogenannt hochstehenden Roman – in die Irre geführt. Zudem gibt es keine langen Beschreibungen, die Sätze sind kurz“, erklärte Prof. Rosmarie Zeller, Universität Basel, die Gattung Trivialliteratur. Schmid ist sich dieser gattungsspezifischen Vorgaben durchaus bewusst.

„Wenn es gut läuft, schreibe ich einen Roman in drei Tagen. Es muss schnell gehen, denn es ist ja auch eine Massenproduktion. Da feilt man nicht an jedem Satz. Aus allem, was da ist, lässt sich eine Geschichte machen.“ Die Texte seien schließlich dazu da, schnell konsumiert zu werden. Doch das heißt nicht, dass die Arztroman-Autorin keinen Wert auf Qualität legt. „Ohne Anspruch zu schreiben, wäre ja langweilig. Auch Trivialromane können besser und schlechter geschrieben sein.“ So bereite es durchaus Freude, einmal etwas auszuprobieren, „ohne dass es jemand merkt“. Es gelinge ihr immer wieder mal, bestimmte Klischees aufzubrechen. „Bei den Heimatromanen ist dann beispielsweise nicht der Wilderer der Böse, sondern der Förster“, sagte Schmid.

Mit der Aufbereitung der Romane gebe man sich im Verlag dann ebenfalls viel Mühe. „Die Romane werden relativ aufwendig hergestellt und lektoriert. Das ist schon allein deshalb erforderlich, weil unterschiedliche Autoren an den Romanen arbeiten. Da muss der Lektor dann darauf achten, dass keine Unstimmigkeiten entstehen.“ Jeder Autor dürfe allerdings schon seinen eigenen Stil beibehalten. Mit den medizinischen Informationen in den Romanen nimmt Schmid es ebenfalls genau. „Dafür ist das Internet ja unglaublich hilfreich. Da kann man sich sogar die kompliziertesten Operationen zeigen und beschreiben lassen.“ Das Medizinische bleibe allerdings immer im Hintergrund. Vorrangig seien nun mal die Liebesgeschichten der Protagonisten. „Aber es kommen zum Beispiel Hochdruckprobleme vor, oder eine Figur hatte auch mal Borreliose. Manchmal wird natürlich auch Krebs diagnostiziert. Leukämie ist ganz gut, weil man die inzwischen oft heilen kann. Es endet also nicht allzu traurig.“ Todesfälle gibt es dennoch. „Es ist eben ein sehr rührendes Ende, wenn eine Mutter ihr Kind zurücklassen muss.“ Der Normalfall sei jedoch ein traditionelles Happy End, bei dem „wenigstens zwei sehr glücklich sind“.

Schmid ist nicht nur Arztroman-Autorin. Sie hatte ursprünglich Religionswissenschaften und Philosophie studiert und ist „durch einen Zufall da reingerutscht. Ich habe gemerkt, dass ich relativ schnell und gut schreiben kann und dass es eine Möglichkeit ist, meinen Mindestunterhalt zu sichern“. Ansonsten arbeitet sie zurzeit an verschiedenen Buchprojekten. Ihre Protagonistin Dr. Christina Schwarz finde übrigens selbst auch ihr privates Glück, verriet Schmid abschließend. „Sie ist jetzt mit dem Tierarzt verlobt. Die beiden passen ja auch gut zusammen.“ Gisela Klinkhammer
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