ArchivMedizin studieren1/2009Bologna-Prozess: Ein Gespenst geht um in Europa

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Bologna-Prozess: Ein Gespenst geht um in Europa

Kulike, Katharina

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In ihrem Positionspapier plädiert die bvmd dafür, nicht auf einer Sonderrolle für die Medizin zu bestehen, sondern sich konstruktiv mit den Chancen auseinanderzusetzen.

Spricht man mit Medizinern über den Bologna-Prozess, dann sind die Reaktionen meist zurückhaltend bis ablehnend. Manche haben noch nicht viel davon gehört, andere wissen, dass die europäische Hochschulreform die Einführung einer Bachelor-/Masterstruktur bedeutet und dass dies für die Medizin nicht denkbar ist – wer möchte schon vom „Barfuß“-Arzt behandelt werden?

Foto: Fotolia
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Vor etwa zehn Jahren haben sich in Bologna Vertreter 29 europäischer Länder getroffen, um die sogenannte Bologna- Deklaration zu unterzeichnen und damit den Grundstein für die European Higher Education Area (EHEA) zu legen. Im Mittelpunkt standen Qualitätssicherung, Mobilität, vergleichbare Abschlüsse und die Etablierung einer zweistufigen Studienstruktur – Bachelor und Master. Ziel war es, bis 2010 alle Studiengänge in Europa entsprechend dieser Vorgaben zu gestalten.

In Deutschland sind aktuell etwa 75 Prozent der Studiengänge auf die zweistufige Studienstruktur umgestellt. Die Association for Medical Education in Europe (AMEE) führte 2007 eine Umfrage durch, um den Stand der Umsetzung in der Medizin zu erfassen. Ähnlich wie in Deutschland gab es in den meisten Ländern (noch) keine klare Position bezüglich des Bologna- Prozesses in der Medizin.

In Dänemark, Island, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Portugal und Armenien gibt es ihn jedoch tatsächlich, den Medizin-Bachelor: Das modular organisierte Studium in Maastricht ist beispielsweise in Bachelor und Master unterteilt. Nach dem Bachelor haben die Studierenden die Möglichkeit, statt des „Master of Medicine“ einen „Master in molecular life sciences“ anzuschließen. Für all diejenigen, die das gesamte Medizinstudium absolvieren möchten, besteht die Alternative, statt dem eher klinisch orientierten Masterstudiengang die Laufbahn eines „Physician Clinical Scientist“ zu wählen.

Foto: bvmd
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Auch in Deutschland überlegen einige Fakultäten im Rahmen der Modellstudiengangsklausel der Approbationsordnung einen Reformstudiengang im Sinn des Bologna- Prozesses zu etablieren. Vor- und Nachteile eines Bolognastudiengangs werden derzeit diskutiert. Auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) beziehungsweise ihre internationalen Dachverbände befassen sich intensiv mit den Chancen und Möglichkeiten. Während die meisten Ziele unterstützt werden, ist die geplante Struktur nicht überzeugend.

Die bvmd sieht in einer zweistufigen Studienstruktur sowohl Gefahren für die Ausbildungsqualität als auch Chancen und Möglichkeiten, das Medizinstudium zu verbessern. Ganz entscheidend für das Ergebnis ist, wie der Bologna- Prozess umgesetzt wird. Dafür ist es wichtig, die Debatte konstruktiv, kritisch und ergebnisoffen zu führen. Für uns als Studierende heißt das auch, dass wir mitmachen sollten, um uns an der künftigen Gestaltung des Medizinstudiums zu beteiligen!

Katharina Kulike, Aachen,
Bundeskoordinatorin für Medizinische Ausbildung 2007/08

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