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LNSLNS In die Praxis kommt ein 38-jähriger Mann, der über Durchfälle klagt. Er ist Nichtraucher, hat keine Vorerkrankungen und nimmt keine Medikamente ein. Im Anamnesegespräch spricht er über seine starke berufliche Belastung. Er betreut mehrere Bauprojekte für chemische Anlagen, eines davon in Ägypten, und gibt an, vor Stress häufig schlecht zu schlafen. Außerdem habe er leicht an Gewicht verloren. Die Durchfälle sind nach Angaben des Patienten nicht blutig, keine Schleimbeimengungen, keine Schmerzen. Die körperliche Untersuchung ist unauffällig, der BMI liegt im Normbereich. Zusätzlich zu einer Stuhluntersuchung verlangt der Patient eine endoskopische Untersuchung, weil er fürchtet, an Darm- oder Magenkrebs erkrankt zu sein. Eine familiäre Belastung verneint der Patient allerdings. Die Koloskopie ist ohne Befund. Wegen Beschwerdepersistenz erfolgt eine Gastroduodenoskopie. Das endoskopische Bild ist regelgerecht. Biopsien aus dem Duodenum ergeben jedoch obiges Bild. (Wir danken Dr. med. Helene Geddert, Institut für Pathologie an den St. Vincentius Kliniken, Karlsruhe.)

Lösung
Bei der Erkrankung handelt es sich um eine Infektion mit dem Erreger Giardia lamblia, einem Protozoon (Giardiasis, Lambliasis). Das Bild zeigt die Duodenalbiopsie mit aufgelagerten Lamblien (Pfeile). Das kleine Bild zeigt die Erreger in starker Vergrößerung.

Therapie
Die Therapie erfolgt mit Antiinfektiva, zum Beispiel Metronidazol.

Hintergrund Giardia lamblia ist weltweit verbreitet, kommt jedoch besonders häufig in südlichen Ländern vor. Die Infektion erfolgt durch kontaminiertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel. Wichtig ist es, die Beschwerden des Mannes nicht voreilig als psychogen einzustufen. Eine genaue Reiseanamnese zu erheben, wäre wichtig gewesen, besonders als der Mann von seinem Bauprojekt in Ägypten sprach. Entscheidend für die Diagnostik war, bei der Gastroduodenoskopie Biopsien zu entnehmen, obwohl die Schleimhäute bei der Spiegelung unauffällig erschienen. Grund dafür ist, dass die Keime nicht invasiv sind und die Schleimhaut daher keine Entzündungszeichen zeigt, auch nicht histologisch.

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