ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2011Weitere potenziell karzinogene Effekte der Chronodisruption
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Neben der im Artikel erwähnten möglichen Suppression der Melatoninproduktion beziehungsweise zirkadianen Phasenverschiebung mit Deregulation peripherer zellulärer Wachstumskontrollfunktionen möchten wir weitere pathophysiologische Mechanismen erwähnen, die einer Chronodisruption zugrunde liegen und somit die Entstehung von Krebs begünstigen können (1):

  • Unterbrechung des Schlafes durch Schichtarbeit kann zu einer Störung der hypothalamischen-hypophysären Achse führen, die in einer verstärkten Glukokortikoidausschüttung mündet. Die daraus resultierende chronische Unterdrückung der Immunantwort nach jahrelanger Exposition kann die Suszeptibilität für eine Krebserkrankung erhöhen.
  • Neben der Veränderung der Aktivitätszeiten und des Ernährungsverhaltens kann Nachtarbeit in weiteren Änderungen des Lebensstils, zum Beispiel mit Hinblick auf Alkohol- und Tabakkonsum, resultieren und so indirekt Einfluss auf die Krebsgenese nehmen.
  • Auch wenn die Evidenz hinsichtlich der krebsprotektiven Wirkung von Vitamin D nicht abschließend geklärt ist (2), kann Nachtarbeit in einer verringerten UV-Licht Exposition und folgenden verringerten Vitamin D-Produktion resultieren, die zum Beispiel die Entstehung von kolorektalem Krebs begünstigen kann.

Die Erforschung, wie molekularbiologische Mechanismen bei einer nächtlichen Lichtexposition beziehungsweise Chronodisruption das Erkrankungsrisiko beeinflussen, sind ein wichtiger Gegenstand der arbeitsepidemiologischen Forschung. So wird zukünftig von zentralem Interesse sein, welches Schichtsystem eine relevante Chronodisruption auslösen kann. Die zunehmende Durchführung von longitudinalen Studiendesigns mit prospektiver Erfassung der Schichtsysteme, wie sie zum Beispiel im Rahmen der Nationalen Kohorte möglich wäre, kann hierzu wichtige Beiträge leisten.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0008a

PD Dr. med. Thomas Behrens, MPH

Dr. med. Birte Mester, MPH

Sabrina Hense, M.A. Soz.

Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Ahrens

Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin

Achterstraße 30

28359 Bremen

E-Mail: behrens@bips.uni-bremen.de

1.
Fritschi L: Shift work and cancer. BMJ 2009; 339: 2653. MEDLINE
2.
Zeeb H, Greinert R: The role of Vitamin D in cancer prevention—does UV protection conflict with the need to raise low levels of Vitamin D? Dtsch Arztebl Int 2010; 107(37): 638–43. VOLLTEXT
3.
Erren TC, Falaturi P, Morfeld P, Knauth P, Reiter R, Piekarski C: Shift work and cancer—the evidence and the challenge. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(38): 657–62. VOLLTEXT
1.Fritschi L: Shift work and cancer. BMJ 2009; 339: 2653. MEDLINE
2.Zeeb H, Greinert R: The role of Vitamin D in cancer prevention—does UV protection conflict with the need to raise low levels of Vitamin D? Dtsch Arztebl Int 2010; 107(37): 638–43. VOLLTEXT
3.Erren TC, Falaturi P, Morfeld P, Knauth P, Reiter R, Piekarski C: Shift work and cancer—the evidence and the challenge. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(38): 657–62. VOLLTEXT

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