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Dr. Behrens und Kollegen nennen weitere pathophysiologische Mechanismen, über die eine Chronodisruption zu Krebsentwicklungen beitragen könnte. Die Ergänzungen sind angemessen. Wir selbst haben in unserer Übersichtsarbeit – auf Wunsch eines Gutachters – zugunsten der Epidemiologie auf mechanistische Einzelheiten verzichtet, die aber in den zitierten Veröffentlichungen niedergelegt sind.

Die IARC misst der biologischen Plausibilität in ihrer Präambel zu den „IARC Monographien zur Evaluierung von karzinogenen Risiken beim Menschen“ hohen Stellenwert bei (1). Letztlich müssen aber epidemiologische Studien zeigen, ob das, was biologisch plausibel erscheint, auch tatsächlich für Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter von Bedeutung ist. Methodisch bietet die Fülle von mechanistischen Vorstellungen eine perspektivische Besonderheit in Bezug auf Kausalitätsabwägungen, wie sie die IARC im Oktober 2007 durchgeführt hat. Tatsächlich kann man in diesem wichtigen Forschungsfeld von „White-Box“ Epidemiologie (2) sprechen: eine Fülle von Wirkungsmechanismen „wartet darauf, herangezogen zu werden“, um Assoziationen, die in kommenden Jahren in epidemiologischen Studien dokumentiert werden könn(t)en, als kausal und relevant zu bewerten (3).

Die Einschätzungen der Kollegen teilen wir: Schichtarbeit und Chronodisruption wird ein wichtiges Themenfeld der arbeitsepidemiologischen und arbeitswissenschaftlichen Forschung sein. Die Nationale Kohortenstudie scheint gut geeignet, Erkenntnisbeiträge zur Chronodisruption durch unterschiedliche Schichtsysteme und zu möglichen Verbindungen derselben mit Krebsentwicklungen zu leisten.

In der Gesamtschau erwarten wir, dass kommende Jahre zahlreiche epidemiologische Studien zu Schichtarbeit, Chronodisruption und Krebs bringen werden, die auch die von Dr. Behrens et al. genannten Mechanismen berücksichtigen. Primat muss es sein, dass Beobachtungsstudien hohen Qualitätsansprüchen genügen; vermeiden muss man, dass aussageschwache Studien mit Hinweis auf die hohe biologische Plausibilität der untersuchten Zusammenhänge publiziert werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0008b

Prof. Dr. med. Thomas C. Erren, MPH

Puran Falaturi

PD Dr. rer. medic. Peter Morfeld

Prof. Dr.-Ing. Peter Knauth

Prof. Dr. rer. nat. Dr. h. c. mult. Russel J. Reiter

Prof. em. Dr. med. Claus Piekarski

Für die Verfasser

Prof. Dr. med. Thomas C. Erren, MPH

Institut und Poliklinik für Arbeitsmedizin,

Umweltmedizin und Präventionsforschung

der Universität zu Köln

Kerpener Straße 62

50937 Köln

E-Mail: tim.erren@uni-koeln.de

bis Januar 2011: Visiting Scholar; School of Public Health

University of California, Berkeley

E-Mail: erren_tc@berkeley.edu


Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
International Agency for Research on Cancer: Preamble to the IARC Monographs (amended January 2006).
2.
Erren TC, Bjerregaard P, Cocco P, Lerchl A, Verkasalo P: Re: „Invited commentary: electromagnetic fields and cancer in railway workers“.
Am J Epidemiol 2001; 154: 977–9. MEDLINE
3.
Rothman KJ, Greenland S, Lash TL: Modern epidemiology. 3rd ed. Philadelphia: Lippincott Williams & Wilkins 2008.
4.
Erren TC, Falaturi P, Morfeld P, Knauth P, Reiter R, Piekarski C: Shift work and cancer—the evidence and the challenge. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(38): 657–62.
VOLLTEXT
1.International Agency for Research on Cancer: Preamble to the IARC Monographs (amended January 2006).
2.Erren TC, Bjerregaard P, Cocco P, Lerchl A, Verkasalo P: Re: „Invited commentary: electromagnetic fields and cancer in railway workers“.
Am J Epidemiol 2001; 154: 977–9. MEDLINE
3. Rothman KJ, Greenland S, Lash TL: Modern epidemiology. 3rd ed. Philadelphia: Lippincott Williams & Wilkins 2008.
4.Erren TC, Falaturi P, Morfeld P, Knauth P, Reiter R, Piekarski C: Shift work and cancer—the evidence and the challenge. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(38): 657–62.
VOLLTEXT

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