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Veränderungen im Ruhe-EKG als Trainingsfolge sind häufig und können differenzialdiagnostische Schwierigkeiten bereiten. Kürzliche aktualisierte Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) unterscheiden zwischen häufigen trainingsbedingten und seltenen potenziell pathologischen Veränderungen (1). Diese neuen internationalen Empfehlungen fehlen im Beitrag über sportärztliche Vorsorgeuntersuchungen (2), weil sie zum Zeitpunkt der Annahme des Artikels wohl noch nicht zugänglich waren. Sie sollen an dieser Stelle ergänzt werden.

Als trainingsbedingt und bei Abwesenheit sonstiger Auffälligkeiten werden folgende EKG-Veränderungen klassifiziert: Sinusbradykardie, AV-Block 1. Grades, inkompletter Rechtsschenkelblock, frühe Repolarisation, isoliert überhöhte QRS-Voltagen (erhöhter Sokolow-Lyon-Index). Diese Veränderungen können bei bis zu 80 % aller Sportler auftreten (1). Die Prävalenz ist bei Ausdauersportlern mit physiologischem Remodeling des Herzens am größten, die Veränderungen können aber auch bei anderen Sportlern nachweisbar sein und sind bei Männern deutlich häufiger als bei Frauen, bei Schwarzen häufiger als bei Weißen (3, 4).

Isoliert überhöhte QRS-Voltagen sind mit bis zu 60 % an den trainingsbedingten Veränderungen im Sportler-EKG beteiligt (4). Neben kardialen Adaptationen haben Sportler oft günstige Ableitungsbedingungen aufgrund eines niedrigen Körperfettanteils. Die frühe Repolarisation mit ST-Elevation von mindestens 0,1 mV, meist lokalisiert in den präkordialen Ableitungen (V2)V3–V4, ist ebenfalls häufig. Bei Sportlern mit afro-karibischer Abstammung können diese ST-Hebungen gefolgt sein von negativen T-Wellen (3). Was die AV-Blockierungen betrifft, wäre ich im Gegensatz zu den Autoren sehr zurückhaltend, einen AV-Block 3. Grades bei Leistungssportlern als noch normal einzustufen (Kasten 3). Entsprechende Befunde an nachweislich gesunden Sportlern sind mir nicht bekannt.

Es ist zu erwarten, dass die aktuellen ESC-Empfehlungen die Rate falsch-positiver Befunde im Sportler-EKG deutlich senken werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0010a

Prof. em. Dr. med. Wilfried Kindermann

Universität des Saarlandes

Postfach 151150

66041 Saarbrücken

E-Mail: w.kindermann@mx.uni-saarland.de

1.
Corrado D, Pelliccia A, Heidbüchel H, et al.: Recommendations for interpretation of 12-lead electrocardiogram in the athlete. Eur Heart J 2010; 31: 243–59. MEDLINE
2.
Löllgen H, Leyk D, Hansel J: The pre-participation examination for leisure time physical activity: general medical and cardiological
issues. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(42): 742–9. VOLLTEXT
3.
Basavarajaiah S, Boraita A, Whyte G, et al.: Ethnic differences in left ventricular remodelling in highly-trained athletes: relevance to
differentiating physiologic left ventricular hypertrophy from
hypertrophic cardiomyopathy. J Am Coll Cardiol 2008; 51: 2256–62. MEDLINE
4.
Pelliccia A, Maron BJ, Culasso F, et al.: Clinical significance of abnormal electrocardiographic patterns in trained athletes. Circulation 2000; 102: 278–84.
MEDLINE
1.Corrado D, Pelliccia A, Heidbüchel H, et al.: Recommendations for interpretation of 12-lead electrocardiogram in the athlete. Eur Heart J 2010; 31: 243–59. MEDLINE
2.Löllgen H, Leyk D, Hansel J: The pre-participation examination for leisure time physical activity: general medical and cardiological
issues. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(42): 742–9. VOLLTEXT
3.Basavarajaiah S, Boraita A, Whyte G, et al.: Ethnic differences in left ventricular remodelling in highly-trained athletes: relevance to
differentiating physiologic left ventricular hypertrophy from
hypertrophic cardiomyopathy. J Am Coll Cardiol 2008; 51: 2256–62. MEDLINE
4.Pelliccia A, Maron BJ, Culasso F, et al.: Clinical significance of abnormal electrocardiographic patterns in trained athletes. Circulation 2000; 102: 278–84.
MEDLINE

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