ArchivMedizin studieren1/2010Famulaturen im Ausland: Was man bei der Planung beachten muss

Studium: Ausland

Famulaturen im Ausland: Was man bei der Planung beachten muss

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 1/2010: 8

Hibbeler, Birgit

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Das Medizinstudium ist eine gute Möglichkeit, Auslandserfahrung zu sammeln – zum Beispiel im Rahmen einer Famulatur. Das geht in der Regel problemlos, wenn man bei der Organisation einige Dinge berücksichtigt.

Es ist schon fast ein fester Bestandteil im Lebenslauf von Medizinstudierenden geworden. Ein Großteil der angehenden Ärzte packt zumindest einmal während der Ausbildung seine sieben Sachen und macht sich ins Ausland auf, um dort ein Praktikum zu absolvieren. Krankenhäuser und Patienten gibt es schließlich überall. Die Anerkennung von Auslandsfamulaturen funktioniert in der Regel problemlos. Doch es gibt einige Dinge, die man beachten sollte, um sich die Organisation nicht unnötig zu erschweren.

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Wer eine Auslandsfamulatur plant, der verschafft sich am besten erst einmal auf der Homepage der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) einen Überblick. Die bvmd ist der „Marktführer“ schlechthin, was die Vermittlung von Famulaturen angeht. Pro Jahr gehen über das Programm der Studentenorganisation rund 350 Medizinstudierende aus Deutschland in 70 Länder – von Ägypten bis Ungarn. „Normalerweise sind die Chancen gut, einen Platz zu bekommen“, erläutert Eric Suero, Bundeskoordinator für Famulantenaustausch Outgoings. Allerdings gibt er zu bedenken, dass die Länder unterschiedlich beliebt sind. Es gibt eine Einteilung in die Kategorien A, B und C. Beispielsweise die USA und Großbritannien zählen zur Kategorie A. Das bedeutet: Die Zahl der Bewerber übersteigt die der Plätze deutlich. Wer nach Spanien oder Ghana (Kategorie B) will, hat da schon bessere Chancen. Auf der sicheren Seite sind Bewerber etwa für Kroatien oder die Türkei (Kategorie C).

Das Verfahren bei der bvmd ist recht einfach: Die Bewerbungsgebühr beträgt 100 Euro, bei einer Absage werden 85 Euro zurückerstattet. Eine Voraussetzung für die Bewerbung ist unter anderem, dass man schon eine Famulatur gemacht hat und Englischkenntnisse nachweisen kann. „Wir empfehlen den Studierenden aber auch, sich mit der Landessprache auseinanderzusetzen, um sich mit den Patienten unterhalten zu können“, sagt Suero.

Der Austausch der bvmd ist bilateral. Das heißt, für jeden Studierenden, der ins Ausland geht, kommt einer nach Deutschland. Eine gegenseitige Vereinbarung sieht vor, dass Verpflegung und Unterkunft in der Regel kostenlos sind. Die Incomings werden von Studierenden vor Ort betreut. Wer also internationale Luft schnuppern will, kann dies somit auch in den Semesterferien tun, ohne zu verreisen. Denn dann sind viele ausländische Famulanten an den deutschen Fakultäten, die Land und Leute kennenlernen wollen.

Neben den Plätzen vergibt die bvmd ebenfalls Fahrkostenzuschüsse – allerdings nur für Famulaturen außerhalb Europas. Für die kann man sich auch dann bewerben, wenn man sich selbst einen Praktikumsplatz im Krankenhaus sucht. Weitere Angebote der bvmd: ein Forschungsaustausch und Programme zur Mitarbeit in Public-Health-Initiativen und Entwicklungsprojekten.

Die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) verfolgt einen Ansatz, der über die Vermittlung von Famulaturplätzen hinausgeht. Die IPPNW setzt dabei auf die Kombination aus Famulatur plus Sozialprojekt. Die Studierenden sollen in den Projekten Erfahrungen jenseits der klassischen Medizinwelt machen. Dabei umfasst das Themenspektrum Frieden, Armut, Menschenrechte und Anti-Atom. Zielländer sind unter anderem Kenia, Serbien und Palästina. Jedes Jahr stehen zwölf Plätze zur Verfügung. Mitgliedern der IPPNW werden 75 Prozent der Reisekosten erstattet.

Wer ganz genaue Vorstellungen davon hat, wo er famulieren will und den höheren Aufwand nicht scheut, der kann sich seinen Auslandsaufenthalt natürlich selbst organisieren. Mitunter haben aber auch einzelne Fakultäten Austauschprojekte oder es gibt Dozenten mit hilfreichen Kontakten. Es lohnt sich also, sich umzuhören. Einen guten Überblick über finanzielle Fördermöglichkeiten für Auslandspraktika bietet die Stipendiendatenbank des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Famulaturplätze vermittelt der DAAD nicht.

Wer sich seinen Platz selbst organisiert, sollte frühzeitig das zuständige Landesprüfungsamt kontaktieren, um sicherzugehen, dass die Famulatur anerkannt wird. Gerade wer in einem Entwicklungsland auf eigene Faust famuliert, sollte sich gut vorbereiten – nicht nur was den Impfschutz und die Malariaprophylaxe angeht. Ein Aufenthalt in einem armen Land kann eine wertvolle Erfahrung sein – nicht zuletzt, weil man viele praktische Tätigkeiten lernt. Immer wieder berichten Studierende aber auch von Famulaturen, bei denen sie nicht nur nähen durften, sondern sogar Kaiserschnitte oder Appendektomien durchführten. Viele Studierende könnten in einer solchen Situation jedoch überfordert sein. Das Engagement sollte stets mit Augenmaß erfolgen, man muss seine eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen. Sonst stellt sich schließlich die Frage, inwieweit das Handeln ethisch noch vertretbar ist. Für manch einen kann es von Vorteil sein, wenn er eine Betreuung und einen Ansprechpartner vor Ort hat, wie beispielsweise beim Austausch der bvmd.

Für jeden Auslandsaufenthalt gilt: Nicht vergessen, den eigenen Versicherungsschutz (Auslandskranken- und Berufshaftpflichtversicherung) zu überprüfen. Dr. med. Birgit Hibbeler

WEBLINKS:

www.bvmd.de

Famulantenaustausch, Fahrkostenzuschüsse, Forschungsaustausch, Public Health/Entwicklungsprojekte

www.ippnw.de

Programm „famulieren und engagieren“, Kombination aus Famulatur und Sozialprojekt

www.daad.de

Förderung von Auslandspraktika; auf der Homepage des DAAD gibt außerdem die Stipendiendatenbank einen guten Überblick

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