ArchivMedizin studieren1/2010Bundeskongress 2009: Wider die Glaubenskrise

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Bundeskongress 2009: Wider die Glaubenskrise

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 1/2010: 18

Schäfer, Jan Hendrik

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Am ersten Dezemberwochenende 2009 veranstaltete die bvmd ihren Jahreskongress 2009. Das Thema wurde kontrovers diskutiert: „Patienten in der Glaubenskrise und der Vertrauensverlust in die Ärzte.“

Hoch oben im 27. Stock des sogenannten Jen Towers begrüßte am 4. Dezember 2009 Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter gemeinsam mit dem Präsidenten der bvmd, Dominique Ouart, die Teilnehmer die bvmd-Bundeskongresses. „Die bvmd ist die legitimierte Vertretung der rund 80 000 Studierenden aller 36 medizinischen Fakultäten in Deutschland. Die Arbeit ist ehrenamtlich und der Verein als gemeinnützig anerkannt“, betonte Ouart zum Auftakt.

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Den Eröffnungsvortrag hielt Giovanni Maio, Direktor des Institutes für Geschichte und Ethik der Medizin, Freiburg. Der Vertrauensverlust, den Mediziner zu spüren bekommen, hat ihm zufolge viele Ursachen. Maio nannte besonders die Öko­nomi­sierung des Berufsbildes und deren Folgen. Im Verlauf des Kongresses boten sich noch zahlreiche Gelegenheiten zur Diskussion dieses Themas unter den Studierenden – am Freitag im Jen Tower hoch über der Stadt oder in drei Workshop-Blöcken am Samstag und Sonntag in der Universität Jena. Alle vermittelten den Teilnehmern Denkanstöße für einen Ausweg aus der Vertrauenskrise. Auch Ellis Huber, ehemaliger Präsident der Berliner Ärztekammer und früheres Vorstandsmitglied der Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg/Ärzte in Sozialer Verantwortung (IPPNW), referierte zum Thema. Er betonte das ,,heilsame Vertrauen‘‘ in der Arzt-Patienten-Beziehung, von dem besonders der Patient profitieren könne.

Mehr als 400 Teilnehmer aus 32 Fakultäten und aus dem Ausland kamen vom 4. bis 6. Dezember 2009 nach Jena zum Bundeskongress. Foto: bvmd
Mehr als 400 Teilnehmer aus 32 Fakultäten und aus dem Ausland kamen vom 4. bis 6. Dezember 2009 nach Jena zum Bundeskongress. Foto: bvmd

Außerdem bot der Bundeskongress den Teilnehmern technische Workshops zu Soft Skills, zum Beispiel Rhetorik, sowie zu medizinischen Themen, zum Beispiel zum richtigen Reanimieren. Eine ,,Newcomer-Session‘‘ machte neue Teilnehmer mit der Struktur des Vereins vertraut und stellte ihnen die verschiedenen Arbeitsgruppen vor, die sich mit Themen der medizinischen Ausbildung, Gesundheitspolitik, Medizin und Menschenrechte, Public Health und Entwicklungshilfe, europäischen Integration, Palliativmedizin und dem weiten Themenkreis von Sexualität und Prävention beschäftigen.

Während der Abschlussveranstaltung am Sonntag beschriftete jeder Teilnehmer ein Stück Tuch mit seinen Vorstellungen zu einem besseren Vertrauensverhältnis, die er in den drei Tagen gewonnen hatte. Aus diesen Tüchern wurde aus der metaphorischen eine reale Brücke, welche die Studierenden von einem Arzt- zu einem Patientenmodell knüpften. Das Anliegen, mit dem die bvmd zu diesem Kongress gerufen hatte, fasste Carolin Fleischmann vom Organisationsteam der Jenaer Fachschaft Medizin zusammen: „Wir wollen zeigen, dass wir als kommende Ärztegeneration bereit sind, unseren Teil zur Verbesserung der Vertrauensbeziehung zwischen Patient und Arzt beizutragen. Dies ist jedoch keine Sache, die jemand allein leisten kann, sondern etwas, dass wir gemeinsam anpacken und umsetzen müssen.“

Jan Hendrik Schäfer, 3. Semester, Universität Frankfurt/M.

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