ArchivMedizin studieren1/2010Walnussgroße Raumforderung am Hals

MEDIZIN: Kasuistik

Walnussgroße Raumforderung am Hals

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 1/2010: 27

Geddert, Helene

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Eine 35-jährige Frau stellt sich bei einem HNO-Arzt mit einer beidseitigen Schwellung am Hals vor. Die etwa walnussgroße Raumforderung tastet sich jeweils weich und verschieblich. Wegen der Lage am Vorderrand des M. sternocleidomastoideus etwa in Höhe des Kehlkopfes wird die Patientin unter der Annahme einer beidseitigen lateralen Halszyste operiert. Laterale Halszysten (bzw. -fisteln) sind Residuen des embryonalen Ductus thyro-glossalis. Die Histopathologie ergibt aber ein anderes Bild (siehe Abbildungen).

Abbildung 1: histologische und immunhistologische Bilder a: tumorinfiltrierter Lymphknoten b: typische Milchglaskerne mit Kaffeebohnenkerben und dachziegelartiger Überlappung c: immunhistologischer Nachweis von Thyreoglobulin
Abbildung 1: histologische und immunhistologische Bilder
a: tumorinfiltrierter Lymphknoten
b: typische Milchglaskerne mit Kaffeebohnenkerben und dachziegelartiger Überlappung
c: immunhistologischer Nachweis von Thyreoglobulin
Abbildung 2: Lupenvergrößerung des papillären Schilddrüsenkarzinoms (Pfeile)Fotos: St. Vincentius Kliniken Karlsruhe
Abbildung 2: Lupenvergrößerung des papillären Schilddrüsenkarzinoms (Pfeile)
Fotos: St. Vincentius Kliniken Karlsruhe

Auflösung

Die histopathologische Diagnose lautet überraschenderweise: beidseitig stark zystisch-regressiv veränderte Lymphknotenmetastasen eines papillären Schilddrüsenkarzinoms (Abb. 1a). In der daraufhin durchgeführten operativen Schilddrüsenentfernung (Thyroidektomie) einschließlich der Halslymphknoten fanden sich ein bifokales (0,7 cm und 0,1 cm großes) papilläres Schilddrüsenkarzinom (Abb. 2) und acht weitere Lymphknotenmetastasen.

Hintergrund

Papilläre Schilddrüsenkarzinome verursachen oft über lange Zeit keine wesentlichen Beschwerden und sind häufig klein (< 1 cm). Nicht selten wird die Diagnose erst anhand der Metastasen gestellt (okkultes Karzinom). Die histopathologische Diagnostik ist aufgrund der besonderen Morphologie der Tumorzellen (Abb. 1b) und der Thyreoglobulinsekretion (Abb. 1c) sehr spezifisch. Das papilläre Schilddrüsenkarzinom tritt überwiegend bei jüngeren Patientinnen auf (80 % jünger als 40 Jahre, dreimal mehr Frauen) und metastasiert bevorzugt in die zervikalen Lymphknoten. Die Prognose ist im Vergleich zu anderen malignen Erkrankungen gut, selbst wenn Lymphknotenmetastasen vorliegen.

Therapie

Postoperativ Radiojodtherapie und Substitution der Schilddrüsenhormone.

Helene Geddert

Institut für Pathologie an den St. Vincentius Kliniken Karlsruhe

Abbildung 1: histologische und immunhistologische Bilder a: tumorinfiltrierter Lymphknoten b: typische Milchglaskerne mit Kaffeebohnenkerben und dachziegelartiger Überlappung c: immunhistologischer Nachweis von Thyreoglobulin
Kasuistik 1
Abbildung 1: histologische und immunhistologische Bilder
a: tumorinfiltrierter Lymphknoten
b: typische Milchglaskerne mit Kaffeebohnenkerben und dachziegelartiger Überlappung
c: immunhistologischer Nachweis von Thyreoglobulin
Abbildung 2: Lupenvergrößerung des papillären Schilddrüsenkarzinoms (Pfeile)Fotos: St. Vincentius Kliniken Karlsruhe
Kasuistik 2
Abbildung 2: Lupenvergrößerung des papillären Schilddrüsenkarzinoms (Pfeile)
Fotos: St. Vincentius Kliniken Karlsruhe

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