ArchivMedizin studieren1/2010Karriere in International Health: Chancen für weltoffene Mediziner

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Karriere in International Health: Chancen für weltoffene Mediziner

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 1/2010: 5

Schmitt-Sausen, Nora

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Wer eine Arbeit auf der internationalen Gesundheitsbühne anstrebt, der sollte möglichst schon im Studium die Weichen dafür stellen. Die Karrierechancen sind zahlreich. Viele Tätigkeitsfelder setzen allerdings erste praktische Berufserfahrung voraus.

Beraten für Mutter-Kind-Gesundheit in Kambodscha, operieren in Ruanda, impfen in Afghanistan – die Liste der Einsatzmöglichkeiten für Mediziner im Ausland ist lang. Doch den einen Königsweg zur Karriere in International Health gibt es nicht. Entscheidend ist der individuelle Wunsch eines einzelnen, sich auf internationaler Bühne – wie etwa der humanitären Hilfe – für die gesundheitlichen Belange anderer zu engagieren und sich frühzeitig in dieser Richtung zu orientieren. Diese Meinung vertrat zumindest Elgin Hackenbruch auf dem XI. Humanitären Kongress im Herbst des vergangenen Jahres in Berlin. Und Hackenbruch sollte wissen, wovon sie spricht: Sie ist Mitbegründerin des deutschen Sektors der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.

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Die ausgebildete Krankenschwester und Lehrerin in Primary Health Care sieht gleich vier Wege, den Interessierte einschlagen können, um ihr medizinisches Know-how in den Regionen der Welt einzusetzen, in denen die Gesundheitsversorgung ein Problem darstellt. Erstens: „Konzentrieren Sie sich frühzeitig auf ein medizinisches Thema. Etwa HIV, Ernährung oder Tuberkulose, und machen Sie sich auf diesem Gebiet zu einem Experten.“ Weg zwei: das Festlegen auf einen wissenschaftlichen Berufszweig, etwa den eines Epidemiologen. Dieser setzt sich mit den Ursachen, Folgen und der Verbreitung von gesundheitsbezogenen Zuständen und Ereignissen in der Bevölkerung auseinander. Die Wissenschaftler untersuchen Faktoren, die zu Gesundheit und Krankheit von Individuen und Populationen beitragen. Drittens: hocharbeiten. „Starten Sie in einer Organisation mit einem Projekt in Deutschland und klettern Sie die Karriereleiter schließlich Schritt für Schritt empor.“ Internationale Hilfsorganisationen seien interessiert an Nachwuchs, und viele unterstützten Qualifizierte mit speziellen Trainings. Für den, der sich in keinem dieser Segmente wiederfindet, hatte Hackenbruch schließlich noch einen Ratschlag parat: „Suchen Sie sich Ihre individuelle Nische, und beginnen Sie dafür zu kämpfen.“ Der spezifische Hintergrund von Menschen, die auf dem Gebiet der International Health arbeiten, sei sehr verschieden. „Die meisten Organisationen unterstützen Individualität.“ Wichtig sei es, auf einem Gebiet Einsatz zu zeigen.

Fotos: Jean-Pierre Amigo
Fotos: Jean-Pierre Amigo

Doch wer hofft, von der Studienbank direkt ins Hilfsprojekt nach Afrika zu kommen, der täuscht sich. Denn: Auch wenn viele medizinische Helfer in den Projekten vor Ort letztendlich sowieso „nur einen Bruchteil“ von dem anwenden, was sie im Studium gelernt haben, wie es der international erfahrene Gesundheitsexperte Joost Butenop in Berlin formulierte, ist die Arbeit in einem Projekt im Ausland bei vielen Hilfsorganisationen erst nach Abschluss des Studiums und zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung möglich. Ein Grund: Formell gesehen gibt es meist keine Möglichkeit, eine Famulatur oder einen Teil des praktischen Jahres (PJ) in einem Hilfsprojekt anzuerkennen. Vor allem aber setzt die Arbeit für eine Entsendeorganisation ein gewisses Maß an Erfahrung voraus, um die Helfer „effektiv vor Ort einsetzen zu können“ wie es bei Ärzten ohne Grenzen heißt, die im Jahr 2008 über die deutsche Sektion 237 Mitarbeiter in mehr als 60 Hilfsprojekte geschickt haben. Darunter waren neben Ärztinnen und Ärzten auch Krankenpfleger, Logistiker, Hebammen, Ernährungswissenschaftler und Bauingenieure.

Wer bereits während des Studiums die Luft ferner Länder schnuppern möchte, dem bietet etwa die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit eine Möglichkeit dazu. Innerhalb eines Praktikantenprogramms werden drei- bis sechsmonatige Arbeits- und Studienaufenthalte für Studierende, Aufbau-Studierende sowie Absolventen bis zu sechs Monaten nach Abschluss des Studiums im Ausland angeboten. Auch die Deutsche Gesellschaft für Tropenchirurgie spricht gezielt Studenten an und vermittelt Famulatur- und gegebenenfalls PJ-Plätze im Ausland. Wie bei allen Entsendeprogrammen sollte die Bewerbung allerdings rechtzeitig erfolgen: mindestens sechs Monate – besser noch eher – vor dem geplanten Reisetermin. Einen frühzeitigen Einstieg in die internationale Zusammenarbeit kann – allerdings meist losgelöst vom Medizinsektor – auch ein freiwilliges soziales Jahr sein. Informationen dazu bietet etwa der internationale Jugendgemeinschaftsdienst, eine anerkannte Entsendeorganisation des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung an.

Auf die Arbeit im internationalen Gesundheitssektor ausgerichtete Weiterbildungen in Deutschland stellen eine weitere Option dar, um im globalen Medizinsektor tätig zu sein: Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin beispielsweise bietet interessierten Hochschulabsolventen einen mehrwöchigen Diplomkurs Tropenmedizin an. An der Charité – Universitätsmedizin Berlin gibt es seit 1999 am Institut für Tropenmedizin sogar einen Masterstudiengang International Health.

Einen etwas anderen Weg schlägt ein, wer sich um eine Anstellung bei einer Regierungsorganisation bemüht. Bei diesen Arbeiten gehe es letztendlich allerdings weniger um Projektarbeiten im Ausland, sondern vielmehr um die Koordination der internationalen Hilfe, berichtete Dheepa Rajan, Technical Officer bei der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in Genf, in Berlin. Auf der internationalen Politbühne agieren dabei sowohl zahlreiche bilaterale Organisationen als auch multilaterale Institutionen, wie etwa die WHO, die Europäische Union und die Weltbank. Nahezu alle diese Institutionen bieten Interessierten eigene Nachwuchsprogramme an, die unter anderem auf eine Tätigkeit in der internationalen Gesundheitsversorgung abzielen. Die Hürden für die Programme sind jedoch hoch: Ein mit sehr gutem Notendurchschnitt abgeschlossenes Studium wird ebenso vorausgesetzt wie gute Sprachkenntnisse und erste Berufserfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit. Nora Schmitt-Sausen

Medizinische Organisationen

Ärzte für die Dritte Welt – www.aerzte3welt.de

Ärzte ohne Grenzen – www.aerzte-ohne-grenzen.de

Care Deutschland – www.care.de

Deutsches Rotes Kreuz – www.drk.de

Health Unlimited – www.healthunlimited.org

International Medical Corps – www.imcworldwide.org

Ärzte der Welt – www.aerztederwelt.org

Institutionen für internationale Zusammenarbeit

Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe – www.ageh.de

Brot für die Welt – www.brot-fuer-die-welt.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst – www.daad.de
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – www.bmz.de

Deutscher Entwicklungsdienst – www.ded.de

Deutsches Institut für Entwicklungspolitik – www.die-gdi.de

Gesellschaft für technische Zusammenarbeit – www.gtz.de

Entwicklungspolitik online – www.epo.de

Internationale Weiterbildungs- und Entwicklung gGmbH – www.inwent.org

Misereor – www.misereor.de

Oxfam – www.oxfam.org

Weltbank – www.worldbank.org

Welt­gesund­heits­organi­sation – www.who.org


Tropeninstitute

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Hamburg – www.bni-hamburg.de

Tropenklinik Tübingen – www.tropenklinik.de

Institut für Tropenmedizin Berlin – www.charite.de/tropenmedizin

Missionsärztliches Institut Würzburg – www.medmissio.de

Robert-Koch-Institut – www.rki.de

Fachgesellschaften

Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit – http://dtg.org

Deutsche Gesellschaft für Tropenchirurgie – www.tropenchirurgie.org

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