ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2011Erreger der Neuen Influenza dominiert bei aktueller Grippe

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Erreger der Neuen Influenza dominiert bei aktueller Grippe

Dtsch Arztebl 2011; 108(1-2): A-6 / B-6 / C-6

Meyer, Rüdiger; Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Grippewelle erreicht Deutschland. Ende Dezember hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin eine leicht erhöhte Aktivität akuter Atemwegserkrankungen gemeldet. In Niedersachsen starben nach Angaben des Sozialministeriums ein dreijähriges Mädchen und ein 51-jähriger Mann – beide mit Vorerkrankungen. Bei ihnen wurde Influenza A/H1N1 nachgewiesen. Einige Wochen zuvor war eine 20-jährige, chronisch kranke Patientin als Folge einer A/H1N1-Infektion an Multiorganversagen gestorben (Epid Bulletin 2010; 50: 504–5).

Beobachtungen aus Großbritannien weisen darauf hin, dass die saisonale Influenza vom Erreger der Neuen Influenza H1N1 (Schweinegrippe) dominiert wird. Auch Analysen deutscher Labore haben bei bestätigten Influenzafällen (71 Proben) ergeben: 75 Prozent waren Influenza A, 25 Prozent Influenza B, von den 21 A-Proben mit Subtypisierung waren 19 H1N1-positiv. Komponenten der aktuellen trivalenten Grippevakzine sind A/California/7/2009 (H1N1), außerdem A/H3N2 und eine Influenza-B-Viruskomponente.

In Großbritannien hat es schon zahlreiche schwere Verläufe gegeben. Bis Weihnachten waren 27 Personen gestorben, weitere 19 Patienten mussten vor den Festtagen aufgrund eines Lungenversagens über eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) versorgt werden. Nach Angaben der britischen Health Protection Agency war nur einer der an Grippe Verstorbenen gegen Influenza geimpft.

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Die Berichte erinnern an die Neue Influenza von 2009. So betreffen viele Hospitalisierungen junge Erwachsene und Kinder. Die meisten Patienten leiden an Grunderkrankungen oder sind schwanger. Auch die insgesamt geringe Zahl von Erkrankungen passt zu den Erfahrungen mit der Schweinegrippe: Es erkrankten vergleichsweise wenige Menschen, von ihnen musste aber ein höherer Anteil als bei der früheren saisonalen Influenza ins Krankenhaus.

Unter den seit der 40. Kalenderwoche bis Jahresende in Deutschland gemeldeten Influenzaerkrankungen waren auffallend viele jüngere Menschen. Das Alter der hospitalisierten Patienten betrug durchschnittlich 15 Jahre (zwei Monate bis 49 Jahre). Anlässlich der aktuellen Entwicklungen appelliert das RKI an Ärzte und die Bevölkerung, die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission zu beachten: Personen mit Grundkrankheiten sollten sich gegen Influenza impfen lassen, in allen Altersgruppen, außerdem Menschen über 60 Jahre. Schwangeren und medizinischem Personal wird dies ebenfalls empfohlen. rme/nsi

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