ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2011Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses über eine Änderung der Bedarfsplanungs-Richtlinie: Einführung eines Demografiefaktors

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses über eine Änderung der Bedarfsplanungs-Richtlinie: Einführung eines Demografiefaktors

Dtsch Arztebl 2011; 108(1-2): A-59 / B-47 / C-47

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Bekanntmachungen

Vom 15. Juli 2010

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss hat in seiner Sitzung am15. Juli 2010 beschlossen, die Richtlinie über die Bedarfsplanung sowie die Maßstäbe zur Feststellung von Überversorgung und Unterversorgung in der vertragsärztlichen Versorgung (Bedarfsplanungs-Richtlinie) in der Neufassung vom 15. Februar 2007 (BAnz. S. 3491), zuletzt geändert am 18. März 2010 (BAnz. S. 2133), wie folgt zu ändern:

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I.

Nach § 8 wird ein neuer § 8a „Modifikation der Verhältniszahlen durch einen Demografiefaktor“ eingefügt:

„§8a Modifikation der Verhältniszahlen durch einen Demografiefaktor

(1) Liegt in einem Planungsbereich bei einer Arztgruppe gemäß § 4 die durchschnittliche Zahl der Behandlungsfälle (ambulant/kurativ) der letzten vier Quartale über dem arztgruppenspezifischen Bundesdurchschnitt des gleichen Zeitraums, so wird – mit Ausnahme der Arztgruppe der Kinderärzte – die Verhältniszahl durch Multiplikation mit einem Demografiefaktor modifiziert. Der Demografiefaktor wird durch Altersfaktoren und einen Leistungsbedarfsfaktor gemäß Absatz 2 bis 4 berechnet.

(2) Die Altersfaktoren sind die Anteile der unter 60-jährigen bzw. 60-jährigen und älteren Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung in Prozent. Sie werden für die Frauenärzte auf der Basis der Frauen berechnet. Bei den anderen Arztgruppen gemäß § 4 werden Frauen und Männer gezählt. Die Altersfaktoren werden in allgemeine Altersfaktoren nach Nummer 1 und regionale Altersfaktoren nach Nummer 2 unterschieden.

1. Die allgemeinen Altersfaktoren werden auf der Basis der in § 5 festgelegten Bevölkerungsstände berechnet. Daraus ergeben sich folgende allgemeine Altersfaktoren:

2. Die regionalen Altersfaktoren werden auf der Basis des letzten amtlichen Standes der Wohnbevölkerung im Planungsbereich berechnet.

(3) Der Leistungsbedarfsfaktor wird auf der Basis der Abrechnungsstatistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung berechnet. Es ist der Leistungsbedarf in Punkten für die vier letzten Abrechnungsquartale getrennt für die Arztgruppen gemäß § 4 und für die Altersgruppen der Versicherten unter 60 Jahren bzw. 60 Jahre und älter zu ermitteln. Die ermittelten Punktzahlen sind durch die Anzahl der Versicherten der jeweiligen Altersgruppe zu teilen. Bei der Arztgruppe der Frauenärzte sind nur die Frauen zu zählen. In jeder Arztgruppe wird nun der Leistungsbedarf je Versicherten der 60-Jährigen und älteren durch den Leistungsbedarf je Versicherten der unter 60-Jährigen geteilt. Das Ergebnis ist der Leistungsbedarfsfaktor. Diese Relation drückt das Verhältnis des Behandlungsbedarfs der 60-jährigen und älteren Bevölkerung zu dem der bis 60-Jährigen aus.

(4) Der Demografiefaktor wird je Arztgruppe aus den Altersfaktoren und dem Leistungsbedarfsfaktor der jeweiligen Arztgruppe bestimmt:

Es wird die Summe aus dem allgemeinen Altersfaktor unter 60 und dem Produkt von allgemeinem Altersfaktor der 60-jährigen und älteren Bevölkerung mal Leistungsbedarfsfaktor gebildet. Diese Summe wird geteilt durch die Summe aus regionalem Altersfaktor unter 60 und dem Produkt von regionalem Altersfaktor größer/gleich 60 mal Leistungsbedarfsfaktor.

(5) Die Berechnungen Absatz 1 bis 4 werden einmal pro Jahr von der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung durchgeführt.

(6) Die Anpassung der Verhältniszahl der Arztgruppen erfolgt nach Durchführung der Berechnungen jeweils zum 30. Juni oder 31. Dezember eines Jahres.

(7) Liegen die Voraussetzungen des Absatzes 1 nicht mehr vor, so kommt der Demografiefaktor nicht weiter zur Anwendung.

(8) Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss überprüft die Regelungen nach Absatz 1 bis 7 jährlich auf ihre Auswirkungen und Geeignetheit, ihre Zielsetzung zu erreichen, erstmals spätestens zwei Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinienänderung und passt ggf. die Richtlinie auf Grundlage der Überprüfung an.

Zu diesem Zweck werden Neuzulassungen aufgrund der Regelungen nach Absatz 1 bis 7 erfasst, gegliedert nach Arztgruppen und Planungsbereichen und soweit möglich einschließlich ihrer kleinräumigen Verteilung.

(9) Bei der Besetzung von Arztsitzen, die aufgrund des Demografiefaktors ausgeschrieben werden, hat der Zulassungsausschuss darauf hinzuwirken, dass möglichst solche Bewerber Berücksichtigung finden, die zusätzlich zu ihrem Fachgebiet über eine gerontologisch/geriatrische Qualifikation verfügen.

Da der Fallzahldurchschnitt der Orthopäden im Planungsbereich XY über dem Bundesdurchschnitt liegt, wird der demografische Korrekturfaktor berücksichtigt.

Die allgemeinen Altersfaktoren für die Arztgruppe der Orthopäden ergeben sich gemäß § 5 aus den Bevölkerungsdaten aus dem Jahr 1990 (West). Gemäß § 8a Absatz 2 Nummer 1 betrug der Anteil der unter 60-Jährigen im Basisjahr 79,2 Prozent, der 60-jährigen und älteren Bevölkerung 20,8 Prozent.

Aus der Abrechnungsstatistik der KBV geht für das Jahr 2008 ein Leistungsbedarfsfaktor für die 60-jährige und ältere Bevölkerung von 2,5 hervor.

Ermittlung des Demografiefaktors:

Anteil in % < 60 Bevölkerung West 1990 +

(Anteil in % > 60 West 1990 * LBF für AG)

Anteil in % < 60 Planungsbereich XY 2008 +

(Anteil in % > 60 Planungsbereich XY 2008 * LBF für AG)

79,2 + (20,8 * 2,5)

70 + (30 * 2,5)

Demografiefaktor: 0,90482759

Korrigierte Verhältniszahl: 34214 * 0,90482759 = 30957,7

Berechnung des 30957,7 * 10 * 100

Versorgungsgrades: 342140

Versorgungsgrad nach

Berücksichtigung des

Demografiefaktors: 90,5 Prozent

Die Berücksichtigung eines demografischen Faktors „korrigiert“ den Versorgungsgrad von vormals 100 auf 90,5 Prozent.

II.

Nach Anlage 5 zu Abschnitt 4 § 19 der Bedarfsplanungs-Richtlinie „Liste der verwendeten Formeln“ werden die diesem Beschluss als Anlage beigefügten Anlagen 6.1 bis 6.10 „Planungsblatt (…) zur Feststellung/Berechnung des Versorgungsgrades unter Berücksichtigung des Demografiefaktors“, sowie Anlage 7 „Planungsblatt: korrigierte Werte bei Anwendung des Demografiefaktors bei Psychotherapeuten“ angefügt.

III.

Die Übersicht der Anlagen1 der Bedarfsplanungs-Richtlinie wird nach „Anlage 5 zu Abschnitt 4 § 19 der Richtlinie Liste der verwendeten Formeln“ wie folgt ergänzt:

„Anlage 6.1: Planungsblatt Typ 1 zur Feststellung/Berechnung des Versorgungsgrades unter Berücksichtigung des Demografiefaktors

Anlage 6.2 Planungsblatt Typ 2 zur Feststellung/Berechnung des Versorgungsgrades unter Berücksichtigung des Demografiefaktors

Anlage 6.3 Planungsblatt Typ 3 zur Feststellung/Berechnung des Versorgungsgrades unter Berücksichtigung des Demografiefaktors

Anlage 6.4 Planungsblatt Typ 4 zur Feststellung/Berechnung des Versorgungsgrades unter Berücksichtigung des Demografiefaktors

Anlage 6.5 Planungsblatt Typ 5 zur Feststellung/Berechnung des Versorgungsgrades unter Berücksichtigung des Demografiefaktors

Anlage 6.6 Planungsblatt Typ 6 zur Feststellung/Berechnung des Versorgungsgrades unter Berücksichtigung des Demografiefaktors

Anlage 6.7 Planungsblatt Typ 7 zur Feststellung/Berechnung des Versorgungsgrades unter Berücksichtigung des Demografiefaktors

Anlage 6.8 Planungsblatt Typ 8 zur Feststellung/Berechnung des Versorgungsgrades unter Berücksichtigung des Demografiefaktors

Anlage 6.9 Planungsblatt Typ 9 zur Feststellung/Berechnung des Versorgungsgrades unter Berücksichtigung des Demografiefaktors

Anlage 6.10 Planungsblatt Typ 10 zur Feststellung/Berechnung des Versorgungsgrades unter Berücksichtigung des Demografiefaktors

Anlage 7 Planungsblatt: korrigierte Werte bei Anwendung des Demografiefaktors bei Psychotherapeuten“

IV.

Die Änderung der Richtlinie tritt am Tag nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Die tragenden Gründe zu diesem Beschluss werden auf der Homepage des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses unter www.g-ba.de veröffentlicht.

Berlin, den 15. Juli 2010

Gemeinsamer Bundes­aus­schuss
gemäß § 91 SGB V

Der Vorsitzende
Hess

1Die Anlagen finden Sie unter www.g-ba.de.

Anästhesisten

78,2

21,8

Augenärzte

79,2

20,8

Chirurgen

79,2

20,8

Fachärztlich tätige Internisten

79,0

21,0

Frauenärzte

74,9

25,1

HNO-Ärzte

79,2

20,8

Hautärzte

79,2

20,8

Kinderärzte

Nervenärzte

79,2

20,8

Orthopäden

79,2

20,8

Psychotherapeuten

78,2

21,8

Radiologen

79,2

20,8

Urologen

79,2

20,8

Hausärzte

79,0

21,0

Planungsbereich:

XY

Planungsbereichstyp:

7

Bevölkerung im PB:

342 140

(2008)

Arztgruppe:

Orthopäden

Allgemeine Verhältniszahl:

34 214

Ärzte:

10

Versorgungsgrad ohne Demografiefaktor:

100 %

Fallzahldurchschnitt Orthopäden Planungsbereich XY
(1. bis 4. Quartal 2008):

5 000

Fallzahldurchschnitt Orthopäden BUND
(1. bis 4. Quartal 2008):

4 500

Allgemeine Altersfaktoren
Arztgruppe Orthopäden:

79,2 % (< 60 J.);

20,8 % (60 J. u. ä.)

(1990)

Regionale Altersfaktoren PB X:

70 % (< 60 J.);

30 % (60 J. u. ä.)

(2008)

Leistungsbedarfsfaktor:

2,5

Berechnung

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