ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2011Palliativmedizin: Falsche Zielgruppe
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In dem Artikel wird zwischen AAPV (allgemeiner ambulanter Palliativversorgung) und SAPV (spezialisierter ambulanter Palliativversorgung) unterschieden . . .

Bei den meisten Patienten kann es eine klare Trennung zwischen AAPV-Patienten und SAPV-Patienten nicht geben . . .

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Daher ist es sinnvoll, in einem Vertrag zur palliativmedizinischen Versorgung, wie von der KBV angedacht und in Westfalen-Lippe mit Erfolg seit zwei Jahren praktiziert, sowohl Phasen von AAPV als auch Phasen von SAPV abzudecken, da die meisten Patienten beides benötigen . . .

Ich persönlich arbeite als Palliativmedizinerin mit großer Freude in einem multiprofessionellen Team, aber ich habe dafür meine komplette Praxisorganisationsstruktur auf die tägliche Behandlung von Palliativpatienten umgestellt. Dieser Prozess hat mehrere Jahre in Anspruch genommen . . .

Der derzeitige Vertragsentwurf benennt Strukturen, die für die Versorgung von Palliativpatienten zweifellos erforderlich sind, aber er verlangt die Bereitstellung dieser Strukturen von der falschen Zielgruppe, nämlich auch von den Hausärzten!

Hausärzte sehen im Schnitt zwei Palliativpatienten pro Jahr und können unmöglich für diese wenigen Patienten in einer Notfallsituation neben ihrer normalen Praxistätigkeit aus dem Stand die Strukturen eines ausdifferenzierten, palliativmedizinischen Teams auf die Beine stellen. Dafür besteht in der Praxis auch keine Notwendigkeit. Den Hausärzten, die keine spezialisierten Palliativmediziner sind, bleibt laut dem jetzigen Vertragsentwurf aber nur die Möglichkeit „weiterhin beratend als Vertrauter des Patienten bei wichtigen Entscheidungen hinzugezogen zu werden“. Dies entspricht de facto einer erzwungenen Ausgrenzung der Hausärzte aus der palliativmedizinischen Versorgung ihrer Patienten.

Die Einbeziehung der Hausärzte ist aber für die Lebbarkeit des Vertrages der entscheidende Faktor, denn sie sollen ja künftig ihre Patienten in diesen Vertrag einschreiben. Und genau das werden sie nicht tun, wenn die Hürden für eine Teilnahme am Vertrag zu hoch liegen. Sie werden stattdessen wie bisher ihre Patienten außerhalb des Vertrages nach bestem Wissen und Gewissen hausärztlich versorgen und der nächste Versuch zur Implementierung einer ambulanten flächendeckenden palliativmedizinischen Versorgung wird scheitern, weil er in dieser Form scheitern muss! . . .

Dr. med. Bettina Claßen, 44867 Bochum

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