ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2011PID: Es geht nicht um Eugenik
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Es ist traurig und zugleich beunruhigend, wenn ein Mitglied des Deutschen Ethikrates, Herr Dr. phil. Michael Wunder, im DÄ den Eindruck hinterlässt, nicht über die basalen Grundkenntnisse zum Thema Präimplantationsdiagnostik zu verfügen. Seine Auffassung, dass „Jeder Embryo trägt von Anfang an das ganze Potenzial eines individuellen Menschen in sich, womit ihm Menschenwürde zukommt“ ist grundsätzlich falsch. Das ist eben nicht der Fall, nicht alle Embryonen sind gleicher Qualität.

Jeder Zellhaufen, der aus Ei- und Samenzelle entstanden ist, ist nach Replikation des embryonalen Genoms und Aktivierung der Zellmaschinerie nicht mit dem gleichen Entwicklungspotenzial behaftet. Die Fehlerquote, besonders die der Eizelle und des Embryos, ist bekanntlich sehr hoch. Dies ist weder zu dementieren noch zu ignorieren.

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Bei welcher Aneuploidie beginnt oder hört die „Menschenwürde“ auf?

Weshalb wird beim Zellhaufen mehr auf Menschenwürde geachtet als nachher? Wird dann wegen fehlender Antworten, möglicherweise aber auch durch den Religionshintergrund, ein Zellhaufen zum potenziellen Menschen erklärt?

Der Schwangerschaftsabbruch, das heißt nach der Implantation, ist aufgrund von lockeren Kriterien erlaubt. Ist es damit kein Verbrechen, von einer Frau zu verlangen, auf Probe schwanger zu werden und dann den emotional sehr belastenden Abbruch durchführen zu müssen?

Im Gegensatz zur Aussage von Herrn Prof. Dr. Diedrich gibt es neuerdings durch den Einsatz von der CGH-Technik in Kombination mit der Chiptechnik die Möglichkeit, sehr effektiv euploide Embryonen auszuwählen. Dies gilt auch für Frauen über 40 Jahre. Über diese Technik wird man in Zukunft auch in Deutschland verfügen können. Euploidie darf nicht mit Eugenik verwechselt werden. Darf man sich nicht wenigstens ein euploides Kind wünschen, was dadurch nicht automatisch gesund, hübsch und schlau ist! Der Staat sollte die Entscheidung, wie in anderen Ländern der EU üblich, seinen mündigen Bürgern nicht verbieten dürfen.

Dr. (NL) Michael C. W. Scholtes, Ph.D., Leiter der IVF Gruppe des Kinderwunschzentrums Düsseldorf, Zentrum für Reproduktionsmedizin,
40219 Düsseldorf

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