ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2011Bundesgerichtshof: „Zitronensaft-Urteil“ aufgehoben

AKTUELL

Bundesgerichtshof: „Zitronensaft-Urteil“ aufgehoben

Dtsch Arztebl 2011; 108(1-2): A-4 / B-4 / C-4

Gerst, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Bundesgerichtshof (BGH) hob Ende Dezember das Urteil des Landgerichts Mönchengladbach gegen den ehemaligen Chefarzt der Klinik in Wegberg auf. Dieser war nach Verwendung von Zitronensaft zur Wundbehandlung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden – wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Der BGH entschied, dass der Angeklagte die Patientin vor einer kunstgerecht durchgeführten Darm-OP nicht darüber hätte aufklären müssen, dass er bei einer möglichen Wundheilungsstörung Zitronensaft zur Desinfektion verwenden würde. Dies wäre nach Meinung des BGH nur dann erforderlich, wenn damit ein schwerwiegendes Risiko verbunden ist. Die BGH-Richter werteten das Einbringen des unsterilen Zitronensaftes in die Wunde lediglich als eine zusätzliche bakterielle Belastung.

Der Chefarzt der Wegberger Klinik hatte Operationswunden mit Zitronensaft „desinfiziert“. Foto: dpa
Der Chefarzt der Wegberger Klinik hatte Operationswunden mit Zitronensaft „desinfiziert“. Foto: dpa

Der Angeklagte habe sich allerdings durch die Zweitoperation der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht; denn vor diesem Eingriff hätte er die Patientin über das von ihm hierbei beabsichtigte Einbringen von Zitronensaft in die Wunde aufklären müssen. Ihm könne dagegen keine Körperverletzung mit Todesfolge angelastet werden, da weder die Zweitoperation noch der Einsatz des Zitronensaftes zum Eintritt des Todes beigetragen hätten. Der BGH wies das Verfahren zur Neuverhandlung an das Landgericht zurück. Dort steht der ehemalige Chefarzt derzeit noch im Zusammenhang mit weiteren Anklagen der Staatsanwaltschaft vor Gericht. TG

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
Deutsches Ärzteblatt print

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema