ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2011Depression bei Zuckerkranken: Begünstigt Diabetes eine Depression oder umgekehrt?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Depression bei Zuckerkranken: Begünstigt Diabetes eine Depression oder umgekehrt?

Dtsch Arztebl 2011; 108(1-2): A-40 / B-31 / C-31

Heinzl, Susanne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Schon lange wird vermutet, dass sich ein Diabetes mellitus Typ 2 und eine Depression gegenseitig bedingen können, allerdings ist dieser mögliche Zusammenhang noch nie prospektiv untersucht worden. Die Lücke schließt nun eine große Kohortenstudie mit den Daten von 65 382 Frauen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren. Sie wurden von 1996 bis 2006 beobachtet (531 097 Personenjahre). In dieser Zeit wurden 2 844 Fälle von neu aufgetretenem Diabetes mellitus Typ 2 dokumentiert, 7 415 Frauen entwickelten eine Depression.

Bei Frauen mit einer Depression lag das relative Risiko, einen Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln, bei 17 % (RR 1,17, 95%-KI 1,05–1,30). Bei Einnahme von Antidepressiva erhöhte sich das relative Risiko auf 25 % (RR 1,25, 95%-KI 1,10–1,41) im Vergleich zu Frauen ohne Depression. Die Einnahme von Antidepressiva könnte auf eine stärkere Depression hinweisen, die das Diabetesrisiko erhöht. Die Medikamente könnten jedoch ebenso das Diabetesrisiko erhöhen. Bisherige Untersuchungsergebnisse zum Einfluss von Antidepressiva auf die Glukosehomöostase waren uneinheitlich.

Frauen mit Typ-2-Diabetes hatten ein relatives Risiko von 29 %, an einer Depression zu erkranken. Bei Diabetikerinnen ohne antidiabetische Medikation betrug das relative Risiko für eine Depression 25 %, bei Einnahme von Antidiabetika 24 % und bei Insulinbehandlung 53 %. Die Depression könnte durch biochemische oder physiologische Veränderungen aufgrund des Diabetes ausgelöst werden. Auch Stress und psychische Belastung durch den Diabetes könnten die Entwicklung der Depression begünstigen. Die Autoren betonen die Bedeutung eines Gewichtsmanagements und regelmäßiger körperlicher Bewegung: Darüber ließen sich beide Erkrankungen positiv beeinflussen.

Fazit: In dieser großen prospektiven Kohortenstudie konnte nachgewiesen werden, dass der Zusammenhang zwischen Depression und Diabetes mellitus bei Frauen bidirektional ist. Die Wirkung von Antidepressiva auf den Glukosestoffwechsel sollte in weiteren Untersuchungen geklärt werden.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Pan A et al.: Bidirectional association between depression and type 2 diabetes mellitus in women. Arch Intern Med 2010; 170: 1884–91.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema