ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2011Börsebius: Seltene Erden

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Börsebius: Seltene Erden

Dtsch Arztebl 2011; 108(1-2): A-54 / B-42 / C-42

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Die Zeit zwischen den Jahren nutze ich für Entsorgungsarbeiten von Papiermengen, deren Studium ansonsten zeitlich nicht immer möglich ist. Dabei wimmelt es gerade in diesen Tagen von Studien, die mir alle erklären wollen, wie denn die Börsen nächstes Jahr so laufen werden. Bei der Sichtung der Prognosen auf Glaubwürdigkeit hilft ein Blick zwölf Monate zurück. Da sagte nämlich kaum jemand voraus, dass sich im Jahr 2010 für die deutsche Wirtschaft ein Traumszenario entwickeln werde.

Es kam dann auch viel besser als erwartet, weil die deutschen Unternehmen ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Kostenstrukturen verschlankt haben. So konnten sie auf die überraschende Nachfragebelebung auch gut reagieren. Staatliche Hilfen (großzügige Kurzarbeitsregelung) und Förderprogramme unterstützten darüber hinaus die Wirtschaft hierzulande. Aber vorhergesehen hat es eben von den Auguren keiner, und schon allein daraus speist sich mein Argwohn, dass viele Studienschreiber das nunmehr Erlebte einfach in den neuen Prognosen fortschreiben, ohne es vernünftig begründen zu können.

Wahr ist, dass niemand weiß, was die Zukunft bringt. Es kann sein, dass die Chinesen die Weltkonjunktur bremsen (siehe deren jüngste Leitzinserhöhung), es ist aber ebenso möglich, dass trotzdem noch genügend Aufträge für die deutsche Wirtschaft aus China hereinkommen. Es kann ebenso sein, dass immer wieder böse Überraschungen der unsicheren Schuldnerkantonisten auf uns niederprasseln, aber genauso gut könnte sich Europa in der Währungspolitik zusammenraufen.

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Es lässt sich bei Aktien bestenfalls ein Trend beschreiben, was möglicherweise favorisiert wird und was nicht. Für meinen Geschmack dürften Banken und Energieversorger im nächsten Jahr Spaß machen, Automobile weniger, und bei Solarwerten sollte man höllisch aufpassen. Zu einer Einzelmeinung traue ich mich aber dann doch: Seltene Erden. Seltene Erden sind Metalle, genauer 17 chemische Elemente, die der Normalbürger gar nicht kennt (unter anderen Neodym, Dysprosium, Terbium), die in der Industrie aber dringend für sogenannte saubere Technologien gebraucht werden. In einem Kernspintomographen etwa sind allein 185 kg seltene Erden verbaut. Das Problem: China kontrolliert 97 Prozent der Vorkommen und braucht das alles für den eigenen Bedarf. So könnten Unternehmen, wie etwa „Molycorp Mountain Pass“, die seltene Erden abbauen, für risikobereite Anleger eine Alternative sein.

Aber egal wie 2011 werden wird, Börse rauf, Börse runter, wer weiß das eben schon genau. Eines wird nach meiner Einschätzung mit Sicherheit nicht passieren: Dass die Banken das Thema Kundeninteresse zur Nummer eins erklären. Zu sehr wird auch fürderhin das Profitdenken fürs eigene Haus dazu führen, den Kunden Produkte anzudienen, bei denen vor allem das Geldinstitut fein raus ist. Ehrbares Verhalten, es ist einfach zu selten auf Erden.

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