ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2011Desinfektion in der Koloskopie: Eindrucksvolle Hygiene-Lernkurve

POLITIK

Desinfektion in der Koloskopie: Eindrucksvolle Hygiene-Lernkurve

Dtsch Arztebl 2011; 108(1-2): A-18 / B-14 / C-14

Fröhlich, Eckhart; Muller, Reinhold; Leiß, Ottmar

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Durch ein flächen­deckendes Manage­ment ist die Qualität der Auf­bereitung von konta­minierten Koloskopen in nieder­gelassenen Praxen deutlich gestei­gert worden.

Die Hygiene der Koloskop­aufbereitung ist durch die Qualitäts­sicherungs­vereinbarung „Koloskopie“ im Vorfeld der Einführung des Darm­krebs­screenings im nieder­gelassenen Bereich erheblich verbessert worden. Dies belegen Daten, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für eine bundesweite Analyse zur Verfügung gestellt worden sind. Der Weg dahin war allerdings weit.

Nachdem 1989 eine Umfrage in sechs europäischen Ländern erhebliche Mängel bei der Desinfektion flexibler Endoskope ergeben hatte (1), bestätigte die 1999 und 2000 durchgeführte HYGEA-Studie (Hygiene in Gastroenterology Endoscope Reprocessing) auch für Deutschland eine Beanstandungsquote von circa 50 Prozent (3), da im Instrumentierkanal, im Luft-Wasser-Spülkanal beziehungsweise am Optik-Spülsystem kritische Keime und/oder eine erhöhte Gesamtkeimzahl nachgewiesen wurden. E. coli, koliforme Enterobakterien, Enterokokken und Pseudomonas aeruginosa gelten als Indikatorkeime für Mängel bei den einzelnen Schritten der Endoskopaufbereitung.

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Flexible Endoskope sind schwierig aufzubereitende Medizinprodukte, da die verschiedenen Kanäle und Verbindungen nicht einfach zugänglich sind. Foto: Fröhlich
Flexible Endoskope sind schwierig aufzubereitende Medizinprodukte, da die verschiedenen Kanäle und Verbindungen nicht einfach zugänglich sind. Foto: Fröhlich

Zeitgleich zur HYGEA-Studie hat die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch-Institut Empfehlungen zur Aufbereitung von Medizinprodukten und flexiblen Endoskopen publiziert (4, 5). Die für die Regelung von Kosten und Leistungsabrechnung verantwortlichen Krankenkassen und die KBV haben vor Einführung der Vorsorgekoloskopie zum 1. Oktober 2002 eine Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung getroffen. Danach ist die Durchführung einer Koloskopie gekoppelt an die fachliche Voraussetzung des Untersuchers, strukturelle Bedingungen (zum Beispiel eine Mindestanzahl an Koloskopien und Polypektomien pro Jahr) und die hygienisch korrekte Aufbereitung des flexiblen Koloskops (6). Mit dem zum 1. Januar 2001 in Kraft getretenen Infektionsschutzgesetz hat der öffentliche Gesundheitsdienst eine zunehmend wichtigere Rolle in der Überwachung und Überprüfung von stationären und ambulanten Gesundheitseinrichtungen übernommen.

Kontrollen des öffentlichen Gesundheitsdienstes

Erfahrungsberichte einzelner Gesundheitsämter bei der Überprüfung stationärer und niedergelassener Einrichtungen haben Mängel bei der Implementierung gesetzlicher Vorschriften und Fehler bei der Umsetzung im klinischen Alltag aufgezeigt. Insbesondere wurde auf die Notwendigkeit weiterer Verbesserungen im niedergelassenen Bereich hingewiesen (7).

2008 wurde erstmals beschrieben, dass bei der Fortschreibung der HYGEA-Studie im Qualitätssicherungsprojekt Hygiene in der Endoskopie der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayerns mit Einführung der Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung Koloskopie die Beanstandungsrate bei der Endoskopaufbereitung in den Folgejahren deutlich gesunken ist und 2007 bei sechs Prozent lag. Ähnliche Zahlen wurden 2009 für den KV-Bereich Nord-Württemberg beschrieben.

In einer bundesweiten Analyse von KBV-Daten wurde kürzlich die Situation für Deutschland untersucht. Sie ergab einen eindrucksvollen Rückgang der Beanstandungsquote von 17,7 Prozent im Jahr 2003 auf 10,1 Prozent 2004, 6,6 Prozent im Jahr 2005 und 3,8 Prozent 2007 beschrieben (8). Auffällig ist, dass die neuen Bundesländer besonders gut abschnitten (zwischen 0,6 und 0,8 Prozent).

Geht man von einer 50-prozentigen Beanstandungsquote im Jahr 2000 aus, dann kann der Rückgang auf unter fünf Prozent als voller Erfolg der Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung verbucht und als Beleg für die Effektivität von Qualitätssicherungsmaßnahmen im niedergelassenen Bereich angesehen werden.

Fazit: Die getroffene Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung Koloskopie sollte auf alle endoskopischen Untersuchungen ausgeweitet werden. Es kann nicht akzeptiert werden, dass unterschiedliche Standards für unterschiedliche endoskopische Untersuchungen existieren. Die privaten Krankenkassen sollten die qualitätssichernden Maßnahmen in der Endoskopie mit unterstützen und mittragen.

Dr. med. Eckhart Fröhlich

Prof. Dr. Reinhold Muller

Prof. Dr. med. Ottmar Leiß

@Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit0111

1.
Van Gossum A, Loriers M, Serruys E, Cremer M: Methods of disinfecting endoscopic material: results of an international survey. Endoscopy 1989; 21: 247–50. MEDLINE
2.
Werner HP, Staritz M, Füeßl HS: Expertendiskussion: Infektionen via Endoskop ? Münch Med Wschr 1994; 136: 22–6.
3.
Bader L, Blumenstock G, Birkner B, Leiß O, et al.: HYGEA (Hygiene in der Gastroenterologie – Endoskop-Aufbereitung): Studie zur Qualität der Aufbereitung von flexiblen Endoskopen in Klinik und Praxis. Z Gastroenterol 2002; 40: 157–70. MEDLINE
4.
KRINKO und BfArM: Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung vonMedizinprodukten. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Instituts. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2001; 44: 1115–26.
5.
KRINKO: Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung flexibler Endoskope und endoskopischen Zusatzinstrumentariums. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2002; 45: 395–411.
6.
Bekanntmachungen der Herausgeber, KBV: Voraussetzungen gemäß § 135 Abs.2 SGB V zur Ausführung und Abrechnung von koloskopischen Leistungen (Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung zur Koloskopie) vom 20.9.2002. Deutsches Ärzteblatt 2002; 99: C2126–8. VOLLTEXT
7.
Neufassung der „Vereinbarung gemäß § 135 Abs. 2 SGB V zur Ausführung und Abrechnung von koloskopischen Leistungen“, vom 24. Juli 2006. Deutsches Ärzteblatt 2006; 103(43): A2892–6. VOLLTEXT
8.
Heudorf U, Hofmann H, Kutzke G, et al.: Hygiene beim Endoskopieren in Klinik und Praxis, 2003 – Ergebnisse der infektionshygienischen Überwachung der Endoskopie-Einrichtungen in Frankfurt am Main durch das Gesundheitsamt. Z Gastroenterol 2004; 42: 669–76. MEDLINE
9.
Fröhlich E, Muller R, Leiß O: Effekt der Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung von 2002 (bei Einführung der Vorsorge-Koloskopie) auf die Qualität der Aufbereitung flexibler Koloskopie – eine bundesweite Analyse. Z Gastroenterol 2009; 47: 1137–44. MEDLINE
1.Van Gossum A, Loriers M, Serruys E, Cremer M: Methods of disinfecting endoscopic material: results of an international survey. Endoscopy 1989; 21: 247–50. MEDLINE
2.Werner HP, Staritz M, Füeßl HS: Expertendiskussion: Infektionen via Endoskop ? Münch Med Wschr 1994; 136: 22–6.
3.Bader L, Blumenstock G, Birkner B, Leiß O, et al.: HYGEA (Hygiene in der Gastroenterologie – Endoskop-Aufbereitung): Studie zur Qualität der Aufbereitung von flexiblen Endoskopen in Klinik und Praxis. Z Gastroenterol 2002; 40: 157–70. MEDLINE
4.KRINKO und BfArM: Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung vonMedizinprodukten. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Instituts. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2001; 44: 1115–26.
5.KRINKO: Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung flexibler Endoskope und endoskopischen Zusatzinstrumentariums. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2002; 45: 395–411.
6.Bekanntmachungen der Herausgeber, KBV: Voraussetzungen gemäß § 135 Abs.2 SGB V zur Ausführung und Abrechnung von koloskopischen Leistungen (Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung zur Koloskopie) vom 20.9.2002. Deutsches Ärzteblatt 2002; 99: C2126–8. VOLLTEXT
7.Neufassung der „Vereinbarung gemäß § 135 Abs. 2 SGB V zur Ausführung und Abrechnung von koloskopischen Leistungen“, vom 24. Juli 2006. Deutsches Ärzteblatt 2006; 103(43): A2892–6. VOLLTEXT
8.Heudorf U, Hofmann H, Kutzke G, et al.: Hygiene beim Endoskopieren in Klinik und Praxis, 2003 – Ergebnisse der infektionshygienischen Überwachung der Endoskopie-Einrichtungen in Frankfurt am Main durch das Gesundheitsamt. Z Gastroenterol 2004; 42: 669–76. MEDLINE
9.Fröhlich E, Muller R, Leiß O: Effekt der Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung von 2002 (bei Einführung der Vorsorge-Koloskopie) auf die Qualität der Aufbereitung flexibler Koloskopie – eine bundesweite Analyse. Z Gastroenterol 2009; 47: 1137–44. MEDLINE

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