ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2011Ausblick auf 2011: Notwendige Reformen

EDITORIAL

Ausblick auf 2011: Notwendige Reformen

Bühring, Petra

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Die Zeit zum Innehalten und Besinnen ist eigentlich schon wieder vorbei, wenn Sie dieses Heft erhalten. Trotzdem soll ein rückwirkender Blick auf das vergangene Jahr nicht fehlen, zumal die beiden wichtigsten Themen – die Reform der Psychotherapieausbildung und die Reform der Bedarfsplanung – auch in diesem Jahr von Bedeutung sein werden.

Mit Hochdruck wurden bei den beiden Psychotherapeutentagen im vergangenen Jahr Entscheidungen zur Reform der Psychotherapieausbildung vorangetrieben, so dass die Bundespsychotherapeutenkammer (BPTK) pünktlich zum Jahresbeginn sowohl einen detaillierten Entwurf für ein „Psycho­therapeuten­ausbildungs­reform­gesetz“ als auch einen Entwurf für eine geänderte Approbationsordnung vorlegen konnte. Das Reformkonzept sieht weiterhin eine postgraduale Psychotherapieausbildung vor, die als Eingangsqualifikation definierte Kompetenzen auf Masterniveau verlangt. Die heutigen Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sollen zu einem Beruf zusammengeführt werden, der berufsrechtlich befähigt, Patienten aller Altersgruppen zu behandeln. Die Ausbildung soll in Zukunft in Schwerpunkten erfolgen, mit denen die Fachkunde für die Behandlung entweder von Erwachsenen oder von Kindern erworben wird. Das „psychiatrische Jahr“ soll durch eine praktische Ausbildung in verschiedenen Versorgungssektoren abgelöst werden. Eine Erprobungsklausel sieht zudem vor, Möglichkeiten und Grenzen einer psychotherapeutischen Erstausbildung – also eines Psychotherapiestudiums analog zum Medizinstudium – zu testen.

Die Reformvorschläge wurden bereits Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler übergeben, aus dessen Haus allerdings noch im Oktober zu hören war, dass alsbald keine Gesetzesinitiative auf den Weg gebracht werde. Es ist zu hoffen, dass der Minister von der Wichtigkeit der Reform und von der gebotenen Eile überzeugt werden kann. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich der geringer qualifizierende Bachelorabschluss als Eingangsqualifikation für die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten etabliert.

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Einigkeit besteht bei allen Akteuren im Gesundheitswesen seit langem darin, dass die Instrumente der Bedarfsplanung im ambulanten Bereich versagt haben. Zu ungleich sind Arzt- und Psychotherapeutenpraxen auf Stadt und Land, Osten und Westen, wohlhabende und sozial schwache Bezirke verteilt. Eine grundlegende Reform steht an: Der Bundesgesundheitsminister hat für das erste Halbjahr dieses Jahres ein Versorgungsgesetz angekündigt. Nach seinen Vorstellungen soll die Bedarfsplanung flexibler werden und nicht mehr an Stadt- und Landkreisgrenzen haltmachen (siehe auch Artikel auf Seite 10). Außerdem soll sie zumindest in Teilen sektorenübergreifend organisiert werden. Der Minister hat zudem in Aussicht gestellt, den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses zu berücksichtigen, wonach ein demografischer Faktor bei der Berechnung der Bedarfsplanung einzuführen sei. Die BPTK befürchtet allerdings, dass diese Anpassung der Praxissitze an die Altersstruktur der Bevölkerung statt an der Einwohnerzahl die Unterversorgung in der psychotherapeutischen Versorgung noch verschärfen wird.

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