ArchivMedizin studieren2/2010Eckart von Hirschhausen: Lachen ist die beste Medizin

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Eckart von Hirschhausen: Lachen ist die beste Medizin

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 2/2010: 16

Hirschhausen, Eckart von

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Die Idee von Patch Adams, Clowns in Krankenhäuser zu bringen, kam vor 15 Jahren nach Deutschland. Der Kabarettist Dr. med. Eckart von Hirschhausen griff sie auf und unterstützt sie seit 2008 mit der bundesweiten Stiftung „Humor hilft heilen“. Gefördert werden damit Clowns, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte unter anderem durch gezielte Weiterbildung, Begleitforschung und neue Clown-Sprechstunden. Informationen unter: www.humorhilftheilen.de

Die ärztliche Kunst ist langfristig zum Scheitern verurteilt, denn gegen das Grundgesetz der Vergänglichkeit kann auch die modernste „Anti-Aging“-Rezeptur nichts ausrichten. Anti-Aging, die absurdeste Erscheinung des Jugendwahns, eine pharmakologische Verzweiflungstat gegen die Tatsachen des Lebens. Was jung erhält, ist seit 2 000 Jahren klar: Glaube, Liebe, Hoffnung. Gutes Essen und Denken, viel Bewegung, gelegentlich Sex und viel Streicheln. Punkt. Kein Pülverchen kann einem das abnehmen. Das Blödeste, was passieren könnte: dass Anti-Aging tatsächlich irgendwann funktioniert! Viele Medikamente wirken im Körper, aber nicht im Kopf, durch die Blut-Hirn-Schranke. Stell dir das vor:
Dein Körper wird jünger, dein Hirn aber nicht. Dann hast du Alzheimer – Dein Körper kommt gerade wieder rückwärts in die Pubertät. Du kannst wieder – weißt aber nicht mehr warum! Das wünsch ich keinem!

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Der Volksmund behauptet etwas zu wissen, worüber alle Medizinprofessoren uneins sind: Was ist die beste Medizin? Das Lachen? Das ist doch lächerlich! Wenn Lachen so wichtig ist, müsste es doch im dicken klinischen Wörterbuch drinstehen.

Da steht: Laceratio. Die Zerreißung. Lachen, queres. Englisch transverse grin. Breites Verziehen des Gesichts bei beidseitiger Facialislähmung, auch Zwangslachen.

Der nächste Eintrag ist: Lachgas. Ich denk mir das nicht aus. Dass der Mensch auch ohne Fazialislähmung einfach so lacht, ohne Zwang, kommt unter 50 000 Einträgen in diesem Buch nicht vor. Die Zerreißung und das Lachgas wohl. Schmerzen ausschalten, das ist ein großer Triumph der Medizin. Aber von positiven Gefühlen? Keine Notiz. Dabei lacht ein Kind 400-mal am Tag, ein Erwachsener nur noch 20-mal, ein Toter gar nicht. Ohne viel von Statistik zu verstehen: Die Tendenz ist eindeutig. Wer lacht, lebt länger.

Man kann Humor aber nicht als Tablette einnehmen, nur als Haltung. Es wäre als Medikament gar nie zugelassen: zu viele Nebenwirkungen. Weniger Herzinfarkte, weniger Infektionen und ein gutes Schmerzmittel: Hast du dir schon mal mit dem Hammer auf den Daumen gehauen? Das tut weh. Aber es macht einen großen Unterschied, ob man dabei allein ist oder in Gesellschaft. Bist du allein, tut es lange weh. Mit jemandem in der Nähe musst du lachen, und der Schmerz lässt nach.

Dr. med. Eckart von Hirschhausen (Jahrgang 1967) studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus. Seit mehr als 15 Jahren ist er einer der populärsten Kabarettisten, Autoren und Moderatoren Deutschlands. Mit seinen Büchern „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ und „Glück kommt selten allein“ wurde er „erfolgreichster Sachbuchautor“ 2008 und 2009. Im Jahr 2010 wird Eckart von Hirschhausen weitere Aufgaben im ARD-Fernsehen übernehmen und die Samstagabendshow „Frag doch mal die Maus“ sowie die neue große Show „Das fantastische Quiz vom Körper und Menschen“ sowie „Deutschlands Größter Gedächtnistest“ moderieren. Mehr unter: www.hirschhausen.com. Fotos: Frank Eidel
Dr. med. Eckart von Hirschhausen (Jahrgang 1967) studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus. Seit mehr als 15 Jahren ist er einer der populärsten Kabarettisten, Autoren und Moderatoren Deutschlands. Mit seinen Büchern „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ und „Glück kommt selten allein“ wurde er „erfolgreichster Sachbuchautor“ 2008 und 2009. Im Jahr 2010 wird Eckart von Hirschhausen weitere Aufgaben im ARD-Fernsehen übernehmen und die Samstagabendshow „Frag doch mal die Maus“ sowie die neue große Show „Das fantastische Quiz vom Körper und Menschen“ sowie „Deutschlands Größter Gedächtnistest“ moderieren. Mehr unter: www.hirschhausen.com. Fotos: Frank Eidel

Wer Schmerzen hat, sollte also nicht allein sein und etwas zu lachen haben. Dafür gibt es seit etwa zehn Jahren in Deutschland eine spannende Bewegung – Clowns in Krankenhäuser zu bringen. Nach dem Vorbild von Patch Adams haben sich in Deutschland viele Vereine etabliert. 2008 habe ich „Humor hilft heilen“ gegründet – eine Stiftung für mehr Forschung und Anwendung von therapeutischem Humor im Krankenhaus. Und nicht nur für die Kinder, die werden ja irgendwann entlassen. Wer verbringt am meisten Zeit in diesen Institutionen? Die Ärzte und Pflegekräfte. Und die sollen auch ihre Laune nicht verlieren. Im Internet unter www.hirschhausen.com findet ihr mehr darüber, wie ihr therapeutischen Humor unterstützen könnt. Und wie eine rote Nase auch das eigene Leben verlängern kann! Aber wie viel soll man lachen, mit wem, vor oder nach den Mahlzeiten? Gibt es Überdosierungen? Kann man sich öfter als zwei Mal halbtot lachen?

Versuchen wir es wenigstens!

Dr. med. Eckart von Hirschhausen

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