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Studienabschluss 2009 in Sachsen: „Wir freuen uns über jeden, der bleibt“

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 2/2010: 8

Richter-Kuhlmann, Eva

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Foto: Ina Starke
Foto: Ina Starke

Eine bundesweit einmalige Koordinierungsstelle hilft Studierenden und Assistenten eine passende Stelle in Sachsen zu finden.

Mucksmäuschenstill ist es am 19. Dezember 2009 im Hörsaal, als Jan Lange, 15. Semester der Humanmedizin, das Ärztliche Gelöbnis der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer vorträgt. Es ist dem traditionellen Eid des Hippokrates (460 vor Christus) nachempfunden und doch der heutigen Zeit angepasst. Dann erhalten Lange und seine 160 Kommilitonen, die 2009 ihr Humanmedizinstudium in Dresden abschließen, feierlich ihre Abschlussurkunden.

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„Zunächst hatte ich befürchtet, dass die Veranstaltung zum Studienabschluss zu konservativ und kitschig wird“, räumt Medizinabsolvent Stefan Wegner während des anschließenden Sektempfangs ein. „Doch das war es keineswegs. Es war eine angenehme, richtig schöne Feierstunde.“ Mitgebracht in das Dresdner Hörsaalzentrum an der Bergstraße haben die Absolventen an diesem verschneiten vierten Adventssamstag auch ihre Eltern, Partner, Freunde und Kinder. „Es war unser Ziel, hier eine feierliche und zugleich ungezwungene und familiäre Atmosphäre zu schaffen“, erklärt Prof. Dr. med. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, dem Deutschen Ärzteblatt Studieren.de. „Gern bleiben wir mit Ihnen in Kontakt“, versichert den Absolventen auch der Dresdner Dekan Prof. Dr. med. Heinz Reichmann und kündigt einen Newsletter an.

Sachsen umwirbt seinen Nachwuchs – und das nicht ohne Grund. Es ist kein Geheimnis, dass hier, ebenso wie mittlerweile in nahezu allen Bundesländern, Ärztemangel herrscht. „Wir freuen uns über jeden, der in Sachsen bleibt“, ruft Schulze den Absolventen zu. „Sie werden in der ärztlichen Versorgung gebraucht. Sowohl die Bundes­ärzte­kammer als auch die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer haben ein großes Interesse an Ihrer ärztlichen Ausbildung.“

Dass dies nicht nur leere Worte sind, zeigt die jüngste Aktion der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer: Im November 2009 richtete sie eine Koordinierungsstelle „Ärzte für Sachsen“ ein und gründete ein gleichnamiges Netzwerk mit mehr als 100 Partnern in Dresden. Dies ist bisher in Deutschland einmalig. Zudem organisiert die Kammer regelmäßig Informationsveranstaltungen für alle neuen Weiterbildungsassistenten. „Sachsen fehlt es an Ärzten, und das, obwohl sich seit Jahren verschiedenste Institutionen und Verbände darum bemühen, junge Mediziner hier zu halten oder aus anderen Bundesländern oder dem Ausland für eine Tätigkeit in Sachsen zu begeistern“, erläutert Schulze. „Aber bisher fehlte es an einer Koordinierung und Vernetzung der Akteure und Maßnahmen.“ Deshalb sei die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer jetzt in Vorleistung gegangen. Durch die Koordinierungsstelle können Interessenten alles Wichtige zur ärztlichen Tätigkeit in Sachsen aus einer Hand erfahren und sich ein Bild über die Lebensverhältnisse in den Orten machen, in denen Ärztinnen und Ärzte gesucht werden.

Das Netzwerk „Ärzte für Sachsen“ hat sich zum Ziel gesetzt, die sächsischen Akteure und Fördermaßnahmen zu vernetzen. Neben dem Sozialministerium, der Krankenhausgesellschaft, den Krankenhäusern, der Kassenärztlichen Vereinigung, den Berufsverbänden und Fachgesellschaften ist die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer auch beim Sächsischen Städte- und Gemeindetag sowie dem Sächsischen Landkreistag auf Interesse gestoßen. Für Abiturienten und Medizinstudierende übernimmt das Netzwerk vor allem eine Informations- und Servicefunktion.

Bei vielen Absolventen, die jetzt ihre Studienabschlussurkunden entgegennehmen, läuft die Kammer mit diesem Angebot offene Türen ein. Teilnehmen an der Informationsveranstaltung für Weiterbildungsassistenten im Januar möchte auch Katia Teßmer. „Ich würde gern in Sachsen bleiben. Ich hatte eine tolle Studienzeit in Dresden“, schwärmt sie, während sie an ihrem Sektglas nippt. Teßmer befürchtet jedoch, dass sie keine Weiterbildungsstelle in Sachsen findet. Ihr Berufswunsch ist Kinderärztin, und in der Pädiatrie ist bislang noch nicht viel von Ärztemangel zu spüren. Stefan Wegner möchte Internist werden und geht dazu erst mal nach Mecklenburg-Vorpommern – „aber nur, weil meine Freundin dort Medizin studiert“, betont er. „Danach kommen wir wieder.“ Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Netzwerk und Homepage „Ärzte für Sachsen“

Parallel zum Netzwerk „Ärzte für Sachsen“ hat die Kammer eine Homepage „Ärzte für Sachsen“ entwickelt. Sie bietet alle relevanten Informationen zur Organisation, Struktur, den Inhalten und Ansprechpartnern für die ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung in Sachsen an. Insbesondere Medizinstudierende und Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung finden hier umfassende Informationen zu Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten in Sachsen.

Kontakt: Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer

Koordinierungsstelle „Ärzte für Sachsen“, Telefon: 0351 8267-136

www.aerzte-fuer-sachsen.de, info@aerzte-fuer-sachsen.de

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