ArchivMedizin studieren2/2010Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr: Quantität ist nicht gleich Qualität

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Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr: Quantität ist nicht gleich Qualität

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 2/2010: 18

Achilles, Elisabeth; Kampmeyer, Daniela

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Obwohl die Allgemeinmedizin allseits gefördert wird, wehrt sich die bvmd gegen ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin im praktischen Jahr. Die AG Medizinische Ausbildung erläutert, warum.

Die Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz der Länder hatte 2005 einstimmig empfohlen, das Fach Allgemeinmedizin als Pflichtfach im praktischen Jahr (PJ) in die Ärztliche Approbationsordnung (ÄAppO) aufzunehmen. Diesen Vorschlag griff 2009 auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen in seinem Bericht zustimmend auf. Ein Allgemeinmedizin-Pflichtquartal soll dazu beitragen, dass die Studierenden hausärztliche Tätigkeiten besser kennenlernen und damit nicht zuletzt dem Mangel an Hausärzten entgegenwirken.

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Sollte im PJ nicht zugunsten der Allgemeinmedizin eingeschränkt werden: das Lernen auf Station. Foto: ddp
Sollte im PJ nicht zugunsten der Allgemeinmedizin eingeschränkt werden: das Lernen auf Station. Foto: ddp

Allerdings darf in unseren Augen eine Umstrukturierung des praktischen Jahrs nicht die Lösung des Hausarztproblems sein – und sie wäre es auch nicht!

Bereits in der jetzigen Fassung der ÄAppO von 2002 sind die Ausbildungsmöglichkeiten in der Allgemeinmedizin zumindest auf dem Papier gestärkt worden. Jeder Interessierte kann Allgemeinmedizin als Wahltertial im PJ belegen. Aber auch schon vorher im Studienverlauf besteht seit langem die Möglichkeit, in bis zu zwei Famulaturen die hausärztliche Versorgung näher kennenzulernen.

Auch Studierende, die sich nicht primär für die Allgemeinmedizin interessieren, kommen durch das in der ÄAppO verankerte Blockpraktikum nicht um wichtige Einblicke in die hausärztliche Tätigkeit herum. Damit steht die Allgemeinmedizin auf Augenhöhe mit den Blockpraktika in der Inneren Medizin, Chirurgie, Kinderheilkunde und Gynäkologie.

In unserem verschulten Studium ist eine der wichtigsten Wahlmöglichkeiten das Wahlfach im PJ. Noch mehr Zwangs-PJ-Wochen bedeuten gleichzeitig eine Einschränkung unserer individuellen Ausbildungsprioritäten. Das wollen wir nicht hinnehmen!

Die meisten Weichen sind durch die ÄAppO bereits gestellt – nun geht es darum, die bestehenden Möglichkeiten auszuschöpfen. Denn wie so oft bedeutet eine Änderung der ÄAppO nicht gleichzeitig eine Qualitätssteigerung für unsere Ausbildung. Es hapert hier vor allem an der Umsetzung! Diese zu verbessern, ist der vielversprechende Ansatz, die Popularität der Allgemeinmedizin unter den Medizinstudierenden zu stärken.

Da das Land Niedersachsen eine Bundesratsinitiative zu einer derartigen Änderung der ÄAppO vorbereitet, die im Frühjahr 2010 ins Bundesratsplenum eingebracht werden soll, möchten wir daran erinnern: Quantität ist nicht gleich Qualität!

Die Arbeitsgruppe Medizinische Ausbildung in der bvmd hat weitere Infos und Stellungnahmen zum Thema PJ erarbeitet. Ihr findet sie hier: http://bvmd.de/arbeit/scome/pj/

Elisabeth Achilles, 9. Semester, Köln
Daniela Kampmeyer, 8. Semester, Köln

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