ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1997Psychopharmakon Olanzaprin: Neue Indikationen werden untersucht

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Psychopharmakon Olanzaprin: Neue Indikationen werden untersucht

Simm, Michael

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LNSLNS Mit einer Vielzahl geplanter und bereits begonnener klinischer Studien will die Firma Eli Lilly neue Anwendungen für das Antipsychotikum Olanzapin (Zyprexa®) erschließen. "Ich bin zuversichtlich, daß die Substanz langfristig einen ähnlich großen Erfolg haben wird wie Fluoxetin", sagte Garry Tollefson, Vizepräsident der Lilly Research Laboratories, am Rande des 6. Weltkongresses für Biologische Psychiatrie in Nizza.
Gute Erfolge
Im direkten Vergleich mit dem "Goldstandard" Risperidon habe sich Olanzapin bei einer Reihe maßgeblicher Kriterien als signifikant überlegen erwiesen, faßte Lilly-Mitarbeiter Pierre Tran die Resultate einer doppelblinden, multizentrischen Untersuchung mit 339 Patienten in neun Ländern zusammen, die an Schizophrenie, schizophreniformen und schizoaffektiven Erkrankungen litten. Für besonders relevant hält Tran die statistisch signifikante Überlegenheit Olanzapins bei der Reduktion negativer und depressiver Symptome sowie die deutlich verringerten Werte für Relapsrate und extrapyramidale Nebenwirkungen.
Seit der Einführung im Herbst 1996 sind 400 000 Patienten mit Olanzapin behandelt worden, vermeldete Tollefson. In den Vereinigten Staaten wurde der Wirkstoff in den ersten drei Monaten rund 100 000mal rezeptiert - und brachte Eli Lilly Einnahmen von 78 Millionen Dollar. Dieser weiterhin anhaltende Trend macht Olanzapin laut Tollefson schon heute zum erfolgreichsten Medikament im ersten Jahr nach der Zulassung. Insgesamt sind bisher 125 Vorschläge von Psychiatern in der Firmenzentrale in Indianapolis eingetroffen, die das Präparat im Rahmen klinischer Studien für die verschiedensten Indikationen erproben möchten.
Zwar wird Olanzapin momentan nur bei chronisch Schizophrenen eingesetzt, man hofft aber auch, den akuten Krankheitsverlauf positiv beeinflussen zu können, so Tollefson. Dazu wurde eine Studie mit 300 Patienten initiiert, die den Nutzen der Substanz im Vergleich zu Haloperidol bei der ersten schizophrenen Episode belegen soll. Zwei Jahre lang sollen neben Stimmungsänderungen und kognitiven Leistungen auch mögliche Veränderungen von Hirnstruktur und -funktion durch moderne bildgebende Verfahren wie die Positro-nenEmissions-Tomographie (PET) erfaßt werden.
Ebenfalls bereits gestartet wurde eine europäische, multizentrische Vergleichsstudie gegen Clozapin mit etwa 175 behandlungsresistenten Patienten. Außerdem ist geplant, Olanzapin künftig auch in Depotform, als Hautpflaster und als intramuskuläre Injektionslösung zur Verfügung zu stellen. Eine schnellösliche Tablette, die über die Mundschleimhaut absorbiert wird, ohne geschluckt werden zu müssen, ist zur Stabilisierung in der akuten Phase vorgesehen. Selbst über die Möglichkeit der Prävention wird nachgedacht, da die Schizophrenie Elemente einer Hirnentwicklungsstörung aufweist, die bereits im Mutterleib ihren Ausgang nimmt und sich meist erst 20 Jahre später klinisch bemerkbar macht. "Dies wirft die Frage auf, ob die erste schizophrene Episode durch medikamentöse Intervention verhindert werden kann", sagte Tollefson. Für solch eine Studie gebe es bisher keinen Präzedenzfall, doch sei man in Kontakt mit Meinungsbildnern, um auch diese Möglichkeit auszuloten. Zusätzlich zur Schizophrenie hofft Eli Lilly, auch den Nutzen von Olanzapin bei anderen psychiatrischen und neurodegenerativen Erkrankungen belegen zu können. Hier zielt man in erster Linie auf die manische Depression und die Alzheimer-Demenz, die beide mit Psychosen einhergehen können. Für beide Indikationen laufen derzeit plazebokontrollierte Studien, bei der manischen Depression soll noch in diesem Jahr ein Zulassungsantrag gestellt werden. Michael Simm
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