ArchivMedizin studieren1/2010Wie war Ihre erste OP-Assistenz?

Studium: Die Frage

Wie war Ihre erste OP-Assistenz?

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 1/2010: 4

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Dr. med. Regine Rapp-Engels,
Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes

Meine erste chirurgische Famulatur habe ich in guter Erinnerung, von dem Fach war ich fasziniert. Das Hakenhalten wurde erst später zur schmerzhaften Erfahrung. Ich erinnere mich an eine OP, bei der ich quasi der Blitzableiter des Teams war. Entweder ich zog zu fest oder nicht genug. Das gipfelte darin, dass der Operateur mir mit einem der Instrumente auf meine Mittelhandknochen klopfte.

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Dr. med. Tankred Stöbe,
Vorstandsvorsitzender von Ärzte ohne Grenzen

Durch die schmierigen OP-Scheiben beobachtete ich die Tauben, die dort ihren Nestplatz hatten, ihr Kotgestank drang durch die fehlende Isolierung nach innen. Auf dem Boden saßen Krankenschwestern, die OP-Fäden aufwickelten. Hygiene, so wurde mir schnell klar, spielt hier eine andere Rolle. Und Haken halten sollte ich bei dieser ersten OP auch nicht, an die ich mich so genau auch weiter nicht erinnern kann – ich fiel in Ohnmacht.
Keine Frage: Die Chirurgie im Praktischen Jahr im St. Marthas Hospital, Bangalore/Indien, war eine intensive Erfahrung. Vielleicht hielt sie mich davon ab, später Chirurg zu werden. Nicht aber davon, als humanitärer Helfer nach Asien zurückzukehren.

Prof. Dr. med. Roland Hetzer,
Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums in Berlin

Ich stand als Anfänger in Augsburg in der Allgemeinchirurgie bei einer Darmanastomose als 2. Assistent am Tisch. Der 1. Assistent reichte mir eine Schere, um Fäden abzuschneiden. Der Chef sah das und sagte sehr eindringlich: “Sie schneiden hier nichts ab, Herr Hetzer“. Na toll, nicht einmal so einen einfachen Handgriff traute er mir zu. Ich war sauer.

Dr. med. Erwin Lotter,
Mitglied des Deutschen Bundestages (FDP)

Alles war neu: Das Umkleiden, die Schleuse, die Händewaschzeremonie, der Geruch, die Atmosphäre im OP-Saal und die Hierarchie am OP-Tisch. Als unangenehm empfand ich die ungewohnte körperliche Belastung, insbesondere den Kraftaufwand in Fingern und Händen beim Hakenhalten. Auch der rüde Umgangston gefiel mir gar nicht, insbesondere wenn man aus irgendeinem Grund vom Operateur unversehens angebrüllt wurde. Es war zwar eine interessante Erfahrung für mich, mir wurde aber auch sehr schnell klar, dass ich nicht mein Leben lang operieren würde.

Rudolf Henke,
1. Vorsitzender des Marburger Bundes und Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU)

In einem meiner ersten Nachtdienste als PJler bat mich der Oberarzt, ihm bei einer Appendektomie zu assistieren. Vorher hatte ich nur bei kleineren Wundversorgungen assistiert und so war ich permanent in Sorge, ich könnte irgendeinen Fehler machen. Die Operation verlief völlig glatt, doch zum Schluss fragte ich den Oberarzt, ob er mir nicht etwas viel zugetraut hätte. Schließlich hatte ich bisher ja nur zugesehen und Haken gehalten. Er meinte nur, er hätte den Eingriff auch alleine durchführen können, aber die PJ-Absolventen sollten in einem Akademischen Lehrkrankenhaus ja auch etwas lernen. Seit dieser gehörte er zu meinen Lieblingsoberärzten.

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