ArchivMedizin studieren3/2010Versicherungen: Drei sind wichtig

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Versicherungen: Drei sind wichtig

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 3/2010: 8

Pohl, Detlef

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Medizinstudierende benötigen nur wenige Verträge, doch die sollten optimal passen.

Mit Beginn des Studiums verändern sich für angehende Ärzte auch einige soziale Rahmenbedingungen. Vor allem die Haftung für fehlerhafte Behandlungen sowie die eigene Gesundheit sollten gut abgesichert werden. Zunächst ist aber weniger Schutz nötig als besorgte Versicherungsvertreter häufig weismachen. Wirklich wichtig sind nur drei Absicherungen: gegen Krankheit/Pflege, Schadenersatz im Alltag und im Krankenhaus (mit einer guten Privathaftpflichtversicherung) sowie gegen die finanziellen Folgen von Invalidität (mit einer guten Berufsunfähigkeitsversicherung). Günstig: Die ersten beiden Absicherungen gibt es weitgehend unentgeltlich, falls die Eltern gesetzlich krankenversichert sind oder eine Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Dann ist der Studierende nämlich bis zum Alter von 25 Jahren beitragsfrei mitversichert. In diesem Fall kommt ein Studienanfänger mit einer einzigen Police aus – der Berufsunfähigkeitsversicherung. Lediglich Kfz-Besitzer brauchen zudem zwingend eine für junge Leute nicht ganz billige Kfz-Haftpflichtversicherung (Tabelle 1).

Auch der Schutz für finanzielle Folgen von Unfällen mit bleibenden Schäden ist unentgeltlich und automatisch über die Berufsgenossenschaft der Universität geregelt – allerdings nur an der Uni oder im Krankenhaus und auf dem Weg dorthin sowie beim Studentensport. Leider bezahlt die gesetzliche Unfallversicherung im Ernstfall nur eine magere Rente. Daher ist auch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) unerlässlich. Das Risiko wird gern verdrängt, ist aber sehr real: Fast jeder vierte Erwerbstätige kann seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zum Beginn der Altersrente ausüben. Vorteil der BU-Versicherung: Sie zahlt nicht nur bei Invalidität nach einem Unfall, sondern auch nach Krankheiten. Letztere führen in 90 Prozent der Fälle zu Berufsunfähigkeit. Bei Studenten haben die Lebensversicherer häufig die Versicherungssumme auf 1 000 Euro BU-Rente begrenzt, da noch kein richtiger Beruf mit entsprechend hohem Einkommen ausgeübt wird. Das macht aber nichts: Mit dem Start in den eigentlichen Arztberuf kann der versicherte Student später die Summe ohne erneute Prüfung seiner Gesundheit erhöhen. Er sollte sich diese wichtige Option aber schon beim jetzigen Abschluss sichern – Nachversicherungsgarantie genannt.

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Trotz vorerst niedriger BU-Rentenleistung lohnt sich der Abschluss des Vertrags so früh wie möglich, am besten gleich zu Studienbeginn. Grund: Die Versicherer berechnen den Beitrag nach Alter, Beruf und Gesundheitszustand. Je früher die Versicherung abgeschlossen wird, desto billiger wird es also. „Daran ändert sich bei einigen Versicherern auch nichts, wenn Studenten später in gesundheitlich riskanteren Berufen arbeiten“, weiß Versicherungsmakler Wolfgang Wüller (Lüdinghausen). Solche verbraucherfreundlichen Klauseln gibt es unter anderem bei Dialog, WWK und LV 1871.

Das auf Tarifvergleiche von Versicherungen spezialisierte Softwarehaus Morgen & Morgen (Hofheim) hat für „Studieren.de“ die aktuell besten BU-Angebote für Medizinstudenten herausgefiltert – für eine 21-jährige Frau (Tabelle 2) und einen gleichaltrigen Mann (Tabelle 3). Versichert werden 1 000 Euro BU-Rente, der Beitrag ist monatlich bis zum Endalter 67 Jahre zu zahlen (Beitragsbefreiung im BU-Fall). Bei allen Gesellschaften sind die Leistungen im Kleingedruckten Spitze, so dass niemand Fallstricke fürchten muss. Alle genannten Anbieter verwenden die Überschüsse, die vor allem durch weniger Invaliditätsfälle als kalkuliert entstehen, dazu, den Beitrag zu verringern (Sofortrabatt). Der aktuelle Beitrag kann maximal auf den Bruttobeitrag ansteigen, wenn insgesamt mehr BU-Leistungen zu bezahlen sind als vom Versicherer ursprünglich kalkuliert.

Kostenpunkt für einen angehenden Humanmediziner: ab 33 Euro pro Monat bei solchen Gesellschaften wie Swiss Life, Allianz oder auch der auf Ärzte spezialisierten Deutschen Ärzteversicherung (Köln), einer Tochter des AXA-Konzerns. Raucher zahlen wegen des etwas höheren Invaliditätsrisikos in diesem Alter 1 bis 3 Euro mehr. Wichtig: Nur die in den Tabellen genannte Tarifbezeichnung ist die Gewähr für hohe Qualität. Fast alle Versicherer haben auch andere Tarife im Programm, die zum Teil billiger, aber in jedem Falle auch schlechter sind als die hier genannten Angebote, denen hervorragende Qualität bescheinigt wird. „Es kommt immer auf den konkreten Tarif an“, bestätigt Dr. Martin Zsohar, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. Übrigens: Beide BU-Tabellen sind gegenüber dem Original leicht verknappt. Wer ungekürzt lesen will, kann im Internet (www.morgenundmorgen.de unter Pressetabellen) nachschauen und die jeweilige Tabellen-ID eingeben (siehe Fußnoten in den BU-Tabellen).

Falls wenigstens ein Elternteil in einer gesetzlichen Krankenkasse Mitglied ist, können Studenten dort bis zum 25. Geburtstag kostenfrei mitversichert bleiben. Dann endet die kostenfreie Familienversicherung, bei Nebenjobs mit mehr als 400 Euro pro Monat entsprechend eher. Studenten ab 25 Jahren haben die Wahl zwischen Kasse und privat. Bei der Kasse besteht Anspruch auf alle Leistungen außer Krankengeld. Das kostet einschließlich Pflegeversicherung circa 66 Euro pro Monat. BAföG-Empfänger können einen Zuschuss in dieser Höhe beantragen. Nach dem 14. Fachsemester oder spätestens mit dem 30. Geburtstag endet der preisgünstige Schutz. Eine freiwillige Versicherung in der Krankenkasse ist möglich; der Beitrag berechnet sich nach den individuellen Einnahmen und kommt etwa doppelt so teuer wie vorher (siehe: www.studenten-kv.de). Wer vor dem Studium privat versichert war, weil die Eltern es auch sind, muss sich bei Studienbeginn entscheiden, ob er privat bleibt oder lieber in die gesetzliche Kasse wechseln möchte.

Zum Schadensersatz: Eine Privathaftpflichtversicherung ist ein absolutes „Must-have“. Lässt man den Beamer des Professors fallen oder verletzt jemanden dauerhaft mit seinem Rad, kann das im Ernstfall langjährige Entschädigung bedeuten. Haben die Eltern eine Police, ist man in der Regel auf der sicheren Seite, sofern mindestens drei Millionen Euro pauschale Deckungssumme vereinbart sind: Der Vertrag deckt das Risiko auch für Kinder kostenfrei mit ab. Das gilt auch für Studenten – und sogar mit eigener Wohnung. Bedingung: Sie heiraten nicht. Nach der Hochzeit und nach Studienabschluss gilt: Ein eigener Vertrag ist nötig. Günstige Versicherer bieten ab 41 Euro Jahresbeitrag attraktive Leistungen. Für Medizinstudenten ist der Einschluss ihres Berufsrisikos auch bei grober Fahrlässigkeit wichtig, denn Fehler bei der praktischen Arbeit in Famulaturen, im praktischen Jahr sowie bei sonstigen patientennahen Tätigkeiten können den finanziellen Ruin heraufbeschwören. Für seine studentischen Mitglieder hat der Hartmannbund mit der Deutschen Ärzteversicherung ein günstiges Angebot parat. Die Police gilt obligatorisch und ist unentgeltlich; lediglich ein Euro Monatsbeitrag für den Hartmannbund ist fällig. Detlef Pohl

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