ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1997Sportmedizin – Funktionelle Therapie: Maximale Stabilität bei hoher Mobilität

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Sportmedizin – Funktionelle Therapie: Maximale Stabilität bei hoher Mobilität

EB

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LNSLNS Neue Erkenntnisse über die Stoffwechselvorgänge bei Bändern, Knochen und Knorpel verdeutlichen, daß fehlende Belastung schwerwiegende Risiken birgt. Als Folge der Ruhigstellung ist zunächst die Muskelatrophie zu nennen. Dabei verkümmern die Muskelfasern regelrecht aufgrund fehlender Belastung. Gefördert wird die Atrophie durch die immobilisationsbedingte Muskelverkürzung. Je nach betroffener Muskelgruppe wurde eine Reduktion des Querschnitts von zehn bis zu 60 Prozent beobachtet.
Durch das Fehlen des Wechselspiels zwischen Be- und Entlastung wird die Aktivität der Osteoblasten verringert, die der knochenabbauenden Osteoklasten dagegen erhöht - es kommt zu einem signifikanten Verlust an Knochenmasse. Auch der Knorpel verliert bei einer Langzeit-Immobilisation was-serspeicherndes Proteoglykan. Seine Elastizität nimmt ab, und eine Präarthrose kann entstehen.
Kollagenfasern von Bän-dern und Sehnen heilen völlig ungeordnet, wenn ihnen infolge fehlender Beanspruchung nicht ihre histologische (parallele) Struktur vorgegeben wird. Da Bänder generell nur eine begrenzte Regenerationsfähigkeit aufweisen, ist bei Immobilisation mit erheblicher Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit zu rechnen. In einigen Studien hatte sich beispielsweise an Kreuzbändern bereits nach einer achtwöchigen Ruhigstellung die Zugbelastbarkeit um bis zu zwei Drittel reduziert.
Je früher die aktive funktionelle Mobilisierung von lädierten Bändern, Sehnen und Muskeln stattfindet, um so besser stehen die Chancen für einen komplikationslosen Heilungsverlauf. Bereits kurze Zeit nach der Entzüngungs-Phase sollte der Patient mit der funktionellen Belastung (isokinetisches Training) beginnen und diese langsam, aber kontinuierlich steigern. Begleitende passive Maßnahmen wie Gelenkmobilisation, Massage und Elektrostimulation haben ebenfalls einen wichtigen Anteil an der Heilung.
Inzwischen werden selbst komplette Bandrupturen am oberen Sprunggelenk in zirka 95 Prozent der Fälle ausschließlich konservativ-funktionell behandelt. Im Hinblick auf das Therapie-Ergebnis läßt sich kein funktioneller Unterschied zwischen einer operativen Rekonstruktion und einer Spontanheilung feststellen. Ebenso konnte bei isolierten Rupturen am medialen Seitenband des Knies nachgewiesen werden, daß die konservative Therapie eine höhere Stabilität und Festigkeit des Bandes sowie eine verbesserte räumliche Ausrichtung der Kollagenfasern bewirkt, als es bei einer längeren Ruhigstellung der Fall wäre. Basis der konservativ-funktionellen Behandlung sind orthopädische Hilfsmittel wie Tapes und Orthesen, die - im Gegensatz zu starren Gipsverbänden - maximale Stabilität bei größtmöglicher funktioneller Mobilität bieten.
EB


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