ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2011Weiterbildung ärztlicher Psychotherapeuten: Mengenbegrenzung anpassen

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Weiterbildung ärztlicher Psychotherapeuten: Mengenbegrenzung anpassen

Dornberg, Martin; Wirsching, Michael; Geigges, Werner

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Längere Richtlinientherapien erfordern die Weiterbildung im ambulanten Sektor. Foto: Keystone
Längere Richtlinientherapien erfordern die Weiterbildung im ambulanten Sektor. Foto: Keystone

Seit der Einführung der zeitgebundenen Kapazitätsgrenzen müssen ärztliche Psychotherapeuten und Fachärzte für Psychosomatische Medizin, die Weiterbildungs- assistenten beschäftigen, erhebliche Honorareinbußen in Kauf nehmen.

Die Weiterbildung ärztlicher Psychotherapeuten im Fachbereich Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist mit der 2009 eingeführten Vergütungsreform wesentlich erschwert worden. Seit dem 1. Januar 2009 wurde für alle ausschließlich psychotherapeutisch tätigen Fachgruppen eine Mengenbegrenzung eingeführt, die über „zeitbezogene Kapazitätsgrenzen“ gesteuert wird. Bis zu diesem Zeitpunkt waren genehmigungspflichtige psychotherapeutische Leistungen (Richtlinienpsychotherapie) nicht oder nur sehr eingeschränkt budgetiert und die Mengen kaum begrenzt.

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Praxen, die Weiterbildungsassistenten zum Facharzt Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (und/oder für die Zusatzbezeichnung „Psychotherapie – fachgebunden“) ausbilden, werden nach der Systematik der zeitbezogenen Kapazitätsgrenzen genauso behandelt, wie Praxen, in denen keine Weiterbildung stattfindet, in denen also nur ein einzelner Arzt arbeitet. Dadurch wurden Weiterbildungsbefugte mit zum Teil massiven Honorareinbußen konfrontiert: Im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung BadenWürttemberg zum Beispiel in Höhe von etwa 10 000 Euro pro Quartal. Dies führte dazu, dass Weiterbildungsverhältnisse aufgelöst wurden, die beidseitig mit Erfolg hätten weitergeführt werden können.

Die zeitbezogenen Kapazitätsgrenzen gelten ausschließlich für Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und ausschließlich psychotherapeutisch tätige Ärzte. Doch nur die Weiterbildungspraxen der ärztlichen Psychotherapeuten/Fachärzte für Psychosomatische Medizin sind von den Honorareinbußen betroffen. Die Ausbildung von Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (vergleichbar der ärztlichen Weiterbildung) erfolgt an psychotherapeutischen Ausbildungsinstituten. Die Therapiesitzungen, die die Ausbildungskandidaten dort durchführen, werden über Verträge mit den Krankenkassen direkt vergütet.

Besonderheiten des Fachs berücksichtigen

Die Weiterbildung ärztlicher Psychotherapeuten beinhaltet naturgemäß auch das Erlernen längerer Richtlinienpsychotherapien. Diese können ausschließlich im ambulanten Bereich gelehrt werden, auch weil die Behandlungsdauer an psychosomatischen Abteilungen oder Kliniken häufig nur maximal mehrere Wochen umfasst. Die Weiterbildung von ärztlichen Psychotherapeuten und Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie kann also nur gewährleistet werden, wenn für die Weiterbildungsbefugten im niedergelassenen Bereich eine an dieses Fachgebiet angepasste Vergütungsform geschaffen wird. Die Besonderheiten des Fachs Psychotherapie (etwa die Personengebundenheit, Zeitintensität, Langfristigkeit der Leistung, bei Weiterbildung zusätzlich die notwendige Supervision) müssen hierbei berücksichtigt werden.

Die Autoren schlagen dafür folgende Möglichkeiten vor:

  • Etablierung einer Regelung analog zu der Vergütung von Psychologischen Psychotherapeuten an Ausbildungsinstituten mit Vergütungen, die eindeutig dem Ausbildungstherapiekontingent entsprechen. Denkbar wäre eine rein weiterbildungsbezogene KV-Nummer oder ein „Institutsstatus“ für alle Weiterbilder im Fachbereich „Ärztliche Psychotherapie“ (Klinik und Praxis).
  • Finanzielle Förderung der Weiterbildung „Psychosomatische Medizin und Psychotherapie“ etwa wie beim Facharzt für Allgemeinmedizin (monatliche Förderung von circa 3 500 Euro).
  • Deutliche Erhöhung der zeitbezogenen Kapazitätsgrenze in Weiterbildungspraxen.

Dr. med. Dr. phil. Martin Dornberg,
Prof. Dr. med. Michael Wirsching, Freiburg
Dr. med. Werner Geigges, Glottertal

Anschrift für die Verfasser
Dr. med. Dr. phil. Martin Dornberg Zentrum für Psychosomatik und Psychotherapie Ärztehaus am St.-Josephs-Krankenhaus Freiburg Habsburgerstraße 116, 79104 Freiburg

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