ArchivMedizin studieren4/2010Berufsmonitoring: Heimatverbundene Studierende

Politik

Berufsmonitoring: Heimatverbundene Studierende

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 4/2010: 22

Richter-Kuhlmann, Eva

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Lieber in der Stadt als auf dem Land, lieber Spezialist als Generalist: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung analysierte die Wünsche der künftigen Ärztegeneration.

Die Anziehungskraft ist ungebrochen: Vier Abiturienten bewerben sich derzeit auf einen freien Medizinstudienplatz in Deutschland. Für junge Menschen ist der Arztberuf also immer noch erstrebenswert – allerdings nicht in jeder Region. Dies ist das zentrale Ergebnis des Berufsmonitorings der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), des Medizinischen Fakultätentags (MFT) und der Universität Trier. Mehr als 12 000 Medizinstudierende (etwa zwei Drittel davon Frauen) fast aller medizinischen Fakultäten Deutschlands beteiligten sich im Sommer an der bislang größten Online-Befragung. „Die jungen angehenden Ärztinnen und Ärzte wissen, dass ihre Arbeit gefragt ist. Sie haben das Privileg, sich später aussuchen zu können, wo sie arbeiten“, erklärte Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Eine wesentliche Rolle spielt für die künftigen Ärztinnen und Ärzte der Befragung zufolge der Einsatzort. Dabei zeigen sich viele Nachwuchsmediziner heimatverbunden: 86 Prozent der durchschnittlich 24-Jährigen würden gern in ihrem Heimatbundesland ärztlich tätig werden, wobei jedoch 54 Prozent eine Arbeit in kleinen Kommunen bis 2 000 Einwohnern ablehnen. Am beliebtesten sind dagegen Städte zwischen 100 000 und 500 000 Einwohnern. 77 Prozent der Studierenden können sich aber auch vorstellen, ihr Heimatbundesland zu verlassen. Am gefragtesten sind dann ärztliche Tätigkeiten in Hamburg und Berlin, Nordrhein-Westfalen und Süddeutschland. Allerdings können sich westdeutsche Studierende meist nicht vorstellen, in Ostdeutschland zu arbeiten, während sich ostdeutsche Studierende wesentlich flexibler zeigen.

Anzeige

Sorgenkind der KBV ist die künftige hausärztliche Versorgung in strukturschwachen ländlichen Gebieten. „Immerhin etwa 38 Prozent der nächsten Medizinergeneration können sich vorstellen, sich als Hausarzt niederzulassen“, berichtet Müller. Allerdings sinke diese Bereitschaft im Verlauf des Studiums, während der Wunsch, sich als spezialisierter Facharzt niederzulassen, konstant hoch bleibe (Tabelle). Für Müller steht deshalb fest: „Ohne eine besondere Förderung der Niederlassung in ländlichen Gebieten wird es uns nicht gelingen, genügend Hausärzte für eine flächendeckende Versorgung zu gewinnen.“ Dazu müssen sich ihm zufolge die Versorgungsstrukturen verändern. Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren stünden dabei weit oben auf der Prioritätenliste. „So lassen sich auch Teilzeittätigkeit und ein reger fachlicher Austausch mit den Kollegen ermöglichen, den die Studierenden wünschen“, erläutert er.

Aber auch Hindernisse bei der Niederlassung insgesamt müssen nach Ansicht der KBV beseitigt werden. Als solche werden von den Studierenden das hohe finanzielle Risiko (63 Prozent der Befragten), die Bürokratie (58 Prozent), eine niedrige Honorierung (53 Prozent) und die drohenden Regressforderungen (50 Prozent) sowie ein geringer fachlicher Austausch (36 Prozent) angegeben. Gegen eine Tätigkeit im Krankenhaus sprechen nach Ansicht der Studierenden eine hohe Arbeitsbelastung (63 Prozent), die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf (61 Prozent) sowie starre Hierarchien (53 Prozent). Damit deckt sich das aktuelle Berufsmonitoring mit vorangegangenen Befragungen des Deutschen Ärzteblattes Studieren.de von 2007 und 2009. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema