ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1997Börsebius zur Lufthansa: Vom Flieger zum Renner?

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zur Lufthansa: Vom Flieger zum Renner?

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Sie sei so sexy, die ach so schöne Lufthansa-Aktie. Wie ein Brautwerber buhlte Jürgen Weber, der Vorstandsvorsitzende des deutschen Kranich-Unternehmens, anläßlich der Vollprivatisierung um neue Aktionäre. In der Tat: Nach der Telekom zählt der Lufhansa-Börsengang als zweitgrößter in diesem Jahr. Wobei der Begriff "Börsengang" hier etwas hinkt, weil Aktien der Lufthansa ja bereits in Frankfurt und anderen Finanzplätzen gehandelt werden, der Bund lediglich seine restlichen Anteile abgibt, um Waigels Herz zu erleichtern und um die Staatsschulden ein wenig zu senken.
Ohne Wenn und Aber kann die Eliminierung des staatlichen Einflusses bei der Lufthansa als für die Zukunft positiv bezeichnet werden. Zu lange mußte die deutsche Airline irgendwelche Politiker auf Direktorenpöstchen durchschleppen, und zu lange mußten irgendwelche amtlicherseits verordneten Rücksichten genommen werden. Auch als British Airways entstaatlicht wurde, gab es dort einen fulminanten Auftrieb. Insoweit wird auch die langersehnte unternehmerische Freiheit bei der Lufthansa die erhofften positiven Auswirkungen haben.
Aber aus welchem Grund sollen Anleger jetzt Lufthansa-Aktien kaufen, wo doch der Kurs in diesem Jahr mit einem Plus von 60 Prozent schon kräftig gestiegen ist und die Bewertung der Aktie über der vergleichbarer Konkurrenten liegt?
Das ist in der Tat eine wichtige Frage: Klar ist, daß es, im Vergleich zur Telekom, keinen hohen Emissionsgewinn von heute auf morgen geben kann. So etwas ist bei einem Unternehmen, dessen Aktien schon an der Börse gehandelt werden und wo einfach Titel dazukommen, nicht möglich. Klar ist aber auch, daß Wackelbörsen, wie wir sie zur Zeit haben, nun wirklich keinen guten Nährboden für Kursgewinne darstellen.
Sie wissen ja, daß selbst die stürmischen Buchgewinne bei der Telekom mittlerweile vor sich hinbröseln. Im übrigen dürfen Anleger nicht außer acht lassen, daß andere milliardenschwere Kapitalerhöhungen anstehen. Volkswagen und die Commerzbank haben beispielsweise schon reagiert und zapfen die Börse an. Die Häufung von Kapitalerhöhungen ist immer ein Zeichen für eine ziemlich ausgereizte Börsenhausse.
Dennoch lohnt sich die Zeichnung neuer Aktien bei der Lufthansa, zumal Privatanleger einen Rabatt von einer Mark je Aktie erhalten und bei der Festlegung des Ausgabekurses vielleicht noch mal ein Abschlag von zwei Prozent winkt. Schnelle Gewinne sind allerdings nicht drin, ein Renner wird die Aktie allenfalls für Leute mit langem Atem.
Börsebius
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