ArchivDeutsches Ärzteblatt38/1997Auslandsfonds: Reizvolle Angebote in Holland und USA

VARIA: Wirtschaft - Kapitalmarkt

Auslandsfonds: Reizvolle Angebote in Holland und USA

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LNSLNS Seit dem letzten Jahr hat sich ein neuer Trend im Angebot geschlossener Immobilienfonds herausgebildet. Immer mehr Objekte werden nun in den USA und in Holland angeboten. Während die USA vor der großen Immobilienkrise, die jetzt überwunden scheint, schon einmal ein beliebtes Anlageland bei den Bundesbürgern waren, ist Holland als Standort geschlossener Immobilienfonds dagegen ein Neuling.
Das Ende des Immobilienbooms Ost ist abzusehen. Hohe Sonderabschreibungen und Verlustzuweisungen gehören der Vergangenheit an, die wirtschaftliche Rendite (ohne Steuervorteile) tritt wieder in den Mittelpunkt der Anlegerüberlegungen. Bei dieser Betrachtungsweise können die holländischen und US-amerikanischen Objekte sehr gut mit dem deutschen Markt konkurrieren, auf dem die Preise eben auf Grund der Steuervorteile sogar eher überhöht sind.
Bei allen Unterschieden, die die Märkte in den USA und Holland aufweisen, haben die dort anlegenden geschlossenen Immobilienfonds doch eines gemeinsam: es gibt keinerlei Sonderabschreibungen. Die Fonds beziehen ihre Attraktivität aus der mäßigen Einkommensteuer in beiden Ländern, vor allem für Ausländer, die sich lediglich in Immobilien engagieren, und der vergleichsweise hohen Rendite, die mit Immobilienanlagen erzielt werden kann. Wegen der mäßigen Besteuerung in beiden Ländern kommt diese Rendite ungeschmälert beim deutschen Anleger an. Wer aber einen Ersatz für hohe Verlustzuweisungen sucht, wird bei den US- und Holland-Fonds keine besonderen Vorteile finden.
Dafür können deutsche Anleger in beiden Ländern höhere Ausschüttungen als bei deutschen geschlossenen Immobilienfonds erwarten, die wegen der hohen Freibeträge für den deutschen Anleger auch noch steuerfrei bleiben. Denn in Deutschland greift der Fiskus auf die mit ausländischen Immobilien erzielten Einnahmen nicht mehr zu. In den Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA und den Niederlanden hat die Bundesrepublik auf das Besteuerungsrecht verzichtet. Dies liegt bei den Ländern, in denen die Immobilien stehen.
Einschränkung:
BRD-Steuersatz
Eine Einschränkung muß allerdings gemacht werden: Es gilt der Progressionsvorbehalt, das heißt, bei der Ermittlung des persönlichen Steuersatzes, der auf die Einkünfte in Deutschland angewandt wird, werden die Einnahmen aus den USA oder Holland mitgerechnet. Wer ohnehin den Spitzensteuersatz zahlt, hat aus dieser Regelung keinen Nachteil. Aber ein Steuerpflichtiger, der auf seine Einkünfte in Deutschland nur 40 Prozent Steuern zu zahlen hat, kann auf diese Weise vielleicht auf 41 Prozent kommen.
In den Niederlanden kann ein Anleger etwas mehr als 7 000 Gulden (1 Gulden = 0,90 DM ) pro Jahr an Ausschüttungen steuerfrei beziehen (Verheiratete, wenn beide zeichnen, das Doppelte). Erst auf höhere Ausschüttungen bis etwas über 45 000 Gulden (Verheiratete: 90 650) wird eine Steuer von 25 Prozent erhoben. Wird die Einnahme aus den Fondsanteilen noch höher, ist eine Steuer von 50 Prozent zu zahlen. Der Spitzensteuersatz beträgt 60 Prozent, wenn die Einkünfte über 92 773 (185 546) Gulden liegen.
Noch höher sind die Freibeträge in den USA. Bei
Beteiligungen bis 40 000 Dollar ist in den USA überhaupt keine Einkommensteuer zu zahlen, weil die persönlichen Freibeträge unterschritten werden. Bei höheren Beteiligungen ist die Steuer moderat und steigt nur auf einen Spitzensteuersatz von 39,5 Prozent (gegenüber 52 Prozent ohne Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag in Deutschland).
Als Anbieter von Holland-Fonds hat sich vor allem das Hamburger Bankhaus Wölbern hervorgetan. Mittlerweile hat das Institut bereits den Fonds Holland XVII plaziert. Unter den 17 sind drei Publikumsfonds. Auch die LBB Immobilien Beteiligungs- und Vertriebsgesellschaft, eine Tochter der Berliner Landesbank und Marktführer bei der Plazierung geschlossener Immobilienfonds, hat einen Hollandfonds auf den Markt gebracht. Die niederländische Rabobank, Frankfurt, hat nun ebenfalls einen solchen Fonds lanciert. Die Düsseldorfer Trinkhaus & Burkhardt Immobilien GmbH, Tochter des Bankhauses Trinkhaus, bietet inzwischen den zweiten Fonds für Holland an.
Auch bei den US-Objekten sind Banken als Initiatoren und als Vertreiber auf dem Markt. HCM Hypo Capital Management, Tochter der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, bietet die Jamestown-Fonds (derzeit Nummer 17) an. Die Deutsche Bank legt derzeit ebenfalls ein Objekt auf, und die LBB Immobilien Beteiligungs- und Vertriebsgesellschaft bietet schon etwas an.
Es ist naheliegend, daß weitere Initiatoren auf diesen Zug aufspringen. Der Trend wird sich noch verstärken, wenn die Steuervorteile Ost endgültig abgelaufen sind. Banken und Versicherungen bieten als Vertreiber zwar eine gewisse Sicherheit. Aber eine Garantie, daß alles sich so entwickelt wie in den Prospekten geschildert, gibt es nicht. Bei Banken und Versicherungen besteht immerhin die Gewähr, daß sie Schadenersatz leisten können, wenn mehr versprochen als gehalten wurde.
In jedem Fall aber gilt für Auslandsfonds dasselbe wie für inländische Produkte: Es handelt sich um eine unternehmerische Beteiligung, deren Erfolg vom Standort und vom Management der Immobilie abhängt. Jedes Engagement basiert also auf dem Vertrauen in die Qualität des Fondsmanagements. Ob der Standort gut gewählt ist, kann ein Anleger von Deutschland aus nur schwer beurteilen. Aber es ist möglich, sich die Leistungsbilanz des Initiators (möglichst beglaubigt durch einen Wirtschaftsprüfer) vorlegen zu lassen. Risiken bleiben dennoch.
LF
Anbieter von Holland- und US-Fonds
l Rabobank Deutschland AG, Solmstraße 2-26, 60486 Frankfurt
l Bankhaus Wölbern & Co., Herrengraben 74, 20459 Hamburg
l H.C.M. Hypo Capital Management, Denninger Straße 130-132, 81927 München
l Trinkhaus & Burkhardt Immobilien GmbH, Königsallee 21-23, 40212 Düsseldorf
l LBB Immobilien Beteiligungs- und Vertriebsgesellschaft mbH, Langenbeckstraße 5, 65189 Wiesbaden
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