ArchivMedizin studieren1/2011Krankenhaus: Was sind eigentlich DRGs ?

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Krankenhaus: Was sind eigentlich DRGs ?

Hibbeler, Birgit

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Der Zahlen- und Buchstabensalat in Klinikcomputern und Arztbriefen gibt viele Rätsel auf. Wir erklären, was hinter diesen Codes steckt – den Diagnosis Related Groups (DRGs).

G23C – das sieht auf den ersten Blick aus wie eine zufällige Anordnung von Zahlen und Buchstaben. Ist es aber nicht. Und wer sich auskennt, kann diesen Code entschlüsseln: Ein erwachsener Patient hatte eine Blinddarmentzündung (Appendizitis). Zum Glück verlief aber alles glimpflich, und der Wurmfortsatz wurde ohne Probleme operativ entfernt (Appendektomie). G23C ist eine Diagnosis Related Group (DRG). Genauer gesagt stammt sie aus dem Kapitel „Krankheiten und Störungen der Verdauungsorgane“ des Fallpauschalen-Katalogs. Alle DRGs in diesem Kapitel beginnen mit G. Die Zahl 23 bezeichnet die Appendektomie ohne Bauchfellentzündung (Peritonitis) und größere Komplikationen. Mit A, B und C wird dann noch nach dem Alter unterschieden.

Nun kann man fragen: Was soll der ganze Aufwand? Schließlich versteht doch jeder Arzt das Wort Appendizitis. Wieso also noch eine Geheimsprache? Das Beispiel zeigt aber: In einer DRG steckt mehr als eine Diagnose. Von jedem Krankenhauspatienten werden eine Vielzahl von Daten erhoben, zum Beispiel Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen und natürlich Aufnahmediagnose und Therapiemaßnahmen. Das machen Ärzte oder speziell geschulte Fachkräfte. Und mit Hilfe all dieser Informationen werden die Patienten einem Code zugeordnet.

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Im Stationsalltag sprechen die Ärzte nach wie vor von einer „Appendektomie“ und sagen nicht „Ich komme gerade von einer G23C“. Denn die DRGs gibt es nicht aus medizinischen, sondern finanziellen Gründen. Nach ihnen rechnen die Krankenhäuser mit den Krankenkassen ab. Anhand der DRG ergibt sich ein pauschaler Geldbetrag, den die Klinik für einen Fall bekommt – egal, wie lange der Patient da war. Vorgegeben ist aber ein Verweildauerkorridor, in diesem Zeitraum bekommt das Krankenhaus immer das gleiche Geld. Geht ein Patient früher nach Hause, wird dem Krankenhaus etwas von der Pauschale abgezogen. Bleibt er länger, gibt es einen Zuschlag – allerdings muss man dann auch begründen können, weshalb der Patient noch da ist. Warum man so vorgeht? Früher wurden die Krankenhäuser nach Tagen bezahlt. Manche Kliniken behielten die Patienten daher absichtlich länger da als nötig. Kritiker sehen bei den DRGs allerdings ein anderes Problem: Manche Patienten werden heute zu früh nach Hause geschickt („blutige Entlassung“).

Den Pauschalbetrag auszurechnen, ist im Übrigen gar nicht so kompliziert. Grundlage dafür ist der sogenannte Basisfallwert. Der ist von Bundesland zu Bundesland etwas unterschiedlich, liegt im Schnitt derzeit bei circa 2 900 Euro. Mathematisch gesehen entspricht das einer Erkrankung mit dem Schweregrad 1,0. Der Basisfallwert wird dann – je nach DRG – mit einem Faktor multipliziert.

Ohne DRGs also kein Geld. Der Weg dahin verläuft so: Zunächst einmal wird eine Hauptdiagnose festgelegt, zum Beispiel die Appendizitis. Diese wird nach der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD) verschlüsselt. In Deutschland gilt zurzeit die ICD-10-GM (10. Revision, German Modification). Darüber hinaus gibt man in den Computer Nebendiagnosen ein, wenn vorhanden. Hinzu kommen nun die Behandlungen und Untersuchungen. Sie werden nach dem Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) codiert. Aus Diagnosen, Prozeduren und weiteren Daten wird eine DRG – wie die G23C. Bei der Zuordnung hilft die EDV (Grouper), und das ist auch gut so. Zurzeit gibt es nämlich etwa 1 200 DRGs. Dr. med. Birgit Hibbeler

Fallbeispiel

25-jähriger Patient mit Schmerzen im rechten Unterbauch, Fieber und Unwohlsein. Keine Vorerkrankungen. Alle Befunde weisen auf eine akute Appendizitis hin. Der Patient wird operiert, danach ist er beschwerdefrei.

  • Hauptdiagnose (ICD-10): K35.8 Akute Appendizitis, nicht näher bezeichnet
  • Nebendiagnosen: keine
  • Prozeduren (OPS): 5–470.0 Appendektomie, offen chirurgisch
  • DRG: G23C Appendektomie außer bei Peritonitis, ohne äußerst schwere oder schwere Komplikationen oder Komorbiditäten, Alter >13
  • Mittlere Verweildauer: 3,9 Tage
  • Vergütung: etwa 2 100 Euro (im Verweildauerkorridor)

Nicht codiert werden Prozeduren wie beispielsweise Blutabnahme, körperliche Untersuchung und Ruhe-EKG.

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